FÜR IMMERMEER

Mond – Strand – Castelldefels

Meer passt zu Dir
Muß nicht reimen
Komm einfach zu mir
wie Gezeiten im Geheimen

Der Mond liegt auf meinem Munde schwer
Ich rufe Dich und Du kommst hierher
Denn Du hörst auf den Namen Immermeer.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

BALEARES

Strand Barcelona
Ich stand mit Füßen im Wasser
mit Herzen aus Wasser
beobachtete das ruhelose Wasser

Seit Milliarden von Jahren im Takt
macht das Wasser genau das hier, was es macht -
kommen gehen kommen gehen und lacht

Ohne Höhepunkt kommen ohne Ankommen
Ohne Ende ein uraltes Abkommen
Erde und Meer lieben sich vollkommen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ABENDGEDICHT

Die Falten der Bergrücken die ideenreichen
Stirnrunzeln einer müden Erde -
Die Abendsonne ein Fragezeichen
hing wie ein letzter Gedanke. Es werde
erst morgen wieder Licht,
machst Du aus der Nacht ein Gedicht,
spürst Du die Leichtigkeit im Lebensgewicht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

LIEBE, LITERATUR UND MUSIK

Wir sind eins
mit und ohne Ring
- seit dem es mit uns anfing.
Und das ist ein Ding.

Erlaub mir, verzeih mir
die Einfachheit meiner Ausdrucksweise
wenn ich wörtlich Dich verspeise
enger und enger Dein Geheimnis umkreise
unsere Komplexität lobpreise.

Immer wenn der Tod nah ist
wird mir alles, alles, unwichtig
außer Liebe, Literatur und Musik.

CHE CHIDI Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SALZIG

Salzige Worte
schmecken am besten
breitbeinig
fester Stand im Leben
einstecken ohne einzugehen
Schweigen zeugt von Intensität
Belohnungsaufschub
verdoppelte Befriedigung
Reife und Erfahrung verstehen die Zeit:
Gipfel sind kurze Momente
sei es Schmerz oder Freude
sie kommen, hart
und sie gehen wieder
alles geht immer wieder weiter
selbst Süßwasser fließt irgendwann
sehnsüchtig und gerne
in das salzige Meer…

Immer und immer wieder.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

IM ANFANG WAR DAS ENDE

Ich warte auf das Ende
und das Ende wartet auf mich
Und während wir beide auf einander warten
überholt der Anfang das Ende und mich.

Konsequenter als das Ende
ist der Anfang aller Dinge -
Er wartet auf nichts und niemand,
hebt an zu singen bevor ich ausklinge.

Am Anfang hielt ich stets Ausschau
jedes Mal nach dem Ende -
Doch jetzt am Ende weiß ich:
Der Anfang bringt die Wende,
nicht das Ende.

Selbst am Anfang achtet aufmerksam
nicht auf das Ende, sondern
auf den neuen Anfang.

Denn das ist der wirkliche Ausgang
Und das wahre Ende.

Der Anfang ist das Ende.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

URSPRACHE

Kommt in meine Arme.
Ihr ferne Alpen,
Ihr seid mächtig genug für mein Herz -
Denn es ist zu groß, zu breit, zu tief geworden
Und ich verstehe es nicht mehr.

Doch Ihr da vorne,
ausgestreckt und ausgedehnt
wie die Wellenbewegung eines Weltmeeres,
von einem Riesen in Stein verwandelt,
Ihr sprecht die Ursprache meines Herzens.

Rauh und zerklüftet
Alt mit einer unbekannten Geschichte
Deshalb, kommt in meine Arme
Ihr schöne Alpen
und liebet mich zurück.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

HEIMATSPRACHE

Deutsch ist mir eine Fremdsprache
Und ich bin in Deutschland ein Fremder
Fremde sprechen Fremdsprachen
Sonst blieben sie in der Fremde Zuhause
Und das Fremde in ihnen käme nie zur Aussprache.

Es war einmal eine Fremdsprache
Sie begab sich auf Wanderung und in allen,
die sie traf, weckte sie und lockte sie
aus ihren verborgenen Seelenwinkeln
Fremdes hervor und ließ sie einsam zurück.

Einsam und seltsam und neu
in einer Welt mit mehr Fremd- als Muttersprachen.
Je mehr wir teilen, desto fremder werden wir.
Je fremder wir werden, desto vertrauter
kommen wir uns gegenseitig als Menschen vor.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GEDANKL-ICH

Wenn meine Gedanken
wie Flugzeuge
mich mitnehmen konnten
auf ihrer Reise

Und anstatt der Gedanke
an mich käme
ich selber bei Dir an
auf erstaunlicher Weise

Und wenn sie wieder
verschwinden
Und lassen sich plötzlich
nicht mehr finden

Dann sind unsere
unterschwelligen Sehnsüchte
nach einander alles
was uns noch innig verbinden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WÄRE MEIN HERZ EIN HEMD

Wäre mein Herz ein Hemd,
aufknöpfbar wenn es warm wird -
Wäre mein Kopf ein Hut,
abnehmbar wenn er schwer wird -

Wären meine Wege Stiefel,
ausziehbar wenn sie weh tun -
Wären meine Gedanken Antennen,
einziehbar wenn sie sollen ruhn -

Wäre Krieg ein Film,
ausschaltbar wenn es einem reicht -
Und Einsamkeit ein Lebrbuch,
schwer bis man das Ende erreicht -

Dann wäre alles, was einst war
wie ein Traum, das niemals war -
Und es läge in unseren Händen
die Macht, unser Schicksal zu wenden.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung