WAS UNRUHIG AUSSAH, IST RUHIG

Ich ging einen langen Pfad entlang
und alles, was bekannt aussah
war neu und unbekannt. Jeder Klang
klang anders, die Ferne lag so nah
trieb die Nähe weit weit weg
und so ähnlich gewesen ist mein Weg.

Weit weit weg, entfernt, entrückt
kommt dir meine Nähe vor…
Wärest Du – entfernte ich mich – beglückt?
Zögest du meiner Nähe meine Ferne vor?
Du weinest, warum? Weiter zieht sich
der begonnene Weg. Man schaut, sieht sich
erkennt sich nicht. Neulich war eben
die Sonne der Wind, kalt und unruhig –
Unruhig, diese Flamme, ein unermüdendes Streben

Was unruhig aussah, ist ruhig.

– Che Chidi Chukwumerije.

GANZ MENSCH

Ja, ich weiß es gut,
Ich bin immer sonderbar und fremd…
Unter meinem Volk
Und unter fremdartigen Menschen auch…
Denn ich bin wieder nur ich, wie immer –

Der Abend dauert und dauert und bleibt,
Der Wanderer wandert weiter fort –
Hier oder dort, vieles ist mir egal…
Fremder bin ich nie, hier in meinem Geist.

– Che Chidi Chukwumerije

RÜCKSCHLAG

Nur eines habe ich gelernt
Du musst auf den Schlag verzichten
Denn die Kettenreaktion
Der entzieht sich niemand, auch du nicht

Die Erinnerung verfolgt mich
Jahr und Jahrzehnt um Jahr und Jahrzehnt
So früh am Lebensmorgen, kaum siebzehn
Doch verzichtete ich nicht auf den Schlag, den Rückschlag

Die Kettenreaktion, ihr entzieht sich niemand
Sie entfaltet sich in allen Richtungen
Wechselwirkung fragt nicht nach Gerechtigkeit
Alle Betroffenen sind beteiligt – auch Generationen später.

Bevor ich verschwinde, singe, gelinde, ich
Verzichte auf den Tiefschlag
Der Rückschlag wird wie eine lange Hand sein
Die alles umfasst. Lehrer. Richter. Unerbittlich –

Nur eines habe ich gelernt
Der wahre Sieg, der ist subtil; unfassbar.

– Che Chidi Chukwumerije.

LIEBE

Warum bin ich von der Liebe
stets heimgesucht?
Sie schlägt mich mitten im Unerwarteten,
erweckt die tiefste Sehnsucht.

Sie zerreißt mich, durchwühlt mich,
stellt mich unter ihre Macht –
Sie überrascht mich, schwächt mich, bricht mich…
gibt nie Acht

auf meine Ängste, Hoffnungen, Vorurteile,
treibt mich gnadenlos zu meinem Heile.

Du brennst, Herz,
als würdest Du gleich verbrennen
und möchtest an einem Tag
gleich alle Ewigkeit erkennen.

– Che Chidi Chukwumerije

SCHWERWIEGEND

Irgendwann
Muß Mann zum Mann
Werden
Ohne Beschwerden
Das wagen
Was ihm im Magen
Liegt
Und schwer wiegt

Farbe bekennen
Ist leicht
Und macht schwer
Geist erkennen
Wiegt schwer
Und macht leicht
Masken durchblicken lassen
Denn Masken sind Rassen

Löwe, du bist auch
Liebe. Aus deinem Bauch
Brülle nicht nur
Du bist nicht nur Tier.
Innerem zustimme
Zeige das Intime
Was nutzt, ungelesen,
Dein wahres Wesen?

– Che Chidi Chukwumerije.

RÜCKKEHR ZU MIR


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Ich bin zu lang zu viele
Nebenwege gebückt gegangen
Zufrieden in der Annahme
Geliebte Menschen glücklich gemacht
zu haben –
Aber nie mehr. Heute
Kommt diese düstere Wanderzeit
zu Ende.
Sei es Wand oder Mauer
Sei es Wald, Wüste oder Meer
Oder Berg, Feuer oder Trauer
Ist es mein Weg
Werde ich ihn gehen.

– Che Chidi Chukwumerije.

TROTZ DEM

Raus rücken mit der Sprache
Ein Wort genügt; das Wort vergnügt
Genügt, um dich zu entlasten
Vergnügt jedoch auch dein Entlassen

Bitte. Nein, betteln wirst du nicht
Sie sollen selbst beunfriedigend entscheiden:
Du, lebend, leidend, stolz
Oder du, tot, beleidigend, stolz.

– Che Chidi Chukwumerije.

ERFÜLLUNG

Frieden in Brust
Frei von Frust
Wenn das, was Du mußt
Das ist, was Du tust.

– Che Chidi Chukwumerije

MUT UND FREUDE

Da bist du
In den Kilometern verborgen
Machst dir Sorgen
Über Morgen

Da sind wir
In den Jahren verloren
Ungeboren
Erfroren

Da bin ich
In den Träumen gefangen
Voller Verlangen
Und Bangen

Wo ist geblieben
Unser Sinn für Gegenwart?
Uns war doch einst egal
Welche Todesart
Beim mutigen Gehen unseren Weges
Auf uns harrt.

– Che Chidi Chukwumerije.

KÄMPFEN

Nicht, wer kann mir helfen?
Sondern wie kann ich mir selbst helfen?
Das ist die Frage, die einzige Frage
Weiter bringt dich keine Klage.

Wie viel Geld brauchst du
Um aus der Unterschicht heraus zu klettern?
Genau so viel, um es gut zu
Haben in der Unterschicht Brettern.
Wenn nur diese Gedanken nicht da wären
Stolz und Schmerz lassen sich nicht erklären.

Überleben ist eine Funktion der Wahrnehmung
Das Gleiche, Hoffnung. Das Gleiche, Lähmung.
Das Gleiche, kämpfen ohne aufzugeben
Und mit allem klar kommen in deinem Leben.

– Che Chidi Chukwumerije.