DEINE WORTE BERÜHREN

Deine Worte berühren meine Haut
Doch Dein Schweigen geht tiefer
Deshalb werde ich, wenn die Welt schweigt, laut.

Du wächst aus meiner Seele heraus
Wie Dreadlocks, wie Gedanken, wie Unkraut
Geperlt mit den Tränen meines Morgentaus.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MEHR IN DIR

Komm zu mir
Ich öffne Dich Dir
Nicht mir
Du bist Dir das größere Geheimnis
Das wichtigere

Du musst es nur zulassen
Folgen, wenn ich Dich führe
Du wirst Dich neu begreifen und fassen
Wenn ich Dich innerlich berühre.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ZUKUNFTSSCHMIEDE

Wüsstest Du, daß wir Magier sind?
Jeden Augenblick zaubern wir Neues hervor:
Die Zukunft.

Und das können wir bis in alle Ewigkeit tun In Neuland hinein reisen, findend
jeden Augenblick eine neue Ankunft

Jeder Augenblick eine neue Herkunft
Über Deinen Weg gibt allein Deine Sehnsucht
wahre Auskunft.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE GESCHICHTE DES RIESELNDEN BACHS

Die Nacht erzählt mir eine Geschichte
die ich nicht verstehe
dennoch höre ich gebannt verträumt zu
es ist eine gute Nachtgeschichte
über einen rieselnden Bach
der lief und lief und murmelte und gurgelte
und beim Zuhören fließe ich mit
und schlafe langsam ein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ERKENNTNISSE

Abend ist wie Wein
Er entlockt mir alle meiner Geheimnisse
Ich lach, ich wein
Ich erinnere mich an meine Versäumnisse
Ich war niemals allein
Ich war immer allein
Meine Bedürfnisse sind meine Gefängnisse.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SAMTIGE NACHT

Diese Nacht fühlt sich
Wie eine Haut an
Wie Stoff, ein Mantel aus Samt
Ein weicher flauschiger Vorhang an
Und wenn ich ihn teile
Ich meine, wenn ich sie teile,
Fühlt es sich wie Zuhause an,
Das, was drinnen ist
Dort, auf der anderen Seite
Ummantelt von Nacht,
Versteckt hinter mehr als einem Vorhang
Vorsichtig versteckt hinter einem Vorwand.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

NACHT(ENT)FALTER

Müde.
Aber nur ich, nicht die Muse.
Nacht. Ruhe.
Zuhause. Nicht ich. Nur die Schuhe.
Ich gebe mir Mühe
ruhig zu bleiben
denn meine Gedanken treiben
mich dazu, dies nieder zu schreiben:
Blühe, Selbst, blühe.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VER-BINDEN

Ich finde
wenn ich linde
Deine Augen binde
mache ich aus Dir keine Blinde

Trau Dich. Überwinde
Deine Angst, wenn ich Dir die Hände zubinde
Empfinde
den Zugang in Dir und verschwinde

Und erwache in der Welt des Sinnes
Bist Du das? Ja, Du spürst es. Ich bin es
Jetzt kannst Du mich besser sehen
Besser fühlen und besser verstehen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WIE FRÜHLING

Ich lasse mich nicht herunterziehen
Wäre ich kein Mensch, wäre ich der Frühling
Täglich mich hochziehen, mich anziehen
Du darfst mir dabei zusehen
In mich hineingehen
Kraft holen, in die Welt hinausziehen
Farbig, färbend, drängend wie Frühling.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WORTBOTE

Die Worte kommen wie von selbst
Der Selbst kommt wie von Worten
Wo ich selbst ende und mein Wort ansetzt
werde ich wiedergegeben an neuen Orten.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung