Wenn alles, wenn alle weg sind, Gesellschaft, Pflichten, Frau und Kind, bleibt von mir und meinen Träumen was übrig? Jugendliche Empfindung, einst quecksilbrig, langsam stumpf gerieben unter Haaren grausilbrig geworden, verweht mit dem Wind. Die Aufgabe des Erwachsenen und des Greisen ist es, die reine und kindliche Klarheit des Kindes und die tiefen Empfindungen des Jugendlichen, der er einst war, nun restlos zu verwirklichen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
der Selbstwerdung
LEBEN IST STERBEN
Leben ist sterben, progressiv. Sterben ist leben, intensiv. Leben ist Veränderung Sterben Erinnerung Wir sagen Auf Wiedersehen obwohl wir teils aus Erfahrung und teils mit der Empfindung wissen: wir werden uns nie wieder sehen außer in der Erinnerung. Denn bis wir uns einst wieder treffen, wurden aus uns bereits neue Menschen. Im Leben stirbt das Alte. Im Sterben lebt das Neue auf - Alte Menschen starten und neue beenden den Kreislauf. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
AN DIE HEIMAT
Rote Erde Schwarze Haut Grün als Zierde Weißes Lächeln laut wie das lauteste Lachen - Nigeria, Du schöne Braut, mit Dir werde ich vieles machen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
HEUTE SCHREITET NOCH EINE WEILE
Ich sehe Euch wie Ihr schnell die Sonne sucht, nach dem Morgen seht, nach der Dämmerung sehnt Gerne würde ich die Arme nach Euch strecken und rufen Halt! - denn Heute schreitet noch eine Weile im Kreise um Euch mit ausgebreiteten Schätzen herum… Doch keine Rufe sind so hell wie die Sonne, keine Arme so stark wie der Morgen. Sie reichen nur zum Auf Wiedersehen Sagen und aus der Ferne Auf Wiedersehen Winken. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER ZUSAMMEN-HANG VON OBEN UND UNTEN
Wenn Du lange in Dir suchst, in allen Ecken und Räumen in Dir drinnen, in jeder Hoffnung, in jeder Angst, inmitten Deiner jeden Erfahrung, wenn Du kraft aller Deiner Sinnen jeden Gedanke und jede Empfindung untersuchst, findest Du eines Tages nach langem Ringen In Dir den einen Zusammenhang, wo Deine Liebe zu Gott und Deine Liebe zu Menschen im Einklang miteinander schwingen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MACH SCHNELL
Was Du suchst, suche schnell, Suche gründlich - Wo Du hin willst, gehe schnell hin, breche früh auf, pünktlich - Was Du machen willst, mach sofort, stürze Dich in das Erleben ernsthaft, vollends, warte nicht damit - Du hast nicht viel Zeit, um herauszufinden, ob es falsch ist oder richtig - Sterbe nicht ohne wissender geworden zu sein, egal ob glücklich oder unglücklich - Denn lebst Du Dein Erdenleben oberflächlich, leichtfertig, musst Du wieder von Vorne anfangen damit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
AUS DER TIEFE
Ich bin aus der Tiefe aufgetaucht um auf der Oberfläche zu leben Aber jetzt fehlt mir die Tiefe wieder, das innere Weilen im ruhigen Erleben wo ich niemandem gefallen mußte außer meiner inneren Stimme eben. Die Sonnenuntergänge waren anders Die Gespräche inniger und wahrhaftiger Die Alleinsamkeiten waren nicht einsam Die Bindungen waren unabhängiger Klarheit, Sicht und Einsicht waren einerlei und flüstern jetzt: werde wieder lebendiger Denn die Oberfläche ist oberflächlicher geworden - und die Tiefe noch tiefer. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GEBÄRMUTTER ICH
Gebärmutter Ich schwanger wieder ich formend wachsend neuerlich in meinem Ich ein neues Ich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
IN MIR
Eine Nation groß wie ein Traum wohnt vergessen in mir, Wurzel ohne Baum und voller Passion. Mein Herz Dein Raum, Du Ich ohne Wir. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
VERANTWORTUNG
Weder Weiß noch Schwarz kann mich retten - Ich habe auf meiner Wanderung alle Grenzen überschritten und fand überall dieselbe Sinnlosigkeit, Einsamkeit, Sehnsucht nach Menschlichkeit und nach dem Sinn des Lebens. Nur diese Werte können mich noch retten: die Liebe und die Treue zur Schönheit, zur Menschlichkeit, zur Ordnung, zur Wahrhaftigkeit, zum Mut dazu Verantwortung zu übernehmen für eigenes Schicksal, und zur täglichen lebendigen Forschung nach dem Sinn des Lebens. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
