WIR SIND DRAN

Dieser Moment
Wenn der Pfad würgt…
Wenn die Brücke
mit einem Fragezeichen im Gesicht
stehen bleibt…
Wenn heute unruhig wird, denn
es wurde noch nicht geschwängert
von Dir mit Morgen…
Wenn die Wand fällt, denn sie war eine Illusion
und dahinter… nichts steht…
Wenn Du nach Deinen Anführern und
Deinen Wegweisern suchst, aber
es steht keiner mehr vor Dir…

Dieser Moment,
Wenn Du realisierst, daß
es nun an Deiner Generation liegt,
die Zukunft der Menschheit zu bestimmen –
das nächste Kapitel einer jahrtausendelangen Geschichte
zu schreiben –
die Weiterentwicklung unserer Zivilisation zu sichern.
In diesem Moment wirst Du
zum ersten Mal richtig geboren.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

LAUTES SCHWEIGEN

Kann gerade nicht sprechen
Aber ich sehe Deine Nachrichten
Kann gerade nicht kämpfen
Aber ich kenne Deine Absichten

Kann gerade nicht lieben
Aber Du bist in allen meinen Geschichten
In allen meinen Erinnerungen
Und in allen meinen Gedichten.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WACKELBILD

Im Augen- und Tränenblick
erscheint trüb das Glück
wie ein Wackelbild gespiegelt
auf der Oberfläche eines Flusses
den Deine Reise überbrückt.

Schmerz bleibt und vergeht
und vergeht und bleibt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

RISSE

Als wäre Heute eine Papierwand
reißt sie der Nostalgie entlang…
Heute häutet sich,
trennt sich und tränt,
hält das überraschte Herz gebannt.

Eine Melodie ist ein Pfad,
der sein Gedächtnis nie verliert –
Ein Gedicht ist eine Speicherkarte,
in die die Jugend ihre Träume diktiert
und als Erinnerungen sie dort ewig bewahrt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DER INNERE NAVIGATOR

In der Landschaft meiner Gedanken
fliege ich, ein Flugzeug,
und ich fliege durch sie hindurch

Denn ich muß tausend Gedanken ignorieren
um den einen zu finden,
der mich unaufhörlich ruft

Ich sehe Euch alle
und ich liebe Euch alle
dennoch muss ich Euch alle verlassen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE ZWISCHEN GENERATION

Und die Gesellschaft
schwankte zwischen Links
und Rechts, zwischen gerade und
krumm, zwischen Vergangenheit
und Zukunft, zwischen uns und
ihnen, zwischen ‚alle‘
und ‚ein Teil‘, zwischen Sorgen und
Hoffnung, zwischen Zwischen
und Außerhalb…
wie ein Herz am Ende einer alten Beziehung
und vor dem Beginn der nächsten…
– in ihren Augen sind Fragen geschrieben
– in ihrer Seele streiten alte und neue Vorlieben
– in ihren Gedanken ist sie forschend geblieben
– in ihrem Geiste ist sie von Träumen getrieben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

NEUE MITTE

Wo ist die Mitte?
Ist sie Brauch und Sitte?
Wo ist das Zentrum?
Denn alles ist krumm
Was ist das Bindende?
Ich meine, das Verbindende?

Wie ein älter werdender Mensch
der sich mit seinem sich verändernden
Körper noch nicht anfreunden kann
aber sein Bestes gibt…,
Sucht die Gesellschaft
nach einer neuen Definition von sich,
die Zukunftssinn ergibt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ALLES MUSS ERFÜLLT WERDEN

Tausend Geschichten –
deshalb meine so viele Schichten

Hundert Projekte,
in die ich mich täglich projiziere

Zehn Vereine,
die sich alle in mir vereinen

24 Stunden
drehen viel zu schnell täglich ihre Runden

Und Familie… und Träume
brauchen alle ihre Zeit und ihre Räume.

Alles muß erfüllt werden
in diesem Leben, auf dieser Erde.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

BEWAHRE DEINE KINDLICHKEIT

Kann es sein, daß
Kinder aus der Zukunft kommen,
in die Gegenwart geboren werden und
in der Vergangenheit sterben?

Wir wissen als Kinder mehr
als wir verstehen,
ringen als Erwachsene mit der Diskrepanz
zwischen Wissen und Verstehen –
Und sterben als Greise, die
weniger wissen als sie
vorgeben, oder glauben, zu verstehen.

Für manche fängt das Leben mit vierzig an
Für manch andere ist es mit vierzig
schon längst getan.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DU BIST STARK GENUG

Die Frau kann nicht der bessere Mann sein
Der Mann kann nicht die bessere Frau sein
Yin und Yang
Schweigen und Klang
Freiraum und Zwang
Ruhe und Drang
Jedes ergänzt doch kann nie das andere sein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung