Keiner kann mich aufhalten, der mein Ziel nicht kennt - Das, was sie dafür halten, war nie mein Element - Ich war nur zwiegespalten, ein blindes Instrument, bis ich in dem Verwalten meines Weges als Experiment alle meine Seiten, die alten und neuen transparent durchlebte und könnte entfalten mit meinem Temperament. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
der Selbstwerdung
SCHWARZER MANN
Mir wurde im Laufe des letzten Jahres Unrecht angetan Ich mußte es im Kaufe nehmen, weil ich als Schwarzer Mann ungeschützt bin, denn es bleibt leider wahr: Viele sehen mich noch als die tiefste Gefahr - Unverändert, letztes, dieses und nächstes Jahr. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE VERLORENE TIEFE
Wann haben wir uns verloren, unser Herz, unsere Weichheit, die Natur, in der wir geboren wurden, altmodische Weisheit? Wann sind wir so fortgeschritten geworden und innerlich zerstritten? Einfache Lieder befriedigten uns, ehrliche Worte genügten uns, im Kern unseres Denkens und Tuns waren Werte. Sie beschützten uns lange vor diesem modernen Unding, das wir ohne sie heute geworden sind. Wer die Vergangenheit verloren hat, der kann sie sich nicht mehr vorstellen - begreift nicht mehr die märchenhafte Tat ohne ihren Sinn modern zu entstellen. Es war einmal eine bessere Menschheit, eine Zukunft vergessen in Vergangenheit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DAS UNGEWÖHNLICHE
Nimmer endende Geschichte Dreitausendsechshundertundfünfzig Gedichte Und mehr Gedanken, als ich zählen kann, Ein Innenleben, von dem ich erzählen kann, daß es ein nimmer endendes Neigen ist zum Emporsteigen, weil Geist eigen und artig ist Und weil die Ewigkeit täglich entsteht, während Dein Leben täglich zuneigen geht. Wer Zauber ernten will, der säet, der säet… Ungewöhnliches, weil Eigenartiges. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ANDERS
Ich sehe die Welt anders. Ich sehe, daß wir mehrmals leben, dabei Wechselwirkungen erleben, als möchte uns das Leben vergeben, gäben wir uns nun anders. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WACHSEND HARREN
Wenn Du weißt, es ist noch nicht so weit und Du warten musst - und Du warten musst - zwischen Hoffnung und Frust, Herz voller Leben, voller Lust, ein tausendseitiges endloses Erwarten des Endes, des Anfangs. Zum Starten reicht Deine große Sehnsucht nicht, Deine tiefe Sehnflucht. Es sticht, es sticht, die Sicht, die Sicht ist noch getrübt. Du musst noch warten. Und harren wachsend im Erwarten. Die Charakterzüge, Blumen im Garten, die Dir dabei erblühen, die harten aber vor allem die geschützten zarten, werden eines Tages zu Deinen Fahrkarten - Auf sie tut Dein Schicksal geduldig warten. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EIN BISSCHEN VON UNS
Ich atme die Welt ein aber auch wieder aus, Rausgehen ist mein Weg wieder nach Haus. Ein bisschen von Dir ist genau das, was ein bisschen von mir brauchte doch vergaß. Waren wir einst eins im fernen Paradiese unbewussten Daseins? Die Absicht ist diese: Heraus in die Welt! Hinein in einander! Zurück kehren erhellt an und durch einander! Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
NEUES IST IMMER AM GAREN
Der Mensch, der kam, und der Mensch, der ging, waren zwei verschiedene Menschen - Jemand neues ist immer am Garen. Die Zeit, die Wunden heilt, sie verwundet auch, sie teilt die Menschen wie ein Keil und nie- mand weiß ganz genau wie. Aber irgendwann ist alles verändert - Zum Teil ist es erschütternd Zum Teil ist es ernüchternd Zum Teil ist es erleichternd. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
PERSÖNLICHKEITSWANDEL
Ist es auch Dir aufgefallen, daß er ein anderer Mensch geworden ist? Und sie auch? Ganz egal wer. Bei uns allen hat jede Persönlichkeitsphase ihre Frist. Ich hatte in der Zwischenzeit vergessen, wie das aussieht, weiße Blüten im kahlen braunen Wald. Unterdessen schreitet die Natur voran, bereit zum Brüten: Ein Schopf weißer Haare hier und da wächst urplötzlich aus kargen Winterästen - Der Wald fragt den Frühling Bist Du nah? Ich erkenne Dich nicht mehr im Entferntesten. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EIN ANDERER KAMPF
Ich sehe einen anderen Kampf Er hat nichts zu tun mit Rassen Nichts zu tun mit Geschlechtern Nichts zu tun mit Gesellschaftsklassen Ich sehe einen anderen Kampf Er hat nichts zu tun mit Sprachen Nichts zu tun mit Kulturen, nichts zu tun mit Massenvernichtungswaffen Es ist der Einzelkampf, dessen eine Seite die Suche nach dem Sinn des Lebens ist Dessen andere Seite das Streben ist nach der Vervollkommnung des eigenen Geistes Je mehr Menschen diesen Kampf gewinnen desto mehr Rassen, Geschlechter, Klassen Kulturen in Frieden ihre Ängste und ihre Gier niederlegen und mit ihnen endlich ihre Waffen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
