Kein Mensch wollte mich
deshalb gab ich ihnen Dich
und sie liebten sich
denn Du mein äußeres Ich
spiegelst sie gut bildlich
oberflächlich
und versteckst problemlos mich.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Kein Mensch wollte mich
deshalb gab ich ihnen Dich
und sie liebten sich
denn Du mein äußeres Ich
spiegelst sie gut bildlich
oberflächlich
und versteckst problemlos mich.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Durch meine Kinder wurde ich als Deutscher neu geboren
Meine Kinder sind als Deutsche meine Eltern
Meine Gedichte sind als Denker meine Lehrer
Meine Freunde sind als Menschen meine Familie
Meine Tage sind als Lebenszeit meine Nächte
Und meine Nächte sind hell, weil ich endlich wach bin.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
die Igbo nannten ihn Amadioha
die Yoruba nannten ihn Shango
die Normannen nannten ihn Thor
alle, unabhängig von einander
erblickten ihn den Donner schaffend
jahrtausendelang hoch im Himmel…
die Christen kamen und sagten
ihn gab es nicht und niemals
ihn kann und hat es nie gegeben…
alle, die ihn im Blitzlicht des Donners sahen,
sahen definitiv Illusionen – oder lügten
oder beteten falsche Götter an
alle, unabhängig von einander,
über unüberwindbare Distanzen,
ja, und jahrtausendelang. Donnerwetter.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
In letzter Zeit
schweigt der Morgen
der Abend redet mit mir
In letzter Zeit
schweigt meine Jugend
und meine Kindheit
Das langsam nahende Alter redet
zu dem Mann in mir
doch ich verstehe nicht
Nur das verlorene Kind
das schweigsam gewordene
hätte es verstanden.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Das Leben trachtet
nach meinem Leben,
will mir meinen Freitod
immer noch nicht vergeben,
zwingt mich pausenlos leidend
nach meinen Träumen zu streben
um meine Sehnsucht
zu beweisen nach dem Leben.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Ich finde meine Gedanken nicht
gefangen in Ästen von Lärm und Stimmen
sie finden ihren Weg nicht mehr zurück zu mir
ich strecke meine Arme aus
winke ihnen zum Abschied zu
und laufe weiter, neuen Gedanken zu.
Solltest Du morgen auf Deinem Wanderweg
auf meine alten Gedanken stoßen
reife Früchte im Alltagsgestrüpp des Lebens
nimm und iß und laß Dich befruchten
ich weiß nicht mehr, was ich damals dachte
aber es kam alles von Herzen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Sie sind wie zwei Geister
die im selben gebrochenen Haus spuken
doch einander nicht wahrnehmen
durch einander hin gucken
sehen jeder seine eigene Welt.
Es ist ein leben nebeneinander
miteinander durcheinander
ohne einander. Ruhe und Frieden.
Und Einsamkeit.
– Che Chidi Chukwumerije
#gedichtezumnachempfinden
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Wenn wir Gedanken lesen könnten
wären Freunde Feinde und Feinde Freunde
viele Paare längst getrennt
viele Fremde längst zu Paaren geworden –
von Vor- und Untergesetzten brauchen wir nicht dichten.
Gedanken: so laut und doch so unleserlich.
Wie viele Menschen schauten schonmal
dem Partner in die Augen und dachten verzweifelt:
“Wieso kannst Du meine Gedanken nicht lesen?”
Wie viele Menschen schauten schonmal
dem Partner in die Augen und dachten erleichtert:
“Zum Glück kannst Du meine Gedanken nicht lesen.”
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Und ich nahm den weniger genommenen Pfad
doch kam ich nicht so weit wie auf der Geraden
denn Du schrecktest auf – und das war … schade.
Erschrocken machtest Du Dich wieder zu –
Jetzt sitzt Du wieder auf dem Grad.
Doch, warst Du erschrocken oder nur überrascht?
Wie viele Fremde haben an Deinen Waldblüten je genascht?
Deine Geheimnisse schonmal plötzlich erhascht?
Machst Du Dich dann immer erschrocken zu?
Oder war ich Dein erster derart intimer Gast?
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Der Schnellsprecher kommt
nicht eher zum Punkt. Er sucht
erfolglos den Pfad durch seine Gedanken
während die ihm gebliebene Erdzeit
immer knapper wird, und er verzweifelter,
und immer schneller und schneller spricht,
anstatt zu schweigen.
Ich will Dich langsam erkundigen
langsam untersuchen, Dich langsam
überreden, und langsam verstehen.
Ich will Dich verlangsamen. Langsam.
Die Reise geht viel zu schnell
Das Ende rast auf uns zu…
Laß uns den Moment genießen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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