UNTERM STRICH

Was verbindet uns alle?
Was macht uns alle ähnlich?
Was haben wir alle gleich?
Empfinden können, sehnlich,
egal ob politisch oder unpolitisch,
groß oder klein, arm oder reich,
Geist macht uns alle menschlich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

DAS HERZ EINER FAMILIE

Wenn wir im Herzen Hände halten,
umarmen wir etwas Unsichtbares
in unserer Mitte -
etwas Freies und Unverzichtbares -
Vertrauen und Zusammenhalt. Bitte,
lasst uns von Dritten uns nie spalten lassen,
sondern die Liebe mit Liebe verwalten.
Lasst uns den Mut zum Vertrauen walten
und die gegenseitige Achtung entfalten lassen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

BINDUNG

Blut verbindet,
bindet aber nicht -
Die Band verschwindet,
der Bund bleibt als Pflicht.

Wahre Bindung befindet
sich in geistiger Gleichart
die ähnlich empfindet,
ähnlich hart, ähnlich zart.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

DIE VIELEN MENSCHEN IN DER STADT

Die vielen Menschen in der Stadt,
die täglich sich seelisch wappnen gegen
die vielen Menschen in der Stadt,
treffen in allen Ecken, auf allen ihren Wegen,
die vielen Menschen in der Stadt.
Dann ignorieren, irritieren, verletzen, erregen
die vielen Menschen in der Stadt
sich gegenseitig, ohne den Verdacht zu hegen,
die vielen Menschen in der Stadt:
dieses Sich-aneinander-Reiben ist ein Segen
für die vielen Menschen in der Stadt,
denn nur so können wir das Miteinander pflegen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SCHIENEN

Schienen -
Du auf Deinen,
ich auf meinen -
schienen
verschieden zu sein.
Doch wir mieden den Schein,
spürten das Wesentliche,
das innere Ähnliche
zwischen ihnen,
unseren sich getrennt scheinenden
doch stets innig verbunden seienden
Schienen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ÄNDERUNG UND VERÄNDERUNG

Such nie den alten Freund
im neuen - Menschen verändern sich
von Tag zu Tag, auch Dein Freund,
selbst von Moment zu Moment unmerklich
wie das Wetter, ziehen gleich den Gezeiten
von Mond zu Mond nach einem Herzbeben
und wandeln im Geist der Jahreszeiten.
Ein Jahr ist eine lange Zeit im Leben
eines Menschen. Erwarte nie den selben
Menschen heute wie den, der gestern ging -
Suche nie den alten Freund in dem alten
neu erschienenen halb Freund halb Fremdling -
Ihr beide habt Euch verändert.
Aber, hat das die Freundschaft geändert?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

HERZ ZU HERZ

Komm mir nicht zu nahe
um zu hören, was ich flüstere
Nähe macht nicht lauter
das Helle oder das Düstere
eines Menschen Inneren.

Allein das Herz entziffert
was das Herz leise flüstert.

Ich weiß nicht, wo Du jetzt seist
Du bist schon so lange fort -
Bist auf der Erde oder im Jenseits?
Dennoch höre ich Dein jedes Wort
in meinem Inneren.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

ORTE REDEN

Orte reden mit mir
wie Menschen so mit Fremden reden:
Unsere Eigenart haben wir hier,
geflochten aus unsichtbaren Fäden
unserer Bräuche, Wünsche und Geheimnisse.

Ich spüre und verstehe ohne Worte
jeden Ort, den ich besuche, wirklich jeden.
Jeder für sich besonders sind alle Orte,
dennoch spüre ich die uns verbindenden Fäden
ohne Kenntnis der dahinterliegenden Ereignisse.

Menschen wie Blicke treffen sich
Menschen wie Blicke meiden sich
Menschen wie Blicke verstehen sich
Und Häuser, Straßen und, schweigend, Bäume
bewohnen bleibend unserer Seelenräume.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SIEHT SIE AUS WIE DU?

Sieht sie aus wie Du?
Oder sieht sie hinaus wie Du?
… hinaus in die Welt, die vorbei fließt,
und sieht die Welt so wie Du sie auch siehst?
Oder sieht sie Dich?
… weil sie Dich ansieht.
Und, weil sie Dich ansieht, erkennt sie Dich?
Oder erkennt Ihr Euch gegenseitig
Weil Ihr Euch gegenseitig anzieht?
Aber wie ist‘s denn mit den Andersartigen,
die Dich ergänzen und vervollständigen?
Alle diese Fragen beschäftigen mich
in einer Welt der Gegensätze
in einer Zeit zugenommener Hetze.
Und die Sehnsucht nach der Gleichart
ist außen hart und innen ängstlich und zart.
Diese Frage beschäftigt mich.
Die ganze Welt stammt aus fremden Haus,
wie erkennst Du Deine tiefste Gleichart?
Wie sieht sie denn wirklich aus?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

BERGSUCHT

Gute Nacht Berge
Himmlische Zwerge
In meinem Empfinden
bitte nie verschwinden
Egal wie tief der Fall
Egal wie dunkel das Tal
erweckt in mir manchmal
Eueres Rufes Widerhall…
Eueres Rufes Widerhall.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung