Es gibt nichts wie 2024 Es gab nichts wie 1924 Es wird nichts geben wie 3024 Es gibt immer nur die Gegenwart, den Augenblick des ewigen Geschehens Ich wart und ich wart und ich wart auf die Wiederholung des Erstehens unserer Magie Eine Zukunft, die schon gestern war. Erwartung und Nostalgie sind Illusionen, nur handeln ist wahr. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
der Phantasie
VERSCHWOMMEN
So müde Ich sehe meine Gedanken doch ich kann sie nicht fassen Wie Fische im Wasser Liebe ich sie, sollte ich sie dort lassen In ihrem Element, in ihrer Welt, einer fremden Welt glückliche Insassen Auch wenn ich sie nicht greife werde ich trotzdem nichts verpassen Bin nur müde. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DRIN
Ich bin drin Es macht keinen Sinn Dich noch zu zu machen Ich bin schon drin Ich wohne in Deinem Lachen Ich höre mich hallen und nachhallen wie ein Gefühl in Deinem Bauch und ein Klopfen in Deinem Herz auch. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MOND
Eine Wölfin - Warum streift sie allein durch den Wald? Weiß sie nicht, ich komme bald? Hörst Du sie heulen, redend mit sich Tröste sie nicht, das mache ich Berühre sie nicht, sonst beißt sie Dich. Die Wölfin in Deinem Wald Sie heult für mich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
VORHANG
Der Tag ist ein geschlossener Vorhang, der eine andere Sonne verdeckt. Wer würde ahnen, daß die Sonne heimlich eine Sonne versteckt? Der Mensch verheimlicht den inneren Menschen, Wirklichkeit ist in Wirklichkeit eine Illusion. Reden ist das Schweigen Deiner inneren Stimme und die Nation birgt eine zweite Nation. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE DUMMEN LACHEN
Die Straße spricht jede Sprache Schritte fallen lautlos und stumm Die stummen sind nicht dumm Die Dummen lachen, wenn ich lache verstehen mein Lachen aber nicht Sie sprechen jede Sprache überleben auf der Straße aber nicht Kritisieren alles, was ich mache sehen den Schmerz auf meinem Gesicht und denken, daß ich lache. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DEINE BLUMEN
Deine Blumen blühen schon lange und blühen schon lange als Dauergäste im Garten meiner ältesten Empfindung. Ein Baum hat Arme, wir nennen sie Äste und sie tragen viele Umarmungen, wir nennen sie Blumen, und als eine Geste ihrer Reinheit streicheln sie uns äußerlich nur zart, und drücken dabei innerlich feste. So sind Deine Blumen drinnen mein zartes Herz und draußen meine kugelsichere Weste. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WELLENRITT
Ich bin in der Welle reite sie heftig Ich bin in der Kiste schüttle sie kräftig Ich bin in der Stimmung gebe mich ihr hin Das ist meine Widmung da ist alles drin. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GROSS- UND KLEINREIBUNG
Manchmal bin ich groß Und Du machst mich klein Manchmal bin ich klein Und Du machst mich groß. Diese Groß- und Kleinreibung Meiner Sehnsucht und Lust - Wer hätte es gewusst? - Wie Medikamente ohne Verschreibung Fühlen sich irgendwie so an Als wären sie etwas Verbotenes Das bewirkt trotzdem was Gutes Denn ich genese daran. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WONNENBRAND
Manchmal willst Du ein Gedicht weiter schreiben, doch es ist schon zu Ende - Du warst nur der Kugelschreiber, niemals selbst der Schreiber. Du spürst an Dir fremde Hände doch die Berührung ist intim und der Griff ist Dir wohlbekannt. Ohne Vorwand nimmt er Dich ganz in Besitz und befreit Deine Sehnsucht ihres letzten gedanklichen Gewand. Und jetzt würdest Du so gerne weiter machen, doch der Höhepunkt der Wonnenbrände wurde schon überschritten, überschrieben. Dreh Dich sanft um. Seitenwende. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
