TIEFER ALS BLUT

Viele werden kommen und wieder gehen,
viele Ausländer aus Ländern und Begriffen,
denn fremdsein liegt nicht nur im Aussehen -
das besonders Fremde sitzt nicht in Schiffen.

Es sind Gedankenformen und Empfindungen,
die uns anfassen, auffassen und erfassen,
die uns einspannen in neue Verbindungen -
die wir nicht fassen - eher sie uns wieder verlassen.

Ihr denkt, daß Blut das tiefste ist…
Ihr irrt gewaltig; tiefer verankert als Blut
liegt der Boden, wo das Tatsächliche sitzt:
Fremdes, Eigenes, Geist, Hab und Gut.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

NUR UNSER GEIST

Ein künstliches Gehirn, das für uns denkt
aber nichts empfindet und nicht mal fühlt,
darf nicht sein was unsere Schritte lenkt,
uns belehrt, führt, füllt und aufwühlt.

Alles, was wir bereits entdeckten, ist nichts
im Vergleich zu dem, was wir noch nicht wissen.
Und nur unser Geist kann‘s finden. Angesichts
der Verrohung hilft keine KI, nur das Gewissen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

EIN DEUTSCHLAND

🇩🇪Eine Leinwand
Eine werktätige Hand
Ein buntes Land
Ein geistiges Band
Ein menschlicher Rand
Ein Mittelstand
Ein Zukunftspfand
Ein Herzbrand
Ein Deutschland.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ALT UND NEU

Wir entdecken uns neu
finden die selben alten Persönlichkeiten
in neuen Farben und Befindlichkeiten
und bleiben uns dennoch treu.

Wir sind deutsch wie früher
und deutsch wie noch nie vorher.
Entschlossener. Wissender. Treuer.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ERDDORF

Die Welt ist zu einem Dorf echt geworden -
Wir erleben uns alle gegenseitig in Echtzeit.
Sympathien und Ressentiments, einst verborgen,
merken, wie nah sie sich sind. Sie waren nie so weit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

STADT SILHOUETTE

Die Stadt ist viele Städte
Jede eine fremde Facette
Die fiese, die fade, die nette
Auf dieser gemischten Palette
Des Modernen Wirkungsstätte
Zugleich Freiheit und Kette
Was ich hab, ist, was ich rette -
Meinen Geist und seine Silhouette -
Unwichtig was ich nicht hab oder hätte.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

GIESSET DIE BLUMEN

Alle diese Gedanken,
die wir denken, in die Welt setzen,
was geschieht mit ihnen?
Die die ätzen, vernichten, verletzen.

Wir kommen und gehen
aber unsere Gedanken bleiben
wie unsichtbare Wolken
die verdichtend nicht weiter treiben.

Gedanken der Habsucht,
der Ichsucht und der Selbstsucht,
Gedanken der Eigensucht
und weniger der Lichtsehnsucht.

Ab und zu in der Wüste
hier und da ersprießt unerklärlich
eine einsame tapfere Blume.
Halte durch, Du bist unentbehrlich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

AUFSTIEG DES KÜNSTLICHEN

Daß so viel Schönheit
so viel Tiefe fehlen könnte,
beweist uns die Jetztzeit,
wo sich das Künstliche krönte.

Mit der KI sieht‘s vollkommen aus,
dennoch fehlt irgendwas.
Auch sie jagt nur den Applaus,
ihr gegeben als Richtmaß.

Seltsam, das Vollkommene fühlt sich
irgendwie unvollkommen an.
Selbstverständlich. Denn die Ki fügt sich
ein, passt sich uns vollkommen an.

Zurückgedrängt, die Empfindung.
Bemächtigt, die Geltungssucht.
Erleichtert, Betrug und Verwirrung.
Analog-bleiben wird zur Realitätsflucht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MENSCHSEIN ALS WIDERSTAND

Zu denken, daß Du das Recht hast,
anderen ihre Freude weg zu schämen…
Zu glauben, daß Du die Macht hast,
anderen ihre Freiheit weg zu nehmen…
Zu träumen, daß Du die Aufgabe hast,
andere zu brechen, zu töten, zu lähmen…

Du spürst nicht wie er wächst,
der globale Widerstand …
Von Kultur zu Kultur wächst,
von Land zu Land …
Menschsein mit Verstand und Geist,
mit Herz und Hand.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DIE GANZE WELT KAM NICHT ZUSAMMEN

Die ganze Welt kam zusammen untereinander
aber anstatt sich besser zu lieben,
hat das gegenseitige Erleben voneinander
sie zu noch mehr Hass getrieben.

Internet und leichtes Reisen
beschleunigten die Verbreitung der Vorurteile;
Es fanden sich in alten Kreisen
neue Menschen zusammen in Windeseile.

Das Gesetz der Anziehung der Gleichart
wurde der Menschheit zum Fluch und Verderben;
Eine eiserne Trennung zwischen zart und hart,
zwischen innerem Leben und Sterben.

Wir dünken uns fortgeschritten
doch besser sind wir dabei nicht geworden;
Gefangen in alten starren geistigen Sitten,
künstlich intelligente moderne Horden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung