DAS ÜBERLEBEN DES MENSCHTUMS

Ich muss jemand sein,
sonst würden sie mich nicht hassen -
Ich muss mehr sein als ich mein,
denn sie können von der Angst nicht lassen.

Was bin ich? Was sehen sie?
Was spüren sie? Was wissen sie über mich?
Ist es Wirklichkeit oder Fantasie?
Egal was es ist, für mich ist es gefährlich.

Für mich ist es ansporngebend,
für mich ist es erhellend und kraftspendend,
für mich ist es anfeuernd, hebend,
ür sie ist es am Ende energieverschwendend.

Hast Du ein gutes Herz, so nimm Dich ernst,
nimm Deinen Weg ernst und Dein Ziel,
nimm Deine Art und Deine Empfindung ernst,
das Überleben des Menschtums ist Dein Ziel.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

GUTE NACHT, MENSCHENGEIST

Nicht Ausländer ersetzen uns,
sondern KI macht das durch unser Tun -
Der Mensch schafft sich selbst ab.

Nicht Migranten verletzen uns,
sondern KI macht das mit unserem Zutun -
Sie wird unserem Geist zum Grab.

Wird eine Generation einst kommen,
die keine Musik komponieren kann?
Keine Briefe selbst antworten kann?
Keine eigenen Gedanken erzeugen kann?
Keine Probleme selbst lösen kann?
Eine, die sich wundern wird,
wie wir einst das alles gemacht haben?

Alles, was Du hast, alles, was ich hab -
Empfindung, Intelligenz, Sich-Mühe-geben -
geben wir profit- und ruhesuchend ab.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WIE LEBENDIG IST DAS LEBENDIGE IN DIR?

Du wirst anders sein als die Deinigen
Du wirst Deine Gleichart bei den Meinigen finden
Diese Beschreibung passt zu Einigen
Aber finden sie den Mut, sich derart zu verbinden?

Wie lebendig ist das Lebendige in Dir?
Auf irgendeiner Ebene wirst Du Gleichart finden:
Interessen, Geschichte, Geschlecht, Rasse, Kultur?
Oder eher im ähnlichen geistigen Empfinden?

Wie lang kannst Du tot sein
bis Du den Atem nicht mehr anhalten kannst?
Atme wieder, aus ein aus ein,
bis Du Deine Amnesie endlich verbannst!

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

GERISSEN

Deutschland, in Deiner Brust, wahrlich,
schlagen stets zwei Herzen -
Eins äußerlich, eins innerlich,
und beide verursachen Dir Schmerzen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ALTE FREUNDE UND ALTE BÜCHER

Alte Freunde
und alte Bücher
werden mit dem Alter
interessanter.

Je mehr Du Dich selbst
erlebst und verstehst
desto mehr schätzt Du.
was Du sahst und siehst.

Ich lese alles zweimal
ob Menschen ob Bücher
Es wird mit der Zeit
alles verständlicher.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DAS ENDE DES SELBSTBILDS

Es dauert eintausend Jahre und vielleicht mehr,
bevor ein kluger Mensch schmerzlich ahnen kann,
daß er eigentlich dumm ist, ignorant und wissensleer -
Das Ende seines Selbstbilds. Was macht er dann?

Es dauert eintausend Jahre oder manchmal zwei,
bevor bei einem starken Menschen es sich durchsetzt
das Wissen, daß er eigentlich schwach ist und unfrei -
Das Ende seines Selbstbilds. Was macht er jetzt?

Bis ein Jemand begreift, daß er niemand ist…
denn die Eitelkeit ist das Herzstück unseres Brustschilds…
Eintausend und mehr Jahre dauert die harte Erlebnisfrist
zur Erkenntnis und Umbildung des Geistes Selbstbilds.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

REALITÄTSVERLUST

Irgendwann wird es Dir
vorkommen wie ein Mär:
Dein Glaube an die Reinheit,
an die Macht der Kindlichkeit.

Das wird der Tag sein,
an dem Dein Bewusstsein
für die einzig wahre Realität
strauchelt und verloren geht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ICH LIEBE ALLES

Ich liebe das Getrennt-sein
wenn ich nicht immer getrennt sein muss
von Dir

Ich liebe das Zusammen-sein
wenn ich nicht immer zusammen sein muss
mit Dir

Ich liebe das Alleinsein
wenn ich nicht immer allein sein muss

Ich liebe das beisammen Daheim sein
wenn ich es nicht immer sein muss

Ich liebe alles - nur in Maßen.

Aber das Verliebtsein
Das liebe ich immer
Das will ich immer sein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

BESSER WISSEN WOLLEN

Jedes Wort, das ich Dir als Ratschlag sag,
hätte ich eigentlich mir selbst sagen sollen -
Es trifft mich jedes wie ein harter Schlag!
Ich erlebe rückwirkend nur mein eigenes Wollen.

Ich behalte ab jetzt meine Meinung für mich;
ich brauche sie eh mehr für mich selbst.
Ich habe nur lernende Beobachtung übrig für Dich,
denn in Dir stoße ich an mein begrenztes Selbst.

So grenzt sich ein Jahr vom andern ab,
so die Jahreszeiten respektvoll von einander,
so das Erden- und Jenseitsleben durch das Grab,
und so wahrhaftige Menschen untereinander.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EIN DICHTER IST IMMER ALLEIN

Ein Dichter ist immer allein
denn seine Treue und seine Liebe
gelten nur seinem Dichtersein,
keinem Menschen, keinem Triebe.

Das spüren die Menschen fein
ohne es einordnen zu können:
Meiner wird er nie wirklich sein -
Seine Freiheit muss ich ihm gönnen.

Doch des Freiseins Preis ist Alleinsein;
Verbindungen kommen und gehen -
Die wahre Bindung, hell, echt und rein,
können die Wenigsten verstehen.

Sie bleibt im Inneren bestehen,
genährt durch die Einsamkeit -
Die Fähigkeit, ins Herz zu sehen
und fangen unsre tiefe Gemeinsamkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung