KOMMEN UND GEHEN

Warum fühlt sich der Anfang an
wie das Ende
Und das Ende wie der Anfang an?

Deine Liebe ist wie der Sonnenuntergang
Deine Liebe ist wie der Sonnenaufgang
Immer am Ende
Immer am Anfang

Magst Du mich kommen fühlen mit Glut und Wonne
Musst Du mich gehen lassen wie die Sonne.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

FIEBER

Diese so schöne Frau…
Ihre Temperatur steigt
Das Fieber schüttelt ihren Körper
Sie zittert und brennt und schweigt laut
Ihre Augen tränen mit einem Blick,
der zur Verzweiflung und zur Wut neigt

Ihre Eiskappen schmelzen
Fließen wie Schweiß ihre Stirn hinab
Sie kann kaum atmen –
Hörst Du, wie sie nach Luft schnappt?
Mir scheint es, Mutter Erde selbst ist es,
die Corona hat.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DU SPÄTER ALS KIND WIEDER

Du später als Kind wieder
in einem zukünftigen, neuen, Leben…
Welche Erde würdest Du vorfinden,
von Dir selbst vorbereitet
von Dir selbst zugerichtet?

Du später als Kind wieder…
in welcher Welt würdest Du aufwachsen?
Schrott im Weltall
Müll im Weltmeer
Luft zum Schmutz verdichtet.

Du später als Kind wieder…
Empfänger der Wechselwirkung von Entscheidungen,
die Du heute als Erwachsener triffst –
In welcher Welt würdest Du leben wollen?
Zu der bist Du heute verpflichtet.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DANKE FÜR DEN TAG

Danke für den Tag
für den Kampf mit mir selbst
für den magischen Wechsel zwischen Morgen und Mittag
für die Phasen, in denen ich mich vergaß,
denn genau dann war ich mein wahres Selbst.
Danke für die Trockenheit, die Nachmittag heißt,
denn ein Tag besteht aus vielen Welten.
Und wieder überraschte mich die Abenddämmerung,
ich weiß nie, wo sie herkommt …
noch weiß ich, ob es Wehmut oder Freude ist,
die ich empfinde, während ich
mit Augen zu schaue
mit Ohren lausche
mit Gänsehaut registriere
mit Herzen ahne,
wie der Abend langsam der Nacht weicht,
die von der Zukunft heran schleicht,
jede Nacht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE BERGE

Unklare Umrisse…
Die Berge falten sich in einander
Als wäre die Zeit ein Meer,
Aus dem sie wellengleich
Aufstehen, drängeln durch den Verkehr
und machen sich auf den Weg
Im Urlaubsstau Richtung Österreich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SOLIDARITÄT

Manche haben alles verloren,
Hab und Gut und Erdenleben –
Jetzt schlägt die Stunde der Menschlichkeit,
damit sie die Hoffnung auch nicht verlieren.

Einige spenden Geld,
einige helfen mit Zeit und Tat.
Ein ehrlich sorgendes Herz ist alles,
was manch ein anderer hat.

Stunde des Missgeschicks
ist Stunde der Menschlichkeit –
Was der Schmerz uns genommen,
möge die Hoffnung uns zurückgeben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WECHSELWIRKUNG

Der Gedanke kehrte zurück
voll beladen mit ähnlichen Gedanken
wie Kinder mit ihren neuen Freunden
nach langem Spielen, Raufen, Lachen, Zanken

Und sie umkreisten ihn
Und sie verwirrten ihn sehr
Denn er hatte den Gedanken mittlerweile vergessen,
erwartete nicht mehr seine Rückkehr.

Doch alles kehrt zurück,
das Gemachte und das Gedachte.
Doch alles schlägt zurück,
das Schicksal, die Erde, das Wetter, die Elemente.

Jetzt denkt er an ein Umdenken,
ein Hinaussenden neuer Gedanken,
ein neues Miteinander mit Natur und Mensch,
im fairen Leben Frieden nachhaltig tanken.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SOMMERNACHTREGEN

Ich roch ihre Erregung,
angeregt von der Nacht,
die halbe Stadt hing raus,
ging raus und war draußen zu Haus.

Auf einmal kam der Wind
wie schnelle harte Atemzüge,
und ich roch ihre Aufregung –
die ganze Stadt eilte wieder nach Haus.

Doch nicht schnell genug –
Die Böden wurden feucht
Die Menschen wurden naß
und ich roch den dürstigen Regen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SACHTER NACHTREGEN

Ich könnte Dich
wiederholend
wieder holen

Dich zählen
wie die Regenperlen
heute Nacht

Dich dichten
Auf Mich verzichten
Laß die Nacht von uns berichten.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

UNWETTER

Bahnwahnsinn
Heftiges Unwetter
rüttelt alle Reisepläne,
macht alle Reisende zu Obdachlosen.

Die Natur beruhigt sich
Die Reise geht weiter
Die Reisenden kehren zurück nach Hause
Die Obdachlosen bleiben

Die Frage nach dem Lebenssinn.
Heftige Schicksalsschläge
schütteln alle Lebenspläne,
machen manche Mitmenschen zu Obdachlosen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung