KREATIVITÄT

Der Mensch wurde nicht zum Fliegen gemacht
Dennoch fliegt er –
Also wurde er doch zum Fliegen gemacht?

Wieviele Wunder werden noch vollbracht?
Wieviele Gedanken wurden noch nicht mal gedacht?
Wo der Verstand zweifelte, hat der Geist gelacht –
Denn immer siegt er.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

AHNUNGEN DES DICHTERS

Ich bin ein Schmetterling
Ich schwör es
Denn ich schlüpfte gestern aus der Nacht
Und wurde endlich mein neuer Tag.

Ich bin eine Idee
Ich schwöre es
Denn ich keimte im Geheimen ungeahnt
Nun schleich ich in Deinem Kopf herum

Ich bin eine Wolke
Ich schwöre es
Ich sammle mich, immer und immer wieder
Denn ich weiß, bald weine ich …

Es ist, wie es ist
Ich bin eine Metapher für Etwas Unbekanntes
Mal fällt es mir ein, mal bin ich blank
Denn ich bin seine Leinwand.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VERTRAULICHKEIT

Wenn wir nur reden könnten
mit Schweigen,
welch Gedanken würden wir nicht alle
zwischen uns
untereinander tauschen.

Alles, was wir mit Worten nicht sagen wollen,
weil wir so scheu und schüchtern sind,
würden wir in Gedanken teilen
und kein Mensch könnte uns verraten,
nicht mal wir uns selbst.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

24 STUNDEN

Möchte drei sein
drei Menschen
die sich nicht kennen

Sie gehen jeder
den Träumen nach
für die sie einzeln brennen

Ein Erdenleben reicht
nicht aus, für den Suchlauf
den wir unermüdlich rennen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

HAND IN HAND

Ich nehme mein Stift
in die Hand
und warte geduldig darauf
selbst genommen zu werden
in Deine Hand.

Ich habe Dich noch nie gesehen
noch gehört
aber ich liebe wie Du mich
innerlich besuchst und sanft
Dein Herz legst auf meine Hand.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

TEILEN

Ich berühre Dich
denke ich, doch
ich berühre mich

Im Dunkeln
zünde ich mir das Licht
wenn ich Dich zum Funkeln bringe

Es gibt keinen Unterschied
im Dunkeln
zwischen Dir und mir

Ich berühre Dich
Ich berühre mich
Hauptsache, Du lachst.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VERBORGENE SAITEN

Meine Gitarre
singt mir lautlose Lieder
jede Nacht

Trost für den harten Tag
Träume für die weite Nacht
Erinnerungen für morgen
Lautlose Grüße von mir zurück.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DER NACHTMUND

Lärm.
Der Baum hört seine Gedanken, seine Blätter, nicht mehr.
Lärm.
Das Herz hört das Rauschen seines Botschafters, seines Blutes,
nicht mehr.
Denn die Nacht ist angebrochen.
Mit ihren Millionen Stimmen der Dunkelheit.
Der Mund ist aufgegangen –
Im Märchenwald hört man‘s klarer.
Augen zu. Gute Nacht.
Und morgen alles wieder vergessen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DER INNERE STURM

Nach dem Sturm
Kommt der innere Sturm
Ich finde immer noch keine Ruhe

Kein Zufluchtsort
Ist Hort genug. Ich muß fort.
Es lebe die Unruhe.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ZUM TEUFEL

Und der Teufel brach der Welt die Brust auf
Und riß ihr das Herz aus ihrem Schreihals raus
Und fraß es blutend vor unseren Tränen auf
Und wir haben mit unseren Fingern ihm die Zunge abgeleckt
Und es hat uns zutiefst geschmeckt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung