LIEBESKUMMER

Ich möchte wieder sterben
Nochmals so tot sein
Wie ich es war
Bis deine Augen mich zum Leben lockten

Wer hat dir das Recht gegeben
Mir das Atmen bei zu bringen
Ohne mich vorher zu warnen
Die Luft sei knapp?

Was mache ich überhaupt hier
In einem Gespräch ohne Vertrauen
Wo Lebendiges sich tot stellt
Totes unsere Denkfelder bevölkert?

Und dennoch – jetzt wo ich wieder lebe
Wie schön ist es, nach Luft zu schnappen
Zu lachen, zu weinen, nach zu denken
Schlaflose Nächte wieder zu leiden.

Ich zog aus dem Schlafzimmer
Für eine Nacht ins Wohnzimmer
Wachte um vier auf und las deine WhatsAppnachricht
Come back, I miss you!

– Che Chidi Chukwumerije

VERLANGEN

Der neue Tag ist eingebrochen
Er kann nicht länger warten
Der Regen, den ich nachts gerochen
Erfüllt ihn mit Erwarten

Du merkst, wie er sich Mühe gibt
Die Führung zu übernehmen
Merkst auch, dass ihm dies nicht gelingt
Fängt an, sich leicht zu schämen

Ein rötlich Färben streift seine Wangen
Er zittert unbewusst
Eine Gänsehaut, ein dumpfes Verlangen
Ergreift seine Brust

Denn der Regen, der die Nacht
Enthäutete wie einen Lauch
Führt weiter mit seinem Liebesakt
Er will den Tag auch.

Che Chidi Chukwumerije.

PERLEN

Der dürftige Nachtregen
Kehrt abermals zurück
Ich lausche ihm lieber
Als schreiben in meinem Buch

Wäre ich ein Baum
Würde er meinen Blättern
Alte Zeilen bereinigen
Perlen hinterlassen

Ungestört, die Nacht und ich
Der Regen legt sich abermals
Das Schweigen erhebt sich abermals
Weicht und befruchtet mich.

– Che Chidi Chukwumerije.

BEISEITE

Lange nach dem ich meine Gitarre
Gespielt und wieder beiseite gelegt
Hatte, antwortete die Nacht, sanft, sachte
Und plötzlich. Geräusche. Die Nacht ist erregt
Dachte ich, als ich durchs Fenster dem Regen lauschte
Und dann roch ich sie, ihre milde Feuchte
Und roch sie noch lange nach dem der kurze Regen
Langsam, lautlos verschwunden war.

– Che Chidi Chukwumerije.

STAUNEN

Tiger Tiger
Tausend Krallen
Fänden jetzt keinen Angriffspunkt
Auf meinem Herzen

Deine sanfte Stimme nur
Verschafft mir Sonne
Und in der Nacht tausend Sonnen

So stark deine Weichheit
So sicher dein tastendes Stolpern
Eine Welt für sich
Bist du

Tiger Tiger
Zarte Pfoten
Halte mich wieder wie in jener Nacht
Ohne Vorbehalt
Mit all der Liebe deiner feuerkühlen Urmacht
Und das was du sagst, sag leise…

Tiger Tiger
Es ist ein Raunen im Wald
Ein Staunen in meinem Herzen.

 – Che Chidi Chukwumerije.

BERÜHRUNG

Berühre mich heute
Nacht nicht – ich bin wund
Ich bin der Nacht Beute
Es klopft die Erinnerung

Salbe. Dein Schweigen
Ist Salbe, ist Liebe, ist lind
Ist wie ein sanfter Reigen
Ist wie ein Schmetterling

Wer tanzt da ohn Gesicht?
Wer drückt da meine Hand?
Es trifft mich, und zerbricht
Ein müder Bumerang

Dich wollte ich aber nicht
Verletzen – sondern schützend
Schwieg ich. Doch im Gedicht
Lieg ich dir hauteng

So trennte uns die Nacht –
Abnehmender Halbmond…
Morgen stimmen wir uns sacht
Wieder ein in unsren Song.

– Che Chidi Chukwumerije.

KUSS UNTERM BERG

Ich hocke blau im dunklen Berg
Horche, höre verhalten deine Schritte

Die Täler teilen, öffnen sich generös
Das Gebüsch dunkel lacht amourös

Deine Hand lässt zittern mich aufatmen
Wieso der feste Griff? Wovor die Angst?

Die Berge rufen wie Vergangenheit
Was wollen die denn von mir?

Sie haben dich zum Leben erwacht
Zurück geführt zu mir.

– Che Chidi Chukwumerije.