NACHTHELL

Nachts wird es hell
Empfindungen schnell
Gedanken originell
Essenziell, spirituell.

Das Lachen wird leichter
Entfesselter, kinderleichter
Zärtlicher, durchgeweichter
Streichelnder, federleichter.

Die Hoffnung lebt auf
Nimmt Alles in Kauf
Neuer Traum nimmt Anlauf
Und ich bin gut drauf.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

EINBLICK

Jeder Blick
ist Einblick
ins Seelenleben
und Geistesgeschick

Im Augenblick
wütet Sturm und Beben
Im Innenleben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WEITER!

Wir sind Geist
Wir gehen immer weiter
Wir schütteln Altes ab
Wir gehen immer weiter
Ob jung oder ergreist
Egal, wir gehen weiter
Ob vor oder nach dem Grab
Einfach weiter, ständig weiter!

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

KRÄHE

Mitten im Stimmendschungel der Stadt
kräht eine Krähe im Vorbeifliegen -
Habe nur ich sie gehört? Anstatt
aufzuhorchen, redeten sie weiter. Glatt.
Ein Teil von mir ist auch im Lärm geblieben
Aber ein Teil von mir ist leise ausgestiegen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

AUF DER SUCHE NACH GLEICHART

Auf der Suche nach Gleichart
finden wir welche, die sind gleich zart
oder gleich weich oder gleich hart -
aber worin besteht wahre Gleichart?

Ist Gleichart ein Ausdruck von Kultur?
Trägt Haut die Farbe gleichartiger Natur?
Oder ist es tiefer? Kunst? Musik? Literatur?
Wo findet Geist sie nur? Gleichart pur.

Da ist es! Das magische Wort: Geist!
Was Du wirklich bist und nicht nur heißt.
Das spüren wir in der Empfindung meist -
Was Du empfindest, ist, was Du weißt.

Wirklich weiß. Das spürt jeder für sich allein.
Gleichart kann nur individuell empfunden sein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ZEITGARTEN

Hier bin ICH
räumlich
und zeitlich
Hier Bin ICH
so still wie die Zeit

Hier verliere ich mich
Hier finde ich mich
Hier pflanze ich mich
Hier pflege ich mich
Hier ernte ich mich

Wann ist Dein Zeitgarten?
Ein heimlicher Moment der Einkehr
beim Gehen, beim Warten,
beim Reden sogar, als wenn nichts wär…
Wo ist Dein Zeitgarten?

Hier wirst Du heilen.
Eine Sekunde fühlt sich so an
wie ein ewiges Verweilen.
Eine Kraft tanken, egal wo und wann,
so still wie die Zeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

*Den Begriff und das Wort “Zeitgarten” habe ich von Monika Guillery. Monika, Arno Börtzler und ich leiten zusammen den Frankfurter „Bahnhofsviertel-Literaturclub“.

DIE LANGE REISE ZUM ANFANG

Es ist eine lange Reise
Die innere Stimme ist leise
Aber ihr Widerhall ist laut

Er kommt mit den Jahren
in Lehren, die wir erfahren
und geht uns unter die Haut

Die Haut wird alt, ergraut
Die leise Stimme wird laut
Vom Leben bestätigt mit der Zeit

Und am Ende der Reise
ruhig geworden und weise
bist Du endlich für den Anfang bereit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

EIN NEUER BUND

Ein neuer Bund
Basiert nicht auf Blut oder Boden
Sondern auf geistigem Grund -
Nur das allein führt nach Oben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

NACH DEM STURM

Immer
Nach dem der Sturm gewütet hat
Immer
Nach dem der Sturm sich gelegt hat
Immer
Ist es darnach so
Als wäre überhaupt nichts passiert
Immer
Ist es darnach so
seltsam still… sterilisiert… saniert.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WIEDERHOLUNGEN

Um vieles zu verstehen
muss man verstehen
daß Menschen gehen
und kommen und gehen.

Wenn wir uns sehen
ist es ein Wiedersehen
Die Runden, die wir drehen,
sollen wir lösend umdrehen.

Wir wiederholen alte Ehen
und Kriege wo wir stehen
Neue Stimmen flehen
wo alte Winde noch wehen.

Die Zeit heilt keine Wunden
Das machen nur Menschen -
Rückkehr in den jetzigen Stunden
sich zu lieben oder zu bekämpfen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung