Sie könnten fast Menschen sein Wie sie da stehen, still, im dunklen Wald. Wieso sagen sie nichts? Wir sind allein, Der Winter ist kalt, die Nacht ist alt, Die Wolken öffnen ihren Mund dem Mondschein, Geistern oben im Himmel, unten in Schneegestalt. Ein Bach, ein ungenaues Tier, ein Grenzstein. Die Bäume sehen alles, sie sind der Wald. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
der Phantasie
SIGNALE

Sein Finger steckt in ihrem Gehirn
Es sind zwei Finger, sie passen perfekt rein
Einer für das Sushi hinter ihrem Stirn
Einer für die M… – nah, ich lass das lieber sein.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
NIE SIND MEINE GEDANKEN GEERDETER

Nie sind meine Gedanken geerdeter Als wenn ich fliege. Nie beflügelter Als wenn ich am Boden stehe. Freiheit und Gebundenheit sind Verbündete In des Lebens urältester Ehe: Die zwischen der Ferne und der Nähe. Der Stille ist der am meisten Getriebene. Was bringt ein neues Jahr Was nicht vorher bereits da war Als selbsterzeugtes Samenkorn Von mir ausgeworfen nach Vorn? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
KRONE
Sie spielt ihn, ihren Saxofon, Und sie spielt ihn gut. Sie gibt an, gekonnt, den Ton. Er wird in seinem Mut Meinungslaut wie ein Megafon, Kündigt an, angeregt, ihre Sintflut, Macht sich zu ihrem Thron: Setz Dich!, was sie auch tut, Seine Krone, sein zweiter Hut. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER HERBST LÄSST LOS
Ich verzeih Dir Und gedeih in Dir Gerade deshalb. Verzeihung ist Macht Davon wissen ist Macht Ebendeshalb. Macht es Dich leicht Ist es vielleicht Der Grund weshalb Du im Herbst gedeihst. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SPIELENDE KINDER
Die blauen dünngeschnittenen Windscheiben - Das Mädchen, wenn ihre Finger ihre Augen reiben, sieht den Wind vorbeilaufend in allerlei Gestalt. Nichts ist vielfältiger als die kindliche Einfalt. Es dreht sich zum Jungen neben ihr, leidenschaftlich erzählend von blauen Windscheibchen selbstverständlich. Er korrigiert sie freundlich, Ja sie sind dünn Aber blau sind sie nicht, sieh doch: sie sind blaugrün! Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
JETZT SCHON WISSEN
Wissen. Ich werde Dich vermissen. Bereits wissen. Noch bevor ich Dich finde. Noch bevor ich mich mit Dir verbinde. Ich habe dieses Wissen Aus meinem Gewissen Herausgerissen. Nun kann ich es nicht mehr vergessen. Und suche Dich weiter unterdessen. Das solltest Du jetzt schon wissen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
FRANKFURTS ERSTER SCHNEE
Ich sah Frankfurt intimer als je zuvor Ich liebte sie sofort obwohl ich dabei fror in ihrem engen Brautkleid in ihrer Freude, in ihrem Leid lautlos leistend unseren Eid. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER WINTER KOMMT
Der Donner ist stumm wenn er kommt Er schreit innerlich, schweigt winterlich Der Gedanke blitzt rauf und runter Der rauher Wind gähnt, kühl, und erwähnt Eine lose Stimme im Herzen jault es auch Geräuschlos hat sich die Welt verändert Der Herbst zieht sie aus, der Winter kommt Langsam. Alles braucht seine Zeit - Blumen, Liebe, Wunden und die kalte Jahreszeit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WAS ICH AN DIR MAG
Danke, Tag, Ich mag Deine Art Wie sie zart mich annahm Aber zahm warst Du nicht Wie ein Gedicht vielschichtig Wer unvorsichtig Dich aufmacht Spürt die Macht Deiner Willkür Nur eine Tür - Feinfühligkeit - Sichert Deine Gefügigkeit. Das Ist das, was ich an Dir mag. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
