MOMENTE DER KLARHEIT

Tausendgedanken
Zusammengebündelt in einem Gefühl
Einigten sich, versanken
Auf einem Mal in meines Geistes Gewühl.

Mein Geist tut sich bedanken
Meine Träume hören auf zu wanken
Die Nacht ist wissend, schweigsam, kühl.

Che Chidi Chukwumerije
Das Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SCHNELL

Kaum bewegen sich meine Gedanken
In unserem Lieblingsspiel
Da kommst Du schon

Sehr schnell

Poesie.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WENN MUSEN SCHMUSEN

Ein Gedicht macht besonders Spaß
wenn es am Anfang ein Gespräch war
das kippte und sich selbst vergaß
berührte sich intim, spannend, gebar
eine Gedankenexplosion in Übermaß
wo jeder Satz eine Überraschung war
die, flüchtig, Poesie besaß.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

MEINUNGSWECHSEL

Manchmal kämpfen
und töten in mir sich
Gedanken gegenseitig
erbitterter und gnadenloser
als die wildesten Raubtiere
in der Wildnis. Natur Mensch.

Manch eine Lieblingsansicht
von mir wurde nicht selten
in mir vor meinen entsetzten
inneren Augen erbarmungslos
aus dem Hinterhalt von einer
anderen plötzlich angegriffen

in die Enge getrieben
auf den Kopf gestellt
durchlöchert und durchgestochen
auseinandergenommen
lebendig gefressen und begraben
kalt ermordet.

Und ich konnte nichts dagegen tun.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ZÖGERND

Eher zögernd kam
Wieder
Der Frankfurter Schnee
Über
Stadt, Land, Fluss
und Liebe

Zuckte kurz, nicht mal heftig
Einmal, zweimal, scheu, bedächtig
Auch eine zarte Liebesbekenntnis
verschwindet niemals aus dem Gedächtnis.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ZITTERN

Ich spüre Dich sehr
Du weißt es
Ein Zittern in Deiner Stimme
beweist es
So winzig, und dann rauh
umkreist es
Mein Verlangen. Blühe, Zittern.
Doch heißt es
trotzdem, Du warst zu zärtlich.
Beiß es.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

HESSISCHE WÄLDER

Was willst Du mir sagen
Hessische Nacht?
Der Wald ist zu alt für mich
Ich verstehe ihn nicht
wenn er flüstert, wenn er träumt,
wenn er schweigt oder lacht.

Der Neuschnee ist uralt.
Meiner tiefen Empfindung Gewicht
beschäftigt lehrend mich –
Ich habe es nicht ausgedacht:
Ein fremder Geist spricht durch mich
in meinem jeden Gedicht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

HABEN/SOLL

Gedankenleer
Empfindungsvoll
Ich schreie in Dur
Und schweige in Moll
Mein Kopf redet daneben
Mein Herz führt Protokoll:
Was ich haben soll,
Mehr Haben, weniger Soll
Danach gedankenlos
Dennoch empfindungsvoll.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WUNDE STUNDE

Es ist jene Stunde erneut
der Selbstliebe
des Selbsthasses
der gesteigerten Triebe
des inneren Kompasses
der Hoffnungssiebe
des Ich-Strafmaßes
der Traumdiebe
des neuen Anlasses
die Wunde zu lecken, unbereut.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MAHL ZEIT

Wäre die Zeit eine Mahlzeit
Wäre mein Appetit auf die Ewigkeit
In jedem Moment gestillt,
Mein Heißhunger nach dem Moment
Für alle Ewigkeit unerfüllt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung