Wenn Du lange in Dir suchst, in allen Ecken und Räumen in Dir drinnen, in jeder Hoffnung, in jeder Angst, inmitten Deiner jeden Erfahrung, wenn Du kraft aller Deiner Sinnen jeden Gedanke und jede Empfindung untersuchst, findest Du eines Tages nach langem Ringen In Dir den einen Zusammenhang, wo Deine Liebe zu Gott und Deine Liebe zu Menschen im Einklang miteinander schwingen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
der Selbstreflexion
DREIECK
Der lange Weg zwischen dem, was wir sagen, und dem, was wir meinen, und dem, was wir bewirken, ist so kurz wie ein Wort, wie ein Lachen, wie ein Blick, der nach Osten fliegt und im Westen ankommt, der den Süden sucht und den Norden findet, der den Sonnenaufgang malt und der Sonnenuntergang erscheint auf der Leinwand. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
OHNE VERSTÄNDNIS
Versteht ein Tier, daß es einen Menschen nicht verstehen kann? Oder denkt es, der Mensch ist nichts mehr, als die wenigen Rufworte, die es verstehen kann? Versteht der Verstand, daß er Göttliches nicht verstehen kann? Oder denkt er, Gott gibt es nicht, einfach nur weil er Göttliches nicht verstehen kann? Menschen reden und reden miteinander und verstehen nicht mal einander gegenseitig. Menschen schweigen und schweigen miteinander und trotzdem verstehen sich nicht gegenseitig. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
TIEFER
Ich brauche Tiefe. Hast Du sie? Willst Du zu mir, bring sie mit. Den innigen Blick, den tiefen und tiefer gehenden Schnitt. Ich habe Tiefe. Brauchst Du sie? Willst Du zu mir, werde grenzenlos. Wo ich stehe, und täglich tiefer hinein gehe, ist bodenlos. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MEIN VIELFÄLTIGES HERZ
Klopf Klopf! Wer ist da? Ich klopfe nicht, Conga, ich trommele Ich bin keine Conga, bin Dein Herz Wieso wohnen so viele Lieder in Dir denn? Das sind keine Lieder - Sondern?… Das sind Geschichten und Empfindungen Wessen? Wo kommen sie her? Sie sind Deine Aber sie sind so viele und so merkwürdig Ja, das ist Dein Herz. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
AUS DER TIEFE
Ich bin aus der Tiefe aufgetaucht um auf der Oberfläche zu leben Aber jetzt fehlt mir die Tiefe wieder, das innere Weilen im ruhigen Erleben wo ich niemandem gefallen mußte außer meiner inneren Stimme eben. Die Sonnenuntergänge waren anders Die Gespräche inniger und wahrhaftiger Die Alleinsamkeiten waren nicht einsam Die Bindungen waren unabhängiger Klarheit, Sicht und Einsicht waren einerlei und flüstern jetzt: werde wieder lebendiger Denn die Oberfläche ist oberflächlicher geworden - und die Tiefe noch tiefer. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GEBÄRMUTTER ICH
Gebärmutter Ich schwanger wieder ich formend wachsend neuerlich in meinem Ich ein neues Ich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
REINKARNATIONSGRUND
Die Anzahl an verschiedenartigen Dingen, die an einem Tag geschehen können; Du kannst den Tag damit verbringen, Dich für ein Hundert Leben zu versöhnen. Denn trotz allem will Gott Dich schonen. Es reimt sich nicht ganz genau, ist aber nah genug, um zu funktionieren; In der Wirkung stimmt es haargenau. Du musst Dich an alles nicht erinnern, Du musst nur richtig reagieren. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
UNWISSEN IST OHNMACHT
Unwissen ist Ohnmacht Unwissen ist ohne Macht beschwerlich Unwissen ist mit Macht gefährlich Unwissend seines Unwissens unwissentlich Oder doch wissentlich? Aber ob mit oder ohne Macht Vor Unwissen hab Acht! Keine Wut ist mächtiger als die Ohnmacht Keine Macht ist wütender, wissentlich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
UNNÖTIGE BRÜCKEN
Weil jeder Gedanke zurück kehrt, schick nur Deine besten von Dir fort. Weil Dein Wort Dich ehrt oder entehrt, spürst Du in Deiner Empfindung sofort, wenn Du es falsch verwenden hast oder wenn es das Beste in Dir erfasst. Ich sage nichts mehr, was ich nicht unbedingt sagen muss. Wüsste ich dies nur eher, bliebe manch eine Begegnung beim Gruß gefolgt von einem klaren Abschied und, ungestört, meinem inneren Fried. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
