EIN HAUCH VON HIMMEL

Sie war die eine Frau
Sein ganzes Leben lang
Die ihn nie begehrte

Sie war die eine Frau
Die durch ihre Haltung
Ihn Treue und Reinheit lehrte

Unter all den Menschen
Und all den Begegnungen
Die ihm das Leben je bescherte

War sie derjenige Mensch
Den er am tiefsten liebte
Und am ehrlichsten verehrte.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MEIN ZUHAUSE

Ich stehe häufig unter einem Baume
In einem inneren Bilde
Vor meinem dritten Auge
Vor einer kleinen niedlichen Holzbrücke
Die über einem Bach gebogen liegt

Auf der anderen Seite des Bachs
Steht ein schönes Haus
Ich sehe es nicht, ich spüre es nur.
Da wohne ich –

Der Bach ist die Dichtung
Die Brücke ist meine Sehnsucht
Der Baum ist der Tag, der Augenblick

Und wenn ich die Brücke überquert habe
Und wenn ich das Gedicht geschrieben habe

Gehe ich nach Haus.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

HÖREN

Mein Kopfhörer
Ein Störer
Wo ist mein Herzhörer?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

VOR DEM ABENDGEBET

Bevor mein Tag zu Ende geht
Möge er endlich beginnen
Dem Leben gibt es kein Entrinnen
Gegen den Tod allein ist zu gewinnen
Des Wesentlichen, der Liebe, besinnen
Der Zuversicht, der Freude im Innen
Sollst Du Dich, mein Ich, mein Morgengebet.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

UND NOCH EINMAL

Wenn Du weiter leben willst
Musst Du noch einmal atmen.

Es reicht nicht
Nur einmal zu atmen
Es reicht nicht
Nur einmal zu lieben
Es reicht nicht
Nur einmal zu sterben
Es reicht nicht
Nur einmal zu reinkarnieren

Wenn Du weiter leben willst
Musst Du noch einmal atmen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DIE NACHBEWUNDERUNG

Ich wachte früh auf
Es war noch nicht die dritte Uhr
Und ich wartete auf den Moment
des Anbruchs der Morgendämmerung
um ihn heute zu fangen…

Ich blieb lange wach – und war wach
und beobachtete aufmerksam
mit Augen und Ohren und Nase
mit Haut und allem, was dahinter wohnt
– und bemerkte ihn nicht anfangen…

Nach einer Weile fiel mir auf
daß es schon seit einer Weile heller geworden war
und daß ich schon seit einer Weile
das leise Zwitschern ferner Vögel
unbewußt hab empfangen…

Der Tag, wie der erste Tag, kam zuerst
und erst danach mein Bewusstsein von ihm
Wie das Wunder vor seiner Bewunderung
kam zuerst das ewig sich wiederholende Ist
und ich bin ewig in dem Danach gefangen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

INNENWELTEN

Eine Blume ohne Garten
Kann nur im Herzen als Spiegelbild blühen
Mancher Arten Gleicharten
Suchen vergebens, die auf Erden wühlen
Etwas in Dir wider Erwarten
Ist Deiner Nation und Deiner Rasse und Deinen Schulen
Und Deiner Religion und Allem fremd.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SCHÖPFEN

Durch Dich dämmert es mir
Was das ist – Weiblichkeit.
Ich schöpfe und schöpfe aus Dir
Wie aus einer Quelle zur Unendlichkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

BITTE WENDEN

Das alte macht dem neuen Platz
Und wird selbst zum ewigen Schatz
Im Gedächtnis genannten Grab

Der Schmerz, den ich gestern vergab
Ist der Frieden, den ich heute hab –
Schreib auf meinem Grab nur diesen Satz.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MIT DIR EWIG LEBEN

Warum kann das Leben nicht ewig sein?
Das Leben muss ewig sein.
Das Leben ist ewig.
Wenn nicht auf Erden
Denn irgendwo sonst
Und dort will ich Dich treffen
Nach dem wir hier auf Erden fertig sind
Und anderweitig weiter suchen dürfen
Denn ich will mit Dir ewig leben, Ayabona.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung