DER INNERE NAVIGATOR

In der Landschaft meiner Gedanken
fliege ich, ein Flugzeug,
und ich fliege durch sie hindurch

Denn ich muß tausend Gedanken ignorieren
um den einen zu finden,
der mich unaufhörlich ruft

Ich sehe Euch alle
und ich liebe Euch alle
dennoch muss ich Euch alle verlassen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

BENUTZER

Die Häuser stehen zueinander
Wie Menschen in einer Menge
Und sind zueinander und füreinander
Die einzige Gleichart, die sie haben.

Die Bäume stehen zu einander;
An ihren Beinen klammern sich Gras und Blumen;
Wie interessante Gedanken
Besuchen sie Vögel und Insekten und Eichhörnchen

Die Menschen stehen gegeneinander –
Das ist ihre Art, zu einander zu stehen –
Und lieben die Häuser und lieben die Bäume
Und lieben die Autos und lieben sich

Denn Benutzen ist ihre Art und Weise, zu lieben.
Was er nicht benutzen kann, liebt er nicht,
Der Mensch. Die Häuser, die Bäume,
die Autos, den Mitmenschen, die Erde, ohne Gewissen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ZARTE DÄMMERUNG

Morgendämmerung
Vögeldämmerung
Gesangsdämmerung
Durch das offene Fenster
steigt der Morgen in mich ein
Angenehm kühle Luft
Vogelgesang und ein schmaler Schlitz
von diesem sanften zarten schwachen Blau
das bald verschwinden wird
wie ein Traum.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KULTUR DER MENSCHLICHEN NATUR

Wie grün wird die Zukunft?
Grün wie die Natur?
Grün wie alle Parteien?
Grün wie der Neid?
Oder grün wie der Dollar?

Oder alles zusammen.
Und am Ende regiert wieder
Wie immer
Immer noch das Geld.
Natur braucht Kultur zum Schutz.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE WENDE

Energiewende
wendet sich gegen wen?
Und wendet sich zu wessen Gunsten?

Der Planet Erde wird davon profitieren.
Doch wer wird dieses Erdreich erben?
Die Milden
oder die Wilden?

Energiewende ohne Soziale Gerechtigkeit wäre:
die tiefste Entwertung der Wissenschaft;
der endgültige Sieg der Reichen über die Armen;
ein Hohnlied gegen Evolution und Zivilisation;
ein tönernes Erz und eine klingende Schelle.

Parallel zur Energiewende
brauchen wir eine Humanitätswende.

Brauchen wir eine bessere Welt für ALLE.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

FELSENMEER

Felsenmeer
Treppengeländer am Berg der unsichtbaren Riesen..
Tummelplatz im Wald der verschwundenen Zwerge..
Heimliches Versteck unserer vergessenen Elfen…

Und nach dem wir die Welt zerstört haben,
die sie uns über Jahrmillionen vorbereiteten,
flüchten wir zu ihrem Felsenmeer
um zu genießen noch einmal
ihre Nähe und ihre Magie.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DER DRUCK DES FRÜHLINGS

Wie ein Neuling
springt der Frühling
aus der Fantasie der Natur herraus,
tobt sich entzückt, zögernd, aus
wie ein kleines neues Kind zu Besuch,
begeistert von jeder Sicht, jedem Geruch,
alles aufsaugend und wiedergebend,
zu spät jeder Morgen, zu früh jeder Abend,
ahnend flüchtig, daß die Kindheit
mit all ihrer magischen Schönheit
die kürzeste Zeit ist der Lebenswanderung…
bleibt aber am längsten in der Erinnerung.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

LIEBESBÄUME

… und da standen sie
In einander verschlungen
ein Liebespaar –
Raum und Zeit überwunden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

NACHTZUG BERLIN FRANKFURT

Kurz bevor es dunkel wird
schlafen die Bäume ein
wie müde Wachsoldaten
verfallen ihren Träumereien
Der Zug, wie ein Schlafwandler
betritt freie Räume ohne Bein
ohne Fuß ohne Zeh ohne Schuh
Fährt fast ohne Geräusch mich Heim.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

LIEBE UND ABSTAND

Im Boden
halten sie sich
Oben
küssen sie sich
Aber auf dem ganzen langen Weg
zwischen diesen beiden Stationen
berühren sie sich nicht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung