Wie lange schon Strecken wir die Arme aus, hoffend Hände Hände suchend Finger sich sehnend nach sehnenden Fingern Wie lange schon Kommen wir uns langsam entgegen? Es fühlt sich wie eine Ewigkeit an Und eine Ewigkeit wird es auch ewig sein Denn Du warst auf einmal weg. Angekommen am Treffpunkt Berührte meine Anwesenheit Deine höfliche leere Abwesenheit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
der Liebe
UN-GEDICHTE
Als Du aus meinen Gedichten verschwandst wurden sie sicher und geschützt vor Schmerzen und leer, denn vor Schmerzen geschützt ist nichts, was kommt von Herzen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
FREUNDES KREIS
Du kannst Dich nicht umdrehen
Ohne Deinen Freund zu verletzen
Denn er steht Dir nah – zu nah –
Du wirbelst ihn aus dem Gleichgewicht.
Der Trick ist, weiter zu gehen
Wenn er Dein Freund ist, trefft Ihr Euch wieder –
Du kannst Dich nicht umdrehen, ohne
Zu finden Deines Freundes Gesicht.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SCHWACH ABER STARK
Du kannst mit einem Menschen tausendmal streiten Von einem Menschen unzählige Male verletzt und enttäuscht sein Dich von dem Menschen hundertmal trennen, schwören, Du bist jetzt allein Dich an diesem Menschen anscheinend ohne Erfolg ständig arbeiten Seinetwegen gezwungen sein, Deine Lebenspläne zu verschieben - und ihn trotzdem unsterblich lieben. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ALLE ZEIT DER WELT
Ich habe keine Zeit, die Welt zu sehen Aber ich habe Zeit, Deine Welt zu sehen Und Deine Welt ist groß genug Um meine Tage und Nächte Und Herz zu füllen So lange ich noch Zeit habe So lange ich noch ich bin, der Dich liebe So lange ich noch lebe. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
NICHT MEHR LANGE
Wie schnell Ihr wachst Eure Augen sprechen Volumen Eure Worte navigieren kluge Gedanken Auf den Weg zu mir Ich sehe es in Euren denkenden Augen - Wie lange noch, bis ich Euch nicht mehr Meine Kinder nenne Sondern meine Erwachsenen? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ÖFFNE DICH
Wer nimmt Dich ernst? Wer sieht Dich ganz? Wer hat Dich gern? Wer hält Deine Hand? Wo bist Du nicht fremd? Wo bist Du nicht Zuhause? Überall Feind… und Freund In jedem Bekanntenkreise. Öffne Dein Herz Schieb Deine Ängste beiseite Bereite mir dadrin einen Platz Ich komme voller Freude. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
BARFUSS
Die Stadt klebt an meinen Stiefeln Ich schleppe sie überall mit, ins Dorf und ins Ausland Bis vor die Tür meiner Wohnung Dann ziehe ich sie aus. Wo die Stadt endet und Deine Welt beginnt, Da bin ich Zuhaus. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SICH VERTRAUENSVOLL UNTERHALTEN
Jedes Herz braucht einfach jemanden mit dem es reden kann. Mehr nicht. Ein Herz, reif wie der Herbst, unverstanden, wohnt im Erwachsenen und Kind, außer Sicht. Außer sich vor Einsamkeit in sich. Niemanden haben, mit dem es reden kann. Der Winter naht, schweigsam, dürftig, durstig nach der Zweisamkeit Gespann. Denn jenseits der Gewalten von Pflichten und Ideologien und Trieben: Sich lieben ist sich vertrauensvoll unterhalten und sich vertrauensvoll unterhalten ist sich lieben. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE RICHTIGE
Beinahe hätte ich Dich vergessen Obwohl Du in mir wohnst Doch Du überdauertest alle meine andern Interessen Weil Du in mir wohnst. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
