DER ZWANG ZUR ANPASSUNG

Ich kenne die Antwort nicht
Wie liest man eines Fremden Gesicht?
Wann wird Migration zur Integration?
Wann wird Integration zu Assimilation?
Wann wird Assimilation zur Selbstverneinung?
Wann wird Selbstverneinung zur Selbstverbiegung?
Wann wird Selbstverbiegung zum Selbsthass?
Wann wird Selbsthass zum Fremdenhass?
Wann wird Fremdenhass zum Selbstmord?
Wann wird Selbstmord zum geistigen Tod?
Wann wird geistiger Tod zur Lebensnorm?
Wann wird Lebensnorm zur Ausdrucksform?
Sichtbar auf der Gesellschaft Gesicht -
Aber wie liest man eines Menschen Gesicht?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

GENESUNG

Ich hörte Stimmen heute
Lang vergessen gewähnte Stimmen
Und sie waren die Stimmen meiner Stärken.
Obwohl sie leise waren, tief in mir Drinnen,
starrten die mich alle an, die Leute,
als würden sie etwas in meinen Augen merken.

Sie erkennen in den Gesehenen
den Wiedergenesenen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

AUF UND RUNTER

Wir landen und starten
immer und immer wieder
Während wir auf Ankunft warten
lassen wir uns nirgends nieder
Die Tage sind Bordkarten
Täglich geht die Entwicklung weiter
Für manche ein Höhenflug
Für andere ein Tiefflug
Hinauf und hinunter die Himmelsleiter.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

NACH DEM DER LÄRM DER STILLE GEWICHEN IST…

Nach dem der Lärm der Stille gewichen ist,
Und die Zeit zum Suchen verstrichen ist,
Und die Seele endlich ausgeglichen ist,
Spüre ich Dankbarkeit in mir für den Schmerz,
Für die Reise, für mein wachgerütteltes Herz,
Denn es zieht mich nun innig Heimwärts -
Dorthin, wo mehr Nähe zum Göttlichen ist.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

FÜR DEIN NEUES LEBEN

Wollen wir sollen?
Sollen wir wollen?
Die Steine sind am Rollen.

Alles hat seinen Preis.
Frieden ist der Beweis -
was der Verlierer immer weiß.

Etwas musst Du aufgeben -
und kannst‘s nie wieder aufheben -
für Dein neues Leben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MOMENTE NEUER ERKENNTNISSE

Der Moment, in dem ein Gedanke,
der über Dir jahre- und jahrzehntelang
gewartet hat, wie vor einer Schranke,
endlich in Dich wie ein Samen eindrang,
weil Du nun reif genug geworden bist
und Dich ihm geöffnet hast, bereit.
Dieser Moment, ein kurzer Augen-Blick, ist
der Grund für Deine Erdenzeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DER HANG

Wenn der Hang stirbt
stirbt die Verbindung zu vielen Menschen
und entsteht eine Verbindung zu anderen
die Echtes in sich birgt.

Du kennst Dich nicht
Bis Du in Dir den Hang überwunden hast
Du weißt nicht, was wirklich zu Dir passt
Bis Dein Hang zerbricht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DIE ZEIT IST JETZT

Ein Jahr kann vorübergehen
Und Du könntest schwören, es war nur ein Tag
Weil Zeitreisen stets in der Wahrnehmung lag
Egal wie die Gestirnen drehen

Die Vergangenheit kommt oft erst in der Zukunft
Die Zukunft kam und ging gestern bereits
Die Gegenwart breitet sich aus allerseits
Willkommen. Du bist schon am Ziel. Ankunft.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

JA ZU NEIN

Irgendwann findest Du die Kraft
um Nein zu sagen, dauerhaft.
Nicht das wankelmütige Nein,
strauchelnd von Jein zu Jein;
nicht das unsichere Nein,
unfähig allein stehend zu sein;
nicht das gezwungene Nein,
ruhend auf fremdem Standbein;
sondern das überzeugte Nein,
das klar durchblickende Nein,
das eine Bejahung dessen ist,
was Du jetzt weißt, das Du bist.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

BITTE NICHT WENDEN

So wie von Blatt zu Blatt
ein Buch sich wenden kann,
so erwarte nie im Laufe der Zeit
dieselbe Frau, denselben Mann,
den Du in der Vergangenheit kanntest
doch Dir unbekannt nie wirklich erkanntest,
triffst Du ihn oder sie wieder irgendwann.

Der Mensch ist ein Blatt,
das diese Merkmale hat:
- 1. Er hat zwei Seiten
und 2. er wird sich wenden,
zu Zeiten, wie die Gezeiten.
Er ist ein Spielball zwischen zwei Händen,
sich selbst gegenüber: Treue und Verrat.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung