Nicht meine Welt Deine Warum blieb ich so lang? Mit Dir fühle ich mich alleine gelassen stets am Anfang einer nie beginnenden Reise voller lauter Versprechen die verhallen, unerfüllt, leise und auseinander brechen. Aus der gebrochenen Schale entsteht ein älteres Versprechen in Menschenform ohne Wundmale die von Widersprüchen sprechen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
der Veränderung
SAHARA
Die Wüste grüßte uns
bereits kurz hinter der Küste
nackt und schutzlos ausgebreitet
und doch keinen Schutz benötigend.
Einst blühte sie, ein Garten fruchtbarer Gelüste
und schien endlos zu sein,
zeitlos zu gedeihen –
ach!, wenn sie nur wüsste!
Jede Blume, einst, muß welken.
Da liegt sie jetzt, steinig, sandig, staubig,
die Gedanken des Nachdenkers spiegelnd,
der Lauf der Zeit, Grab der Geheimnisse,
Anfang und Ende, eine Wüste.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
AUS DER TIEFE
Ich bin aus der Tiefe aufgetaucht um auf der Oberfläche zu leben Aber jetzt fehlt mir die Tiefe wieder, das innere Weilen im ruhigen Erleben wo ich niemandem gefallen mußte außer meiner inneren Stimme eben. Die Sonnenuntergänge waren anders Die Gespräche inniger und wahrhaftiger Die Alleinsamkeiten waren nicht einsam Die Bindungen waren unabhängiger Klarheit, Sicht und Einsicht waren einerlei und flüstern jetzt: werde wieder lebendiger Denn die Oberfläche ist oberflächlicher geworden - und die Tiefe noch tiefer. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GEBÄRMUTTER ICH
Gebärmutter Ich schwanger wieder ich formend wachsend neuerlich in meinem Ich ein neues Ich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
UNNÖTIGE BRÜCKEN
Weil jeder Gedanke zurück kehrt, schick nur Deine besten von Dir fort. Weil Dein Wort Dich ehrt oder entehrt, spürst Du in Deiner Empfindung sofort, wenn Du es falsch verwenden hast oder wenn es das Beste in Dir erfasst. Ich sage nichts mehr, was ich nicht unbedingt sagen muss. Wüsste ich dies nur eher, bliebe manch eine Begegnung beim Gruß gefolgt von einem klaren Abschied und, ungestört, meinem inneren Fried. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SÄEN UND WARTEN
Guten Morgen feuchter, benebelter, Traum betrunkener Tag - Alle Samen, die ich, Beseelter, heute zu säen mag, werden ungestört tief in die lautlose Erde des weichen Herzens dringen, unmerklich, um dort zu warten, bis Licht es werde morgen und Früchte bringen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DEMUT UND BESCHEIDENHEIT
Es gibt Momente, in denen wir uns besser dünken als wir sind, vielleicht weil wir es auch tatsächlich sind, aber dann befinden wir uns unter jenen, deren Zeit es ist zu führen, egal ob sie richtig, falsch oder ver-führen; wir sind gefangen in ihren Plänen, denn wir müssen alles erleben - Führung und Unterdrückung durchleben - und reifen durch unsere Tränen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
VERSCHWUNDEN

Schmetterling
Wo bist Du?
Ich sehe Dich nicht mehr.
Entweder bist Du verschwunden
Oder ich bin es, der nicht mehr
Hier bin. Schmetterling,
Wo sind wir?
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SUCHEN
Wie Perlen wie Steine in einer Gebetsketteä gleiten unsere Tage, unsere Jahre, eins nach dem anderen, durch unsere Finger, durch unsere Hände dahin, ein nimmerendendes Flehen, Bitten, nach dem Sinn unseres Lebens, das seinen Kreislauf fast wie von selbst seinem Ende entgegen vollzieht… während wir, Suchende, älter werden. Was haben wir bisher gefunden? An den Folgen unserer Entscheidungen gebunden, was haben wir gefunden? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EIN LEERLAUF IST DER TIEFSTE LAUF
Leer heute Leerlauf Reinigung Tief drauf Weder gut noch schlecht Einfach nur tief drauf. Wann genau der Winter dem Frühling wich, kann keiner sagen… Aber etwas Neues längst angefangen zeigt sich in diesen Tagen. Neue Einsamkeit Neue Persönlichkeit Neue Fragen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
