TONSKALA

Bin heute voll
Habe Musik getrunken
Dur und Moll
In Erinnerungen versunken
Traurig und toll
Doch Träume haben auch gewunken
Mich befreit vom Groll
Zündeten neu meine Funken
Beglichen Haben und Soll.

Che Chidi Chukwumerije.
2019: Jahr der deutschen Dichtung

IN EINANDER

Wenn jeder Mensch
Der einst Audienz
Bezog in meiner Existenz
Einer Buchseite gleicht
Markierung einer Sequenz
Bin ich Geschichtenreich
Genau das, was Du leise ahnst.

Ja, ich bin weich. Sehr weich
Meine Seele ist ein Teich
Bloß nur sehr tief, sehr breit
Die meisten kommen gar nicht weit
Doch tauchst Du lang genug
Mit Geduld, immer Geduld
Wirst Du meinen weichen
Boden irgendwann erreichen
Falls Du noch atmen kannst.

– Che Chidi Chukwumerije

EINFACH SEIN

„Einfach“ – so ein einfaches Wort
Schwer zu deuten, wenn man zu viel denkt

Das Natürlichste, Heim, Herd, Hort
Himmel und Erde kindlich uns geschenkt

Ich horche wundernd im stillen Ort
Den weisen Reigen des Unwichtigseins

Ich höre allumfassend tiefe Antwort
Mit Einfachheit des Einmaleins.

– Che Chidi Chukwumerije

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2019:Das Jahr der deutschen Dichtung
Ganz nebenbei, falls es jemanden interessiert oder einer sich fragt, was ich da so tue: Ich werde dieses Jahr täglich auf Deutsch dichten und auch posten in meinem Blog http://www.chechidi.me und auf Facebook und an anderen Stellen vielleicht auch. Wer will, darf gerne kommentieren, bewerten, sogar Wünsche äußern. Der Grund, warum ich das tue, ist ganz einfach. Es fließt gerade.

GEISTWESEN

Fernblick. Fernweh
Doch Zuhause ist in der Näh
Schaukeln. Ein See
An der Wand ein sehnendes Monet
Kuchen, Tee und Kaffee
Zum Luxus genügt Rinderfilet
Und eine Frau, deren Dasein
Allein reicht zum Zuhause sein.

Dennoch reicht es nur
Wenn man es hinter sich läßt
Denn die Hälfte eines Menschen ist Natur
Und der Geist ist der Rest.

– Che Chidi Chukwumerije.

WIEDER

Vogel flieg
Dem gebrochenen Flügel
Entgegen
Der Schlag des Aufpralls
Der Krach des Brechens
Die Atemlosigkeit des freien Falls
Die harte Landung
Und dennoch freut sich das Herz.
Morgen fliegst Du wieder.
Ich auch.

– Che Chidi Chukwumerije.

DAS NÄCHSTE OPFER

Das Herz ist Natur
Immer am Sterben und immer am Sich-Entfalten
Ist eine Blume
Immer am Sich-Umblättern
Ist ein Universum
Immer am Explodieren und am Abkühlen
Ist eine Schlange
Immer am Winden
Am Häuten
Am Lauern
Voller tödlichem Gift und heilender Kraft
Und immer bereit, das nächste Opfer hungrig zu verschlucken.

– Che Chidi Chukwumerije.

HANDARBEIT

Tasten
Greifen
Halten
Falten
Entfalten…

Halten
Greifen
Tasten
Reifen
Entlasten…

Mit den Fingern sehen
Hören, schmecken, riechen, die Wege gehen
Suchen und finden
Sich an das Licht halten
Das Licht anschalten
Mit den Fingern, Seele, auch, empfinden.

– Che Chidi Chukwumerije.

PANTOMIME

Je länger ich dem Winde lausche,
desto deutlicher höre ich die Innere Stimme.
Rätselhafte Austausche
Ego-Pantomime.

– Che Chidi Chukwumerije.

BLEIB

Das klettert aus dem grünen Gemach
meiner zartesten Erinnerungen aus –
Du warst das grüne Feld, langsam
ne, du warst ein Bach, ruhig, mein Dach –
Sorgsam und mein Haus.

Nie war die Natur schöner
als deine Echtheit – Bleib
bleib hierdrin ein bisschen länger
Weib. Bleib.

– che chidi chukwumerije.

ZUSAMMEN SCHWEIGEN

Mit Schweigen
Werden redlich tausend mehr Empfindungen
Die zum Verschwinden sowieso heutzutage neigen
Sich einigend auf unterschwelligen Schwingungen
Sich zum Erkennen zeigen.

Während unseres Schweigens
Habe ich gehört,
Daß Du warst gestört
Und daß Du warst empört
Und hast aufgehört

Zu beachten die Botschaft unseres Schweigens –
Doch Dein aller-schönstes Lachen
Und Dein aller-größtes Machen
Ersetzen niemals das, was sie brachen:
Das Selbstverständliche unseres schönen Schweigens.

– Che Chidi Chukwumerije.