Bist Du mutig? Fragt mich die Innere Stimme - Bin ich. Dann höre auf mich - das ist Mut. Zeige Dich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
der Selbstwerdung
JEDES MAL ANDERS
Niemand kehrt aus einer Reise unverändert zurück Nicht Mann oder Frau, Mädchen oder Jüngling Nicht Erinnerungen an Glück oder an Unglück Nicht Gedanken, Versprechen oder ein Beweisstück Und fürwahr auch nicht der Frühling. Irgendwas an ihm ist anders dieses Jahr Er kommt nicht wie sonst wie ein Eindringling Sondern in kleinen Schüben wächst wie Haar Reifer, nachdenklicher, wissender. Fürwahr: Verändert hat sich erneut der Frühling. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
FANG EINFACH AN
Aller Anfang ist schwer,
doch jedem Anfang wohnt
ein Zauber inne – daran eher
habe ich mich gewöhnt.
Denn im Anfang war nicht nur,
im Anfang IST das Wort,
das unerschöpfliche Nabelschnur,
dem alles Lenken gehört,
aus dem alles Werden wird.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DU MICH AUCH NIE
Immer noch Du Und doch nicht mehr Ich kannte Dich so lang Ich kenne Dich nicht mehr Ich kannte Dich nie. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DEINE ERKENNTNISSE GELTEN DIR
Es hat nicht alles mit mir zu tun - Die Selbstgespräche eines anderen, Die Art, die Weise, die in ihm un-ruhn, Die Dämonen in seinem Inneren. Nicht alles, was mir gesagt wird, Hat wirklich mit mir zu tun. Sehnsucht nach mir ist umgekehrt Die Sehnsucht nach eigenem Wachstum. Irgendwo in uns allen Wohnt verlangend unser Leben lang Ein sechzehnjähriges Naturtalent Bereit zum Geben, bereit zum Empfang Was Du von mir unfertig empfängst Ist nicht der Schlüssel zu mir. Ich gab Dir, und ich gab‘s Dir längst, Den Schlüssel und die Lösung zu Dir. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
FLÜGELSCHLAG
Ich habe Dir Flügel geschenkt, nicht damit Du mich umarmst, sondern damit Du wegfliegst. Ich könnte Dich nimmer so beglücken wie Sonne, Wind und Wolken Dich umarmen, wenn Du hoch fliegst. Bist Du einmal aufgebrochen sind wir zwei gleichsam erfüllt weil Du heimfliegst. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
REGE
Wer alles schon weiß Der schreibt keine Gedichte Er schreibt Vorträge Nur Suchende schreiben Gedichte. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
NEUES WOHIN

Durchstöbere alte Denkkammer Regale leer Auf Schatzsuche tiefer tauchen Innere Einkehr In Empfindungsfluss hineinfallen Es ist als wär Ich neugeboren. Neues Wohin Aus altem Woher Weshalb ich immer dann wenn ich Mich nicht erklär Richtig liege, ist meins. Aufgetaut Ich schmerze sehr Sinken und steigen gleichzeitig Leicht wenn schwer Das Fließen übernimmt die Kontrolle Und will Meer. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SILVESTER 2022
Ich danke von Herzen Euch allen
Die Ihr mit mir Euere Wahrheit geteilt habt
Die nachdenklich stimmenden, die schmerzvollen
Die glücklich machenden. Es hat geklappt:
Das Jahr hat aus mir lang Ersehntes gemacht:
Aus Jahrhundertschlaf bin ich aufgewacht
Und gehe rüber ins Neue Ja heute Nacht.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SCHRITT FÜR SCHRITT
Der Tag hat nicht genug Stunden,
die Welt nicht genug Menschen,
die Menschenwelt nicht genug Vielfalt
um alles, was mich treibt, nach dem
ich mich sehne, alles,
das ich täglich angehen, erleben
und erreichen muss, zu umfangen.
Und dann richtet am Ende eines
jeden vollen Tages meine Hoffnung
sich auf den nächsten Tag, den nächsten
Menschen, die nächste Welt…
So treibt und lotst mich das Leben
durch die Korridore der Ewigkeit –
im steten Ringen mit dem Hier-und-Jetzt.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
