DES GEISTES ELIXIER

Schönheit.
Wenn ich satt bin und doch nicht satt,
Wenn ich voll bin und mich leer fühle,
Wenn trotz Befriedigung meiner Gefühle
Meine Empfindung Unzufriedenheit hat,
Dann weiß ich, daß ich tief in mir
nach Nahrung, nach des Geistes Elixier
mich sehne, dürste, hungere, verlange,
wo ich Licht empfange und mich fange:
Schönheit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

UNSTERBLICHKEIT

Die Welt passt problemlos
in jedes Herz rein
Ist aber selbst viel zu klein
für das Herz. Groß

Ist die Sehnsucht nach Ewigkeit.
Diese sterbliche Welt allein
birgt unmöglich so viel Lebendigkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EINE TIEFERE SCHÖNHEIT

Irgendwas kommt von Oben.
Wir spüren es und können es
Nicht einordnen hier im Groben.
Wir empfangen es, nennen es
Viele Namen. Ich empfinde es
Als die Anziehung der Schönheit.
Ich bereise die Welt und finde es
In der Sehnsucht der Menschheit
Überall zum Ausdruck gebracht,
Mal mehr, mal weniger gelungen,
Als hätte Gott einmal liebevoll gelacht
Und die Kulturen haben nachgesungen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VON BÄUMEN LERNEN

Der Baum stand da
Als wäre er nicht da
Und war für alle da

Der Mensch stand da
Als wäre er wirklich da
Und war für niemand da

Nur für sich selbst.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SEIN WORT IST WICHTIGER ALS SEIN BLUT

Alle denken an das Blut.
Aber wer denkt an das Wort?
Die wahre Erlösung beruht
nicht aufs Blut, sondern den Mut
zu leben nach dem Christuswort.

Wiederauferstehen durchs Wort,
gelebt, ist der Erlösung Attribut.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

OSTERGLOCKEN

Osterglocken Ende März;
Geist - Seele - Herz -
Freude blüht aus Schmerz.
Empfindung zieht aufwärts.

Osterglocken bald April;
Schwill an, Herz, schwill
an, leuchtend hell und still.
Was der Schöpfer will.

Der Park kühl und trocken;
Vögel, die laut frohlocken.
Im Herz und im Gras hocken
Neue Träume und Osterglocken.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

Park in Vaihingen, bei Stuttgart

ANDERS

Ich sehe die Welt anders.
Ich sehe, daß wir mehrmals leben,
dabei Wechselwirkungen erleben,
als möchte uns das Leben vergeben,
gäben wir uns nun anders.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

FREMDE KULTUREN

Diese merkwürdigen Momente,
in denen eine fremde Kultur zu Dir spricht
und in Dir jemand sich angesprochen weiß,
der ein Teil Deines Innersten ist
aber meistens in mitten Deines Innigsten schweigt,
als wärest Du zwei Menschen ein Gesicht -
ein Einheimischer und ein Fremder -
gleichzeitig, und Du wusstest es bisher nicht.

Ihre Augen wecken unzählige Erinnerungen,
an die Du Dich nicht mehr erinnern kannst,
diese fremden Menschen, die Dir vertraut sind,
als hättet Ihr schon Lebzeiten zusammen getanzt,
ja, schon ganze Leben gemeinsam gelebt,
erlebt, gelernt, geliebt, Samen gepflanzt,
die Inkarnation nach Inkarnation nach Inkarnation
Früchte tragen, aus denen Du Toleranz tankst.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ECHO DER UNSTERBLICHKEIT

Wenn ich wie das Herz wäre,
würde ich 100.000 Mal pro Tag
meine Liebe, die grobe und die hehre,
hinaus senden, einen Heiratsantrag,
an das Leben, dessen endlose Fragen
uns umgeben, dessen Geheimnisse
in uns hervor ragen als Gewissensbisse,
als Empfindungsschübe, die uns plagen,
wenn wir uns seinem Drängen widersetzen.
Das Leben, dessen magische Kräfte
als Freude und Zuversicht uns besetzen.
Du bist‘s, dem ich mich anhefte,
herzklopfend 100.000 Mal am Tag,
sterbliches Echo der Unsterblichkeit.
Und was meine ich mit jedem Herzschlag?
Immer wieder nur: Dankbarkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EIN BISSCHEN VON UNS

Ich atme die Welt ein
aber auch wieder aus,
Rausgehen ist mein
Weg wieder nach Haus.

Ein bisschen von Dir
ist genau das, was
ein bisschen von mir
brauchte doch vergaß.

Waren wir einst eins
im fernen Paradiese
unbewussten Daseins?
Die Absicht ist diese:

Heraus in die Welt!
Hinein in einander!
Zurück kehren erhellt
an und durch einander!

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung