DAS WEISS NUR MEIN HERZ

Was fühle ich für Dich?
Nicht mal mein Kopf weiß es -
Das weiß nur mein Herz.

Wohin bringt meine Sehnsucht mich?
Nicht mal mein Verstand weiß es -
Das weiß nur meine Empfindung.

Verstehen sie jemals, niemals, sich?
Ich taumele blind durch den Schmerz
und erwache erst in ihrer Überwindung.

Verstehen sie jemals, niemals, sich?
Meine innere Stimme erklärt‘s
aber Denken sieht nicht die Verbindung.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DICHTEN OHNE ERWARTUNG

Ich habe gelernt, als Dichter
nie nach Ruhm zu trachten,
möchte ich meine Aufgabe,
das Innenleben zu beobachten,
richtig erfüllen, unbeeinflusst davon,
wie andere mich betrachten,
ob Geliebte, Käufer oder Spötter -
darauf darf ich nicht achten.

Wer zum Geist des Zukunftsmenschen
sprechen will, darf heute nichts erwarten -
weder von Freunden noch von Feinden -
sondern säen, dann gehen aus dem Garten.
Empfinden, schreiben, sterben und warten.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE VERLORENE TIEFE

Wann haben wir uns verloren,
unser Herz, unsere Weichheit,
die Natur, in der wir geboren
wurden, altmodische Weisheit?
Wann sind wir so fortgeschritten
geworden und innerlich zerstritten?

Einfache Lieder befriedigten uns,
ehrliche Worte genügten uns,
im Kern unseres Denkens und Tuns
waren Werte. Sie beschützten uns
lange vor diesem modernen Unding,
das wir ohne sie heute geworden sind.

Wer die Vergangenheit verloren hat,
der kann sie sich nicht mehr vorstellen -
begreift nicht mehr die märchenhafte Tat
ohne ihren Sinn modern zu entstellen.
Es war einmal eine bessere Menschheit,
eine Zukunft vergessen in Vergangenheit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WIR MÜSSEN NICHT GLEICH SEIN

Wir sind, was wir sind.
Jeder ist seines Geistes Kind.

Wir sehen, was wir sind.
Darüberhinaus sind wir blind.

Aber wenn wir zusammen sind
spüren wir die Verschiedenheiten
die durch Sehnsucht verbunden sind
in den heutigen verwirrenden Zeiten.

Wir sind, was wir sind.
Wir müssen nicht gleich sein
um eins zu sein.
Das geht auch, wenn wir verschieden sind.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DAS UNGEWÖHNLICHE

Nimmer endende Geschichte 
Dreitausendsechshundertundfünfzig Gedichte
Und mehr Gedanken, als ich zählen kann,
Ein Innenleben, von dem ich erzählen kann,
daß es ein nimmer endendes Neigen ist
zum Emporsteigen, weil Geist eigen und artig ist
Und weil die Ewigkeit täglich entsteht,
während Dein Leben täglich zuneigen geht.
Wer Zauber ernten will, der säet, der säet…
Ungewöhnliches, weil Eigenartiges.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DES GEISTES ELIXIER

Schönheit.
Wenn ich satt bin und doch nicht satt,
Wenn ich voll bin und mich leer fühle,
Wenn trotz Befriedigung meiner Gefühle
Meine Empfindung Unzufriedenheit hat,
Dann weiß ich, daß ich tief in mir
nach Nahrung, nach des Geistes Elixier
mich sehne, dürste, hungere, verlange,
wo ich Licht empfange und mich fange:
Schönheit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WO LEBST DU?

Wo befindet sich das Leben?
Im Positionsspiel des Berufslebens?
Dort suchte ich einst das Leben
und siehe: Ich suchte vergebens.

Wo findet das Leben statt?
Im Geltungsdrang gesellschaftlichen Drucks?
Ihm widmete ich einst meine jede Tat,
bis ich darunter litt und dabei wuchs.

Wo spielt sich das Leben aus?
Bei Familie, Freunden, Religion, Leidenschaften?
Ein Teil von mir fand dort ein Zuhaus,
wo ich einsam saß inmitten der Machenschaften.

Wo bin ich am Lebendigsten?
Ganz einfach, hier ruhig in meinem Geiste.
Befolge ich meinem Innigsten,
spende ich Freude und bin der Freieste.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VON BÄUMEN LERNEN

Der Baum stand da
Als wäre er nicht da
Und war für alle da

Der Mensch stand da
Als wäre er wirklich da
Und war für niemand da

Nur für sich selbst.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MÄNNLICH IST NICHT WEIBLICH

Mann oder Frau?
Männlich oder weiblich.
Es gibt eine Sensibilität der Empfindung
Es gibt eine Tiefe der Erinnerung
Es gibt eine Genauigkeit der Wahrheitserkennung
Es gibt eine Intensität der Gewissensfühlung
Es gibt einen Grad der Gottesverbindung
Es gibt eine Feinheit der Schönheitsgestaltung
Es gibt ein Zuhause, eine Ruhe, ein Heil,
Zu deren Erreichung, das was zählt,
Mir als Mann der weibliche Anteil
Innen fehlt.
Männlich ist nicht weiblich
Und Mann ist nicht Frau.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE GEDANKEN SIND NICHT FREI

Die Gedanken sind nicht frei
Sie sind gut, böse, rein, unrein
Aber sie sind nicht zollfrei

Sie erhalten ihr eigenes Sein
Bewirken feinstofflich vieles dabei
Prägen weiter Dein Bewusstsein

Hängen an Dir wie ein Faden
Kehren im Kreis auf diesem Pfaden
Zu Dir zurück mit Gleichart beladen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung