DER LANGSAME WEG

Der langsame Weg
Der prägt am tiefsten
Seine Berührungen sind schräg
Seine Blicke am Schiefsten

Er zieht Dich runter
Zum untersten Punkt tief in Dir
Und schlägt Dich munter
Und scheuert Dich bunter
Und führt Dich nach Hause zu Dir.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

NACHTSINNEN

Ein Raum so groß wie keine Fantasie
Grün wie die Erinnerung an Urwälder
Dadrin wohnst, allein, Du selber
Winzig wie ein Planet in einer Galaxie

Wo bist Du? Ist das Deine Hoffnung?
Ist das Deine Sehnsucht? Deine Angst?
Ist das Deine Kindheit? Deine Ignoranz?
Ist das das Wesen Deiner Entwaffnung?

Und da liegst Du jede Nacht sinnend
Spürend, fühlend, empfindend, nachdenkend
Dich vor der großen Leere in Dir erschreckend -
Jede Nacht mit dem Erwecken neu beginnend.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SCHATZ DER LIEBE

Das Ende sucht den Anfang,
sonst kommt er nicht zum Einsatz -
Der Anfang sucht das Ende,
sonst bleibt er zeitlich fehl am Platz.

Ich bin Dein Anfang und Dein Ende,
Du bist mein Ende und mein Anfang.
Gesucht, gefunden, der Liebe Schatz.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SEELEN REDEN

Hinein hören
in die Seelen der anderen
ist hinein hören
in die Chöre der eigenen Seele

Ist schweigen
und auf Sich wirken lassen
Ist im Schweigen
Liebe und Haß erfassen mit der Seele.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

GRUSS MIR DEN HIMMEL

Gruß mir den Himmel
Es ist lange her
Und lang wird es noch dauern
Bis zu meiner Rückkehr

Siehst Du den Wald da
unten im Tal?
Jeder Baum ist ein Erdenleben
das ich lebte mal

Einen nach dem anderen
muss ich sie alle ernten
Die Menschen, die das Böse
in mir einst kennenlernten

Gruß mir den Himmel
Ursprung meiner Sehnflucht;
Gruß mir den Himmel
Heimat meiner Sehnsucht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

GEISTIGE GESCHWISTER

Geschwister haben ist schön
aber wichtiger ist die geistige Gleichart.
Die inneren Tiefen und Höhen
sind ähnlich, ähnlich hart, ähnlich zart.

Egal wie nationalistisch,
egal wie rassistisch die ganze Welt wird,
egal wie egoistisch zynisch
oder ideologisch starr, bleibe Du unbeirrt:

Suche Deine Gleichart im Geistigen,
denn im Geistigen liegt die wahre Herkunft.
Hör auf, Mitmenschen zu beleidigen -
Werde und bleibe der Mensch der Zukunft.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

VERTRAUEN ZU GOTT

Vertrauen zu Gott -
Dem Verstandesmenschen unverständlich -
Dem Empfindungsmenschen selbstverständlich:
Ihm egal Euer Spott

Warum etwas erklären versuchen
denen, die es verlachen oder verfluchen,
die nie darnach feinempfindend suchen?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SCHUTZENGEL

Wenn Du ahnungslos, freundschaftlich,
mitten unter Feinden gehst,
naiv und ungeschützt da stehst…
denn für Dich ist es selbstverständlich:
Hier sind sie alle Mensch und menschlich…

Welche Engel beschützten uns ungesehen?
Wir merken das Wunder nicht;
trotz Dunkel scheinet das Licht.
Der Verstand kann es nicht verstehen,
Du überlebst und Dir ist nichts geschehen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

KAMPFGEIST

Der Verstand schaut jedes Mal überrascht aus,
daß ich noch da bin, noch existiere und walte.
Den Geist schaltet man aber nicht so leicht aus,
Er ist menschlich der ursprüngliche, der Uralte.

Suche mich in Schönheit, in Gerechtigkeit,
In Ehrlichkeit und in Wahrhaftigkeit;
Suche mich in Güte, in Menschlichkeit.
Suche mich in Reinheit und in Kindlichkeit.
Suche mich aber stets in Demut.

Suche mich in allen Werten, in jeder Tugend,
In jedem Alter, im Greise, suche in der Jugend -
In jedem Geschlecht, im Privat- und Arbeitsleben,
Du, Verstand, bist von meinem Willen umgeben.
Suche mich in Verwundbarkeit und im Mut,
Suche mich jenseits von Wut,
Suche mich im höchsten Mut, in der Demut.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

EIN ANDERES LEBEN

Es gibt ein anderes Leben,
anders als dieses Erdenleben.
Manchmal nach dem Lebensende
manch unserer guten Freunde,
spüren wir, wie deren Geist
in eine andere Welt hinein reist;
und wir spüren mit, zart und schroff,
das Leben in diesem feineren Stoff.
Heller, leichter, lebendiger,
schneller, unmittelbarer, lebhafter -
werdend zunehmend immer beweglicher.
Es gibt uns die Gewissheit der Richtigkeit
des Empfindungslebens auch zur Erdenzeit;
Aufmunterung, nach dem Licht zu streben,
Freude versprechend, Zuversicht gebend,
wie ein Fenster in ein anderes Leben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung