BEDARF

Mein Bedarf deckt sich mit Deinem Bedarf
wie zwei Hände zum Händeschütteln
sich gegenseitig drücken, fest, heftig, scharf
wie zwei Lächeln sich gegenseitig aufrütteln
aus der Umarmung drückender Einsamkeit
sich gegenseitig aufmunternd zur Heiterkeit
denn lieben und geliebt werden ist ein Bedarf.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

GEDÄCHTNISREGEN

Wenn es regnet
und die Straße langsam wird
und Baum Baum begegnet
so wie ich Dich gerne würd
… dann hebe ich die Straße auf
und laufe mein Gedächtnis hinauf
mit Schmerzensgeschwindigkeit
denn Du gerätst nie in Vergessenheit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DIE ANDERE HÄLFTE DER KOMMUNIKATION

Eloquent streiten
mit allen unseren Seiten
ordentlich fighten
denn wir wollen uns gegenseitig
besser kennenlernen, nicht einseitig.

Höflichkeit ist die Hälfte der Harmonie
die Trägerin von Masken, der Ausdruck
von Desinteresse, das Herz als Galerie -
Wie wäre es mit echtem Druck?
Und dem Allerschönsten: Gegendruck.

Denn wir wollen uns gegenseitig
besser kennenlernen, nicht einseitig.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

AUF IMMERWIEDERSEHEN

Auf immer wieder sehen
Sonne und Morgendämmerung
kommen und gehen -
Dies ist ihre Begrüßung

Ich weiß nicht, wo Du bist,
wenn Du weg bist
Du weißt nicht, wo ich bin,
wenn ich weg bin

Nur eines wissen wir
jedes Mal, wenn wir gehen…
wir werden uns wieder
immer wieder immer wiedersehen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WASSERFLASCHE

Ich vergesse Dich nicht
Die Jahre machen Dich jünger, nicht älter
Deine ewige Jugend hält mich jung
während die Welt rauer wird und kälter

Ich trage Dich mit mir herum
wie eine Wasserflasche in der Wüste
Und wenn das letzte Tröpfchen getrunken ist
erreiche ich auch die Küste.

Lang ist die Reise und kurz
Selbst ohne Sturz oder Absturz
Rudere, rudere, rudere mein Boot
Die Hoffnung ist mein Brot.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WEITER REISEN

Wofür war die ganze Zeit?
Umsonst?
Ich gab Euch meine ganze Zeit
Meine beste Zeit
Umsonst.

Wieviel Zeit habe ich noch übrig?
Die Haare werden silbrig
Die Stimme einsilbig

Da! Dort! In der Ferne!
Meine Träume! Meine Sterne!
Euch erreiche ich immer noch gerne.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WAHRE NÄHE

Manche werden kommen und gehen
Werden sich umsehen
Ohne Dich zu sehen

Manche von Weitem werden sich sehen
Nach Dir, Dich wahrnehmen,
Deine Lächeln, Deine Tränen.

Überbewertet wird die körperliche Nähe
Innere Verbundenheit ist die wahre Nähe

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ALLEINE GEHEN

Es wird immer den einen Freund geben,
einst engster Teil Deines Lebens -
eines Tages wird er von Dir weg streben.
Du wirst ihn zurückrufen vergebens.
Denn manchen Weg muss man alleine gehen;
Lass ihn gehen, Du musst zu Dir stehen -
Auf Wiedersehen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SCHATZ DER LIEBE

Das Ende sucht den Anfang,
sonst kommt er nicht zum Einsatz -
Der Anfang sucht das Ende,
sonst bleibt er zeitlich fehl am Platz.

Ich bin Dein Anfang und Dein Ende,
Du bist mein Ende und mein Anfang.
Gesucht, gefunden, der Liebe Schatz.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SEELEN REDEN

Hinein hören
in die Seelen der anderen
ist hinein hören
in die Chöre der eigenen Seele

Ist schweigen
und auf Sich wirken lassen
Ist im Schweigen
Liebe und Haß erfassen mit der Seele.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung