der Menschlichkeit
WAS MEIN GEIST WILL
Manchmal bin ich so still
Ich weiß selber nicht
Was mein Geist will
Dann schreibe ich ein Gedicht
Wir machen so viel
Und machen es nicht publik
Das Leben ist kein Spiel
Kein Model, keine Politik
Es ist ein Schmerz, der sticht
Eine Sehnsucht nach Mehr
Eine Empfindung vom Dunkel und Licht
Eine Ewigkeit ohne Wiederkehr
Es ist täglich die Suche
Nach der Bedeutung von Gesellschaft
Es ist die unendlichen Versuche
Menschentum zu erheben über Bürgerschaft.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER DORFWANDERER
Es läuft ein Mann von Zeit zu Zeit Auf der Dorfstraße Und ahndet mit keinem Blicke mich Oben auf der Terrasse Er redet wirr und wirres Zeug Mit jemandem in seinem Kopf Er redet ernst und lächelt plötzlich Und spielt mit seinem Zopf Weiß er, wer überhaupt regiert? Wer im Parlament sitzt? Weiß er, welche Rechte er Wie wir alle besitzt? Und wenn man ihn doch sprechen tut Blickt er überrascht hoch Und grüsset höflich, scheu und nett Mit traurigen Augen doch. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
BEFRIEDIGT
Wenn Du zu viele Nächte geantwortet hast
Wie sollst Du den Tag noch fragen?
Wenn Du zu viele Innenleben bekommen hast
Wie sollst Du das Äußere noch jagen?
Wenn Du zu viel Wahrheit erlebt hast
Wie sollst Du Geschichten noch verehren?
Wenn Du zu viele Herzen gegessen hast
Wie sollst Du Körper noch verzehren?
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
NORMAL MENSCHLICH
Die Nachbarn waren ihre einzige Freude nach dem Tode ihres Mannes, wussten es wohl, sprachen es nie aus, taten so als täten sie nichts Besonderes denn das ist das, was gute Menschen tun. Normal ist groß. Es gibt nichts Größeres. Die Nachbarn waren ihre einzigen Freunde nach dem Tod ihres Mannes. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EINSAMMELN
Wo bin ich?
Ich versuche, mich zu sammeln
Aber ich finde mich nicht.
Wo bin ich?
Als wäre ich auf Reise gegangen
Warte ich in mir gefangen
In meinem Verlangen.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE BESTEN GESCHENKE
Heiligabend. War er bereits –
mit Geschenken mehr oder weniger beladen –
bei Euch gewesen?
Nicht vergessen, zieht hoch die Rolladen…
Schaut hinter die Fassaden:
Die besten Geschenke
kommen, reich beladen, von Herzen
und lindern den Mitmenschen
ihre Trauer, ihre Einsamkeit und ihre Schmerzen…
Brennen heller als alle Adventskerzen.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
TAGE DER KÄLTE
Im Winter schreibt die Straße
ihre härtesten Gedichte
Wieder ein Obdachlose erfroren
mundtot in der Stadtgeschichte
Die Nachrichten schreien
darüber ein paar Tagesberichte
Die Politik zeigt sich bestürzt –
das, wozu sie sich verpflichte.
Die Bewohner und Benutzer
der Straße, ihre eigenen Gerichte,
wussten‘s schon immer, die Kälte
richtet ihn eines Tages zunichte.
Niemand rief den Kältebus
doch die waren keine Bösewichte
Die Kälte zieht uns die Wärme ab,
die ihr Ertragen ermöglichte.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WUNDE STUNDE
Es ist jene Stunde erneut der Selbstliebe des Selbsthasses der gesteigerten Triebe des inneren Kompasses der Hoffnungssiebe des Ich-Strafmaßes der Traumdiebe des neuen Anlasses die Wunde zu lecken, unbereut. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ENT-SCHULDIGUNG
Wer kennt das nicht? Menschen machen Fehler und Fehler machen Menschen. Die Vollkommenheit schuf uns aber erst die Fehlerhaftigkeit formte uns. Erlebe! Wenn schon, denn schon. Wer kennt das nicht? Menschen machen Fehler die Menschen machen. Vor und nach dem Fehlgang - am Ende wie vorher am Anfang - lacht stets ein Erwachen. Wer kennt das nicht? Erst die Schuld-Aufladung dann im nächsten Lebensabschnitt die Ent-Schuldigung. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
