Jedes Herz braucht einfach jemanden mit dem es reden kann. Mehr nicht. Ein Herz, reif wie der Herbst, unverstanden, wohnt im Erwachsenen und Kind, außer Sicht. Außer sich vor Einsamkeit in sich. Niemanden haben, mit dem es reden kann. Der Winter naht, schweigsam, dürftig, durstig nach der Zweisamkeit Gespann. Denn jenseits der Gewalten von Pflichten und Ideologien und Trieben: Sich lieben ist sich vertrauensvoll unterhalten und sich vertrauensvoll unterhalten ist sich lieben. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
der Liebe
DIE RICHTIGE
Beinahe hätte ich Dich vergessen Obwohl Du in mir wohnst Doch Du überdauertest alle meine andern Interessen Weil Du in mir wohnst. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
STÜRMISCH
Leidenschaftlich stürzt der Himmel sich auf die dunklen Berge - plötzlich ist es überall nass - und sie sind sehr laut. Diese Sehnsucht hat sich lang gestaut. Es blitzt wie ein helles Lachen Es donnert wie das Erwachen von etwas, das nur nachts in Bergen wohnt und nur die Hemmungslosen belohnt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
FÜR IMMERMEER

Meer passt zu Dir
Muß nicht reimen
Komm einfach zu mir
wie Gezeiten im Geheimen
Der Mond liegt auf meinem Munde schwer
Ich rufe Dich und Du kommst hierher
Denn Du hörst auf den Namen Immermeer.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
BALEARES

Ich stand mit Füßen im Wasser mit Herzen aus Wasser beobachtete das ruhelose Wasser Seit Milliarden von Jahren im Takt macht das Wasser genau das hier, was es macht - kommen gehen kommen gehen und lacht Ohne Höhepunkt kommen ohne Ankommen Ohne Ende ein uraltes Abkommen Erde und Meer lieben sich vollkommen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ZWEI GESPRÄCHE
Hast Du schonmal zwei Menschen
reden gehört
und mit keinem Wort verrieten sie,
worüber sie wirklich redeten?
Hallo. Wir geht‘s Dir?
Lange Zeit. Danke, mir geht es gut.
Und Dir? Auch. Auch. Schön,
Dich mal wieder zu sehen. Ja…
Eine Umarmung… Sie gehen
ihre getrennten Wege wieder. Einst
waren sie beste Freunde, Liebhaber sogar,
aber das ist lange lange her.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE HOFFNUNG
Du bist mir ein Versprechen ich Dir eins die wir lösen müssen, ehe wir sterben Und die Reise war ein Pflanzen ein Bangen, ein Pflegen, ein Warten durch die heiteren Tage und die herben Und die Hoffnung ist, daß die Ernte die selbstlose Liebe sein wird und die soll unsere Kinder erben. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
LIEBE, LITERATUR UND MUSIK
Wir sind eins mit und ohne Ring - seit dem es mit uns anfing. Und das ist ein Ding. Erlaub mir, verzeih mir die Einfachheit meiner Ausdrucksweise wenn ich wörtlich Dich verspeise enger und enger Dein Geheimnis umkreise unsere Komplexität lobpreise. Immer wenn der Tod nah ist wird mir alles, alles, unwichtig außer Liebe, Literatur und Musik. CHE CHIDI Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
BEWEGLICHE STILLE
When ich Dich berühre, sonderbar, berührt es mich. Doch warum, wenn ich mich finden will, verlasse ich jedes Mal Dich? Stopp! Komm nicht näher! Du darfst mir nicht folgen in die Klamm, verstehe mich richtig Ich gehe, weil ich komme, immer wieder - Halte Dich nur klamm. Sei mein Ende Meine Wege sind viele und unergründlich Lass mich ruhig gehen Alles hat ein Ende, warte dort auf mich denn am Ende gibt es nur Dich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EINE DIESER NÄCHTE
Ohne einander können wir
nicht mit einander.
Komm schon, bring mich durcheinander
So viel Gegenwart können wir uns gönnen.
Selbst den Anfang des Universums können
wir heute noch sehen,
wusstest Du das? Der Gegenwart stehen
Vergangenheit und Zukunft machtlos gegenüber.
Bring mir Deine Augen, die trüber und trüber
und täglich trüber werden. Schau her,
Liebe ist ein Zündstoff, brennend seit jeher,
als wäre das Herz ein ausziehbares Fernrohr –
Wusstest Du das, Funke, wusstest Du das?
Nur die sich innig binden, werden gelöst.
Nur die ehrlich sündigen, werden erlöst.
Unfassbar. Mein Boden hat kein Faß.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
