DAS UNGEWÖHNLICHE

Nimmer endende Geschichte 
Dreitausendsechshundertundfünfzig Gedichte
Und mehr Gedanken, als ich zählen kann,
Ein Innenleben, von dem ich erzählen kann,
daß es ein nimmer endendes Neigen ist
zum Emporsteigen, weil Geist eigen und artig ist
Und weil die Ewigkeit täglich entsteht,
während Dein Leben täglich zuneigen geht.
Wer Zauber ernten will, der säet, der säet…
Ungewöhnliches, weil Eigenartiges.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ECHO DER UNSTERBLICHKEIT

Wenn ich wie das Herz wäre,
würde ich 100.000 Mal pro Tag
meine Liebe, die grobe und die hehre,
hinaus senden, einen Heiratsantrag,
an das Leben, dessen endlose Fragen
uns umgeben, dessen Geheimnisse
in uns hervor ragen als Gewissensbisse,
als Empfindungsschübe, die uns plagen,
wenn wir uns seinem Drängen widersetzen.
Das Leben, dessen magische Kräfte
als Freude und Zuversicht uns besetzen.
Du bist‘s, dem ich mich anhefte,
herzklopfend 100.000 Mal am Tag,
sterbliches Echo der Unsterblichkeit.
Und was meine ich mit jedem Herzschlag?
Immer wieder nur: Dankbarkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GENERATIONENÜBERGREIFEND

Wir fangen bei jeder neuen Generation
wieder von Null an,
als hätten wir nicht bereits
in der jeweils vorherigen Generation
alles gegen Hass getan
und seinen Anpassungsanreiz.

Sisyphus war kein Mensch,
er ist die Menschheitsgeschichte -
Die Hartnäckigkeit unserer Tendenz
zu reinkarnieren unsere Bösewichte.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

TAFELBERG

Tafelberg
Mahlzeit
Unsichtbare Riesen
Götterspeisen

Menschenzwerg
entweiht
diese Felsen und Wiesen
wo Wolken kreisen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

 

AUGEN ZU UND DURCH

Augen zu und durch
die Pforten in einen Garten -
Schöne Empfindungsblumen
der freudigsten Arten -
Buntes Innenleben
fest verankert in zarten
Wahrnehmungen der Freude
die mich dort erwarten.

Das sind die Momente
wo Bücher mir nicht reichen -
Netflix und Soziale Medien
bieten nichts zum Vergleichen -
Gespräche, Spaziergänge
stellen nicht solche Weichen.
Ich schließe meine Augen,
nur so kann ich dort erreichen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WIE EIN GAST LIEGT DER SCHNEE

Wie ein Gast liegt der Schnee,
Zu Besuch, im Wohnraum der Stadt ausgebreitet,
Fremd und doch Zuhause, und unbegleitet,
Wie ein Familienmitglied vom Übersee.

Er hat nicht viel zu sagen,
genau wie ich, Schweigen ist unsere Sprache
des Suchens nach Antwort, Ruhe und Ursache,
In diesen Winternächten und -Tagen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE BÄUME SEHEN ALLES

Sie könnten fast Menschen sein
Wie sie da stehen, still, im dunklen Wald.
Wieso sagen sie nichts? Wir sind allein,
Der Winter ist kalt, die Nacht ist alt,
Die Wolken öffnen ihren Mund dem Mondschein,
Geistern oben im Himmel, unten in Schneegestalt.
Ein Bach, ein ungenaues Tier, ein Grenzstein.
Die Bäume sehen alles, sie sind der Wald.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SIGNALE


Sein Finger steckt in ihrem Gehirn
Es sind zwei Finger, sie passen perfekt rein
Einer für das Sushi hinter ihrem Stirn
Einer für die M… – nah, ich lass das lieber sein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

NIE SIND MEINE GEDANKEN GEERDETER

Nie sind meine Gedanken geerdeter
Als wenn ich fliege. Nie beflügelter
Als wenn ich am Boden stehe.
Freiheit und Gebundenheit sind Verbündete
In des Lebens urältester Ehe:
Die zwischen der Ferne und der Nähe.
Der Stille ist der am meisten Getriebene.

Was bringt ein neues Jahr
Was nicht vorher bereits da war
Als selbsterzeugtes Samenkorn
Von mir ausgeworfen nach Vorn?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KRONE

Sie spielt ihn, ihren Saxofon,
Und sie spielt ihn gut.
Sie gibt an, gekonnt, den Ton.
Er wird in seinem Mut
Meinungslaut wie ein Megafon,
Kündigt an, angeregt, ihre Sintflut,
Macht sich zu ihrem Thron:
Setz Dich!, was sie auch tut,
Seine Krone, sein zweiter Hut.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung