Manche werden durch Dein Herz rennen wie blinde Gäste durch Deine Wohnung aber sie werden die Schätze nicht erkennen die die Aufmerksamen erwarten als Belohnung. Rufe sie nie zurück, lass sie weitergehen, mache Dein Fenster auf, lüfte Dein Herz wieder. Neugierige schauen ohne wirklich zu sehen - Nur Feinempfindende lassen sich nieder. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
der Phantasie
WORTLOS
Das erste Wort, das mir einfällt,
wurde mir von Mund zu Mund übertragen,
verpackt in einem Kuss als wir da lagen,
schweigend, fern von der Welt.
–
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
VON EINEM PUNKT ZUM ANDEREN
Du bewegst Dich weg von mir nicht wie ein Pfeil geradlinig sondern wie ein Gedanke torkelnd und schwankend irrsinnig von einem Punkt zum anderen wankend und zugleich starrsinnig bis Du den Weg wieder zu mir findest und wir werden endlich einig. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
VON HEIMAT ZU HEIMAT
Wie viele Gedanken fallen dem Regentropfen ein während er langsam fällt von Wolke zum Stein? Denkt er an seine Heimat die er für immer verlässt? Denkt er an seine Heimat, der er nähert und bald nässt? Du verlässt Deine Heimat und kommt wo anders an; Und siehe: Du bist Zuhause in einem neuen Land. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
SCHWER GENUG FÜR MEIN GEWISSEN
Und wenn ich singe höre ich Schmetterlinge aber ich sehe sie nicht Ich fühle ein helles Gewicht schwer genug für mein Gewissen hin und her ungerissen Die Nacht ist sacht Das Lächeln lacht Mein zweites Ich erwacht. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
NACHTSINNEN
Ein Raum so groß wie keine Fantasie Grün wie die Erinnerung an Urwälder Dadrin wohnst, allein, Du selber Winzig wie ein Planet in einer Galaxie Wo bist Du? Ist das Deine Hoffnung? Ist das Deine Sehnsucht? Deine Angst? Ist das Deine Kindheit? Deine Ignoranz? Ist das das Wesen Deiner Entwaffnung? Und da liegst Du jede Nacht sinnend Spürend, fühlend, empfindend, nachdenkend Dich vor der großen Leere in Dir erschreckend - Jede Nacht mit dem Erwecken neu beginnend. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
IDEENKRÄHEN
Ich flog durch die Nacht wie ein Vogel, den ich nicht erkannte. Ich flog und sah mich fliegend, als wäre ich außerhalb von mir, inmitten von anderen seltsamen Vögeln, nur waren sie mir vertraut und heimlich. Wir blickten uns prüfend in die Augen gegenseitig, erkannten in einander Gleichart und flogen weiter zusammen durch die Nacht, wie Gedanken der Nacht, unterwegs zu Dir. Du schläfst noch, als wir Dich finden. Nur unbewusst in Deinem Empfinden nimmst Du uns wahr, entgegen und auf, Du, das nächste Ziel in unserem Kreislauf. Von Generation zu Generation, wir sind hier, Zivilisation zu Zivilisation geflohen sind wir, um mit ihren Sonnen nicht runterzugehen. Irgendwann werden wir das Morgenland sehen, das erhellt wird durch uns, lichtstrebende Ideen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
NUR DIE GEGEWART
Es gibt nichts wie 2024 Es gab nichts wie 1924 Es wird nichts geben wie 3024 Es gibt immer nur die Gegenwart, den Augenblick des ewigen Geschehens Ich wart und ich wart und ich wart auf die Wiederholung des Erstehens unserer Magie Eine Zukunft, die schon gestern war. Erwartung und Nostalgie sind Illusionen, nur handeln ist wahr. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
VERSCHWOMMEN
So müde Ich sehe meine Gedanken doch ich kann sie nicht fassen Wie Fische im Wasser Liebe ich sie, sollte ich sie dort lassen In ihrem Element, in ihrer Welt, einer fremden Welt glückliche Insassen Auch wenn ich sie nicht greife werde ich trotzdem nichts verpassen Bin nur müde. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DRIN
Ich bin drin Es macht keinen Sinn Dich noch zu zu machen Ich bin schon drin Ich wohne in Deinem Lachen Ich höre mich hallen und nachhallen wie ein Gefühl in Deinem Bauch und ein Klopfen in Deinem Herz auch. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
