BESINNE DICH DEINES HERZENS

Wenn alles, wenn alle weg sind,
Gesellschaft, Pflichten, Frau und Kind,
bleibt von mir und meinen Träumen was übrig?
Jugendliche Empfindung, einst quecksilbrig,
langsam stumpf gerieben unter Haaren grausilbrig
geworden, verweht mit dem Wind.

Die Aufgabe des Erwachsenen und des Greisen ist es,
die reine und kindliche Klarheit des Kindes
und die tiefen Empfindungen des Jugendlichen,
der er einst war, nun restlos zu verwirklichen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DAS GLEICHE

So weit doch so nah
So nah doch so weit
Das Leben ist eine Art
Kunst, eine Art
Schwingung
Wo auch immer es sie gibt,
diese Art, dort gibt es eine neue Version
des Ganzen, des Gleichen.
Ich Reise von Land zu Land zu Land
und schüttele überall die selbe Hand
Der Fremde ist nie fremd in seinem Land
Es fühlt sich immer wie Zuhause an
Das ist das Gleiche, das ich überall fand.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

AN DIE HEIMAT

Rote Erde
Schwarze Haut
Grün als Zierde
Weißes Lächeln laut
wie das lauteste Lachen -
Nigeria, Du schöne Braut,
mit Dir werde ich vieles machen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

SPÜREN UND VERWIRKLICHEN

Wo bist Du,
Gedanke des Morgens?
Was hat der Tag aus Dir gemacht?

Habe ich Dich vergessen oder verinnerlicht?
Entsprang meine Aussicht Deiner Einsicht?
Entsprangst Du selber der Empfindung Licht?
Deine Verwirklichung sei meine Pflicht.

Wo bist Du,
Empfindung des Morgens?
Was hast Du aus dem Tag gemacht?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DER ZUSAMMEN-HANG VON OBEN UND UNTEN

Wenn Du lange in Dir suchst,
in allen Ecken und Räumen in Dir drinnen,
in jeder Hoffnung,
in jeder Angst,
inmitten Deiner jeden Erfahrung,
wenn Du kraft aller Deiner Sinnen
jeden Gedanke und jede Empfindung untersuchst,
findest Du eines Tages nach langem Ringen
In Dir den einen Zusammenhang,
wo Deine Liebe zu Gott
und Deine Liebe zu Menschen im Einklang
miteinander schwingen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DREIECK

Der lange Weg zwischen
dem, was wir sagen, und
dem, was wir meinen, und
dem, was wir bewirken, ist
so kurz wie ein Wort, wie
ein Lachen, wie ein Blick,
der nach Osten fliegt und
im Westen ankommt, der
den Süden sucht und den
Norden findet, der den
Sonnenaufgang malt und
der Sonnenuntergang
erscheint auf der Leinwand.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

OHNE VERSTÄNDNIS

Versteht ein Tier, daß
es einen Menschen nicht verstehen kann?
Oder denkt es, der Mensch ist nichts mehr,
als die wenigen Rufworte, die es verstehen kann?

Versteht der Verstand, daß
er Göttliches nicht verstehen kann?
Oder denkt er, Gott gibt es nicht,
einfach nur weil er Göttliches nicht verstehen kann?

Menschen reden und reden miteinander
und verstehen nicht mal einander gegenseitig.
Menschen schweigen und schweigen miteinander
und trotzdem verstehen sich nicht gegenseitig.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

TIEFER

Ich brauche Tiefe.
Hast Du sie?
Willst Du zu mir, bring sie mit.
Den innigen Blick,
den tiefen und tiefer gehenden Schnitt.

Ich habe Tiefe.
Brauchst Du sie?
Willst Du zu mir, werde grenzenlos.
Wo ich stehe, und täglich tiefer hinein gehe,
ist bodenlos.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MEIN VIELFÄLTIGES HERZ

Klopf Klopf!
Wer ist da?
Ich klopfe nicht, Conga, ich trommele
Ich bin keine Conga, bin Dein Herz
Wieso wohnen so viele Lieder in Dir denn?
Das sind keine Lieder -
Sondern?…
Das sind Geschichten und Empfindungen
Wessen? Wo kommen sie her?
Sie sind Deine
Aber sie sind so viele und so merkwürdig
Ja, das ist Dein Herz.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

AUS DER TIEFE

Ich bin aus der Tiefe aufgetaucht
um auf der Oberfläche zu leben
Aber jetzt fehlt mir die Tiefe wieder,
das innere Weilen im ruhigen Erleben
wo ich niemandem gefallen mußte
außer meiner inneren Stimme eben.

Die Sonnenuntergänge waren anders
Die Gespräche inniger und wahrhaftiger
Die Alleinsamkeiten waren nicht einsam
Die Bindungen waren unabhängiger
Klarheit, Sicht und Einsicht waren einerlei
und flüstern jetzt: werde wieder lebendiger

Denn die Oberfläche ist oberflächlicher
geworden - und die Tiefe noch tiefer.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung