ZUSAMMEN AUFLEBEN

Wir können zehntausend Meilen
im Gleichschritt still stehen,
zehntausend Gespräche führen
und uns nicht verstehen,
zehntausend Mal einander anschauen
ohne einander zu sehen
und trotzdem einfach so weitermachen
wie in zehntausend anderen Ehen.

Oder wir können einmal die Regeln brechen
und einmal die Sünde begehen,
auf die eigene Innere Stimme zu hören
und ehrlich den ehrlichen Weg zu gehen –
Wir können mutig gemeinsam kämpfen,
den Begriff „Leben“ umzudrehen
und etwas Neues machen
auf Erden aus unseren Ehen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE LIEBE ZUM LEBEN

Ich kann nicht geben
ohne dabei zurückzugeben
denn mir wurde bereits alles gegeben
schön verpackt unter dem Namen: Leben.

Es ist das Fest der selbstlosen Liebe –
Damit beendet immer das Jahr seine Betriebe:
Sich verausgaben, bis nur zurück bliebe
das Ursprungsgeschenk: die Freude am Leben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ICH SPÜRE DICH

Berühren
Ohne zu berühren
Ist richtig zu berühren

Wo warst Du, als ich Dich brauchte?
Du warst in meinem Herzen,
als ich Dich brauchte,
genau dort wo ich Dich brauchte.

Denn Du bist Teil meiner Schmerzen
Warst Teil meiner Geheimnisse,
bevor sie zu Geheimnissen wurden,
als sie einfach nur Momente der Freude waren –
So bist Du in mein Herz eingestiegen

Und berührst mich fortan Tag und Nacht
egal ob Du nah bist oder fern.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EIN KLEINES ZEITFENSTER JEDES JAHR

Einem kleinen Moment
ein großes Stück Ewigkeit zu entnehmen;
Eine innere Angst
zur kraftspendenden Erkenntnis zu zähmen;
Die eigene Grobheit zu erkennen
und Dich dafür befreiend zu schämen –
Befreiend: es wird Dich nicht einschläfern,
nicht trotzig machen, nicht lähmen.

Ein kleines Zeitfenster jedes Jahr,
viele sind weich, oder weicher, gestimmt –
Mancher folgt dem Ruf bis in seine Tiefe,
während der andere auf der Oberfläche schwimmt –
Weihnachten ist Mehr. Wohl dem,
der den Berg dieser Erkenntnis erklimmt:
Erkenntnis der wahren ewigen selbstlosen Liebe,
die tiefer als Blut und höher als Instinkt sich benimmt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

RUHIGE WEIHNACHTEN

Ruhige Weihnachten wünsche ich Euch
weil ich Euch gönnen würde
was ich mir wünsche –
jene stärkende heilende hoffnunggebende
angstnehmende erneuernde ehrliche
reife Ruhe
die nichts sagt, was nicht gesagt werden soll
und, wenn was ausgesprochen werden muss
es menschlich feinfühlig
und dennoch ehrlich sagt.

Eine Ruhe, die Wunder wirkt,
aus der das neue Jahr ausbricht
wie ein warmes Lachen in der Nacht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ANDERS SEIN

Wir wollen alle das Gleiche
deshalb muss jeder was anderes machen –
Macht jeder das Gleiche,
wollen wir alle unterschiedliche Sachen.

Nie werden die Jahreszeiten
sich gegenseitig nachahmen oder gleichen –
Denn alle wollen das selbe vorbereiten,
So stellt jeder auf seiner Art die Weichen

Das Jahr wird immer rund sein:
Ein bisschen Freude, ein bisschen Schmerz,
Ein bisschen hart sein, ein bisschen wund sein,
Die Mischung macht das Menschenherz.

Und Du wirst Du sein, und ich ich
Und sehnen uns beide nach dem anderen
Wir wollen beide Liebe gegenseitig;
Das bekommt jeder nur in dem anderen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SPRECHENDE TATEN

Ich liebe Dich ist ein Klischee
man, so ein Klischee
ich würde es gerne ins Gesicht boxen
dafür
daß es wie Faust aufs Auge
auf das zutrifft
was ich für Dich in mir trage
manchmal kristallklar, manchmal vage
doch in jeder Lage
mit jedem Blick, mit jedem Streit
und mit jeder Tat Dir täglich wortlos sage.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

IN LIEBE IST GEDULD

Neben Dir
Wegen Dir
lernte ich das Warten
Denn neben Dir
wegen Dir
hatte ich nichts mehr zu erwarten
als Dich
dachte ich –
Doch fand ich, stattdessen, mein Ich.

Und jetzt warte und warte und warte
ich auf Dich
denn neben Dir
wegen Dir
fühle ich mich wie Ich
und dafür lohnt es sich
hier in unserem Liebesgarten innerlich
zu warten geduldig
auf Dich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

FREIER GEIST

Kein Mensch kann
einem Menschen gehören

Aber wir wollten uns gegenseitig angehören
Und logen einander an
jede Nacht flüsternd
Ich gehöre Dir,
Ich gehöre Dir,
Ich gehöre Dir.

Doch meine innere Stimme
schaute mich jedes Mal danach an
und sagte:
Das ist nicht fair.
Sag ihr doch die Wahrheit:
Du gehörst nur mir,
dem Feuer tief in Dir selbst.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SCHMERZ IST BESSER ALS NICHTS

Nach dem Du mich
immer und immer wieder steinigtest
ohne daß ich starb
fingst Du an, mich zu lieben, vereinigtest
Du Dich mit meiner Schwäche fürs Leben –
Denn immer, wenn Du mich peinigtest,
war ich gar nicht so stark,
wie Du mir fälschlich andichtetest,
sondern Du warst es, die durch Aufmerksamkeit
mir die Sehnsucht nach dem Tod bereinigtest.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung