Ich höre ihn nicht obwohl er spricht Ich höre nur den Wind Ich sehe sie nicht sehe nur ihr Gesicht Und ich bin nicht blind Wir lachen zusammen bis tief in den Abend weil wir Freunde gewesen sind Doch keiner sieht die anderen und keiner hört die anderen mehr. Nur Gesichter und Wind Verschlafen in jedem ist das innere Kind. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
der Veränderung
BETREUEN UND BEFREIEN
Papa, über was schreibst Du heute ein Gedicht? Ich weiß nicht. Über was soll ich heute schreiben? Über mich. Über Dich? OK. Nein! Spaß! Bitte nicht! Zu spät. Der Gedanke ist gekommen und muss nun bleiben. Und muss nun wachsen, betreut von meiner Liebe, und mich verändern, während ich ihn auch verändere; dann, vollendet, mich zu verlassen, um im Weltgetriebe eigenständig zu wirken für eine neue Welt, eine bessere. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MACHEN, UM ZU LASSEN
Du musst da ankommen um da vorbeizukommen. Wag es also und mach es. Selbst ein schwaches Versuchen, echt zu sein bringt Dich weiter, mein Herz, kein Schritt ist zu klein. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE SONNE GEHT WIEDER AUF
Die Sonne geht wieder auf Deine Erdscholle freute sich darauf Die Dinge nehmen ihren gewöhnten Lauf Beispiele dafür gibt es Zuhauf Menschen lachen und sind gut drauf Sie lieben, streiten, erledigen den Einkauf Stoßen an, rufen, „Du säufst! Ich sauf!“ Geschäfte erleben den üblichen Zulauf Es riecht irgendwo nach Kartoffelauflauf Hunde und Kinder fliegen runter und rauf… Einen Tag nach dem einschneidend, glatt, Deine Welt sich verändert hat. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
BEFREIT
Ich gehe immer weiter Hoff nicht auf meine Rückkehr Die rückt nicht näher Die kommt, ich komme, nie mehr Ich bin ein Befreiter Eure Fesseln haben mich innerlich befreit Eure Angriffe machten mich vor neuen gefeit Eure Wegelagerer geben mir sichres Geleit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SELBSTRAUM
Menschen wie Luft Einatmen, ausatmen Verbrannt, verpufft Schreie und Hymnen Zahllos wie die Sterne im All Wie die Sterne nah doch fern und überall Wie die Sterne erst der Urknall Danach entfernen sie sich voneinander kontinuierlich… Welt-, nein, Selbstraum. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GEDULDIG MIT ERLEBEN
Zu einem Menschen ohne Geduld kannst Du nicht sagen Hab Geduld Zu einem Menschen mit Angst oder Wut kannst Du nicht sagen Hab keine Angst oder hab keine Wut Was Du hast, hast Du Was Du nicht hast, hast Du nicht Nur durch Erleben lernst und wächst Du, Durch Worte allein nicht. Lass die Ungeduldigen ihre Ungeduld erleben Lass die Ängstlichen ihre Angst erleben Lass die Wütenden ihre Wut erleben - Ohne Sichselbstsein kein wahres Erleben Erleben und die Rückwirkung wieder erleben Eine Schule ist das Erdenleben Ohne Erleben kein Werden, kein Leben. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
BINDUNG
Blut verbindet, bindet aber nicht - Die Band verschwindet, der Bund bleibt als Pflicht. Wahre Bindung befindet sich in geistiger Gleichart die ähnlich empfindet, ähnlich hart, ähnlich zart. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ÄNDERUNG UND VERÄNDERUNG
Such nie den alten Freund im neuen - Menschen verändern sich von Tag zu Tag, auch Dein Freund, selbst von Moment zu Moment unmerklich wie das Wetter, ziehen gleich den Gezeiten von Mond zu Mond nach einem Herzbeben und wandeln im Geist der Jahreszeiten. Ein Jahr ist eine lange Zeit im Leben eines Menschen. Erwarte nie den selben Menschen heute wie den, der gestern ging - Suche nie den alten Freund in dem alten neu erschienenen halb Freund halb Fremdling - Ihr beide habt Euch verändert. Aber, hat das die Freundschaft geändert? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
NUR DIE GEGEWART
Es gibt nichts wie 2024 Es gab nichts wie 1924 Es wird nichts geben wie 3024 Es gibt immer nur die Gegenwart, den Augenblick des ewigen Geschehens Ich wart und ich wart und ich wart auf die Wiederholung des Erstehens unserer Magie Eine Zukunft, die schon gestern war. Erwartung und Nostalgie sind Illusionen, nur handeln ist wahr. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
