Ich könnte Dich
wiederholend
wieder holen
Dich zählen
wie die Regenperlen
heute Nacht
Dich dichten
Auf Mich verzichten
Laß die Nacht von uns berichten.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Ich könnte Dich
wiederholend
wieder holen
Dich zählen
wie die Regenperlen
heute Nacht
Dich dichten
Auf Mich verzichten
Laß die Nacht von uns berichten.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Bahnwahnsinn
Heftiges Unwetter
rüttelt alle Reisepläne,
macht alle Reisende zu Obdachlosen.
Die Natur beruhigt sich
Die Reise geht weiter
Die Reisenden kehren zurück nach Hause
Die Obdachlosen bleiben
Die Frage nach dem Lebenssinn.
Heftige Schicksalsschläge
schütteln alle Lebenspläne,
machen manche Mitmenschen zu Obdachlosen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Es schimmerte zutiefst grün im Wald
Es war dunkelgrün, schwärzer wie schwarz
Wo die Dunkelheit herkam, entging mir
Es war Mittag, die Sonne war hell und hart
Aus dem dunklem Untergrund
kroch vorsichtig wie ein Reh ein Gedanke hervor
Blieb mitten im Gefühlschaos stehen
Wir starrten uns wortlos an
Wir trennten uns wortlos von einander,
er zurück in die Tiefe meines Bewusstseins,
ich wieder in das helle Grün des Waldes,
wo ein Reh sich umdrehte und Heim ging.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Der Tag stirbt in Stufen
In Schichten entkleidet sich der Abend
Etappenweise fällt nach und nach die Masken ab,
mit denen wir uns ablenken
vor unserer nackten Wahrheiten
Und bis die verschiedenen Phasen des Abends
wie geistige Besucher eingeschlichen und
wieder weggezogen sind, und die Nacht
wie ein Dieb eingebrochen ist,
erkennen wir den Tag nicht mehr.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Irgendwann müssen wir uns treffen
da wo keine Farben sind
die uns voneinander trennen
Irgendwann müssen wir uns treffen
da wo alle Farben sind
und uns zueinander bekennen
Denn Pangaea, die einst sich auseinander nahm
und uns trennte und mit sich nahm,
zieht sich und zwingt uns irgendwann wieder zusammen
in die Arme von einander, wo wir ursprünglich herstammen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Er hat viele Namen,
wie ein Wanderer, der durch die Himmel rast
und überall sich in die Herzen der Menschen
einhämmert! –
Jeder denkt, er gehört nur ihm…
Doch er gehört einem unsichtbaren Geheimnis.
Wo ich herstamme, von den Igbo,
nennt man ihn Amadioha
Wo ich geboren wurde, bei den Yoruba,
nennt man ihn Sango
Wo ich lebe, unter den Germanen,
kannte man ihn als Donar
Den Indern Indra, den Chinesen Lei Gong
Den Slawen Perun, den Baltischen Perkons
Den Kelten Taranis, den Guaraní Tupa
Den Japanern Taijin, den Römern Jupiter,
Den Norden Thor, den Griechen Zeus –
… wurde mir gesagt und bezeugt.
Heute war er da !
– ich schwöre es –
in den blitzenden Himmeln über Frankfurt.
Ich habe seine lachende Stimme erkannt
im krachenden Donner im heutigen Regen,
wie eine Erinnerung aus meiner Kindheit.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Eine Landschaft, die darauf wartet
erkundigt zu werden – beeile Dich
sie ist flüchtiger als die Liebe
temporärer als eine Morgenempfindung
vergänglicher als die Chance selbst.
Begreifst Du das,
hast Du Dein Leben begriffen:
episodenhaft, ephemer, endlich.
Beschreite zügig Deinen Lebensweg –
flugs hat er sich wieder… aufgelöst.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

In der Landschaft meiner Gedanken
fliege ich, ein Flugzeug,
und ich fliege durch sie hindurch
Denn ich muß tausend Gedanken ignorieren
um den einen zu finden,
der mich unaufhörlich ruft
Ich sehe Euch alle
und ich liebe Euch alle
dennoch muss ich Euch alle verlassen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Die Häuser stehen zueinander
Wie Menschen in einer Menge
Und sind zueinander und füreinander
Die einzige Gleichart, die sie haben.
Die Bäume stehen zu einander;
An ihren Beinen klammern sich Gras und Blumen;
Wie interessante Gedanken
Besuchen sie Vögel und Insekten und Eichhörnchen
Die Menschen stehen gegeneinander –
Das ist ihre Art, zu einander zu stehen –
Und lieben die Häuser und lieben die Bäume
Und lieben die Autos und lieben sich
Denn Benutzen ist ihre Art und Weise, zu lieben.
Was er nicht benutzen kann, liebt er nicht,
Der Mensch. Die Häuser, die Bäume,
die Autos, den Mitmenschen, die Erde, ohne Gewissen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Morgendämmerung
Vögeldämmerung
Gesangsdämmerung
Durch das offene Fenster
steigt der Morgen in mich ein
Angenehm kühle Luft
Vogelgesang und ein schmaler Schlitz
von diesem sanften zarten schwachen Blau
das bald verschwinden wird
wie ein Traum.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung