Deine Blumen blühen schon lange und blühen schon lange als Dauergäste im Garten meiner ältesten Empfindung. Ein Baum hat Arme, wir nennen sie Äste und sie tragen viele Umarmungen, wir nennen sie Blumen, und als eine Geste ihrer Reinheit streicheln sie uns äußerlich nur zart, und drücken dabei innerlich feste. So sind Deine Blumen drinnen mein zartes Herz und draußen meine kugelsichere Weste. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
der Phantasie
WELLENRITT
Ich bin in der Welle reite sie heftig Ich bin in der Kiste schüttle sie kräftig Ich bin in der Stimmung gebe mich ihr hin Das ist meine Widmung da ist alles drin. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GROSS- UND KLEINREIBUNG
Manchmal bin ich groß Und Du machst mich klein Manchmal bin ich klein Und Du machst mich groß. Diese Groß- und Kleinreibung Meiner Sehnsucht und Lust - Wer hätte es gewusst? - Wie Medikamente ohne Verschreibung Fühlen sich irgendwie so an Als wären sie etwas Verbotenes Das bewirkt trotzdem was Gutes Denn ich genese daran. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WONNENBRAND
Manchmal willst Du ein Gedicht weiter schreiben, doch es ist schon zu Ende - Du warst nur der Kugelschreiber, niemals selbst der Schreiber. Du spürst an Dir fremde Hände doch die Berührung ist intim und der Griff ist Dir wohlbekannt. Ohne Vorwand nimmt er Dich ganz in Besitz und befreit Deine Sehnsucht ihres letzten gedanklichen Gewand. Und jetzt würdest Du so gerne weiter machen, doch der Höhepunkt der Wonnenbrände wurde schon überschritten, überschrieben. Dreh Dich sanft um. Seitenwende. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DAS UNGEWÖHNLICHE
Nimmer endende Geschichte Dreitausendsechshundertundfünfzig Gedichte Und mehr Gedanken, als ich zählen kann, Ein Innenleben, von dem ich erzählen kann, daß es ein nimmer endendes Neigen ist zum Emporsteigen, weil Geist eigen und artig ist Und weil die Ewigkeit täglich entsteht, während Dein Leben täglich zuneigen geht. Wer Zauber ernten will, der säet, der säet… Ungewöhnliches, weil Eigenartiges. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ECHO DER UNSTERBLICHKEIT
Wenn ich wie das Herz wäre, würde ich 100.000 Mal pro Tag meine Liebe, die grobe und die hehre, hinaus senden, einen Heiratsantrag, an das Leben, dessen endlose Fragen uns umgeben, dessen Geheimnisse in uns hervor ragen als Gewissensbisse, als Empfindungsschübe, die uns plagen, wenn wir uns seinem Drängen widersetzen. Das Leben, dessen magische Kräfte als Freude und Zuversicht uns besetzen. Du bist‘s, dem ich mich anhefte, herzklopfend 100.000 Mal am Tag, sterbliches Echo der Unsterblichkeit. Und was meine ich mit jedem Herzschlag? Immer wieder nur: Dankbarkeit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GENERATIONENÜBERGREIFEND
Wir fangen bei jeder neuen Generation wieder von Null an, als hätten wir nicht bereits in der jeweils vorherigen Generation alles gegen Hass getan und seinen Anpassungsanreiz. Sisyphus war kein Mensch, er ist die Menschheitsgeschichte - Die Hartnäckigkeit unserer Tendenz zu reinkarnieren unsere Bösewichte. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
TAFELBERG

Tafelberg Mahlzeit Unsichtbare Riesen Götterspeisen Menschenzwerg entweiht diese Felsen und Wiesen wo Wolken kreisen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung






AUGEN ZU UND DURCH
Augen zu und durch die Pforten in einen Garten - Schöne Empfindungsblumen der freudigsten Arten - Buntes Innenleben fest verankert in zarten Wahrnehmungen der Freude die mich dort erwarten. Das sind die Momente wo Bücher mir nicht reichen - Netflix und Soziale Medien bieten nichts zum Vergleichen - Gespräche, Spaziergänge stellen nicht solche Weichen. Ich schließe meine Augen, nur so kann ich dort erreichen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WIE EIN GAST LIEGT DER SCHNEE
Wie ein Gast liegt der Schnee, Zu Besuch, im Wohnraum der Stadt ausgebreitet, Fremd und doch Zuhause, und unbegleitet, Wie ein Familienmitglied vom Übersee. Er hat nicht viel zu sagen, genau wie ich, Schweigen ist unsere Sprache des Suchens nach Antwort, Ruhe und Ursache, In diesen Winternächten und -Tagen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
