Als aus alten Ländern die neuen kamen mit alten Zügen und neuen Namen fragten sich manche, in Gruppen und allein, was bedeutet es, deutsch zu sein? Andere fragten sich, was haben wir gemein?, was bedeutet es, Mensch zu sein? Wir standen wieder an einem Anfang einer neuen Gleichart, die uns zwang, zusammen zu ziehen an einem Strang. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
der Verbundenheit
MOND
Eine Wölfin - Warum streift sie allein durch den Wald? Weiß sie nicht, ich komme bald? Hörst Du sie heulen, redend mit sich Tröste sie nicht, das mache ich Berühre sie nicht, sonst beißt sie Dich. Die Wölfin in Deinem Wald Sie heult für mich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MENSCHELN ÜBERALL
Wo auf Erden hast Du noch nie die Menschheit getroffen? Nirgendwo. Wir menscheln überall, träumen, zweifeln und hoffen, lieben, hassen, lachen, neiden und lassen, und treffen reinkarniert immer wieder mal Dinge, die wir längst vergaßen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
UMRISSE
Als wärest Du aus dem Feinstoff der Schöpfung Erinnerung herausgerissen, schiesst Du - zersplittert - schroff - über die Leinwand in meinem Gewissen, und ich hoff, ich hoff, ich hoff!: Ich ersticke nicht beim Dich Vermissen, Du meine Luft, Du mein Sauerstoff! Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ZUSAMMEN GETRENNT
Die ganze Welt ist verrückt geworden, Menschen trennen sich in Gruppen, in Horden, und hassen, fürchten, töten sinnlos sich - erbarmungslos, leidenschaftlich - gegenseitig, ohne sich mehr als oberflächlich zu kennen oder die makabre Gleichheit zu erkennen, mit der wir nun alle einheitlich brennen und zusammen unglücklich verbrennen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WIR LACHEN ZU VIEL
Wir lachen zu viel über Sachen, die viel zu wenig bedeuten - Scheuen das denkende Alleinsein, freuen uns über Teilsein der verzweifelten Meuten, die nicht wissen wollen, was wir dabei missen. Denn oberflächlicher Zugang zu den Leuten macht uns innerlich einsam, gleichsam diese Schmerzen uns wechselwirkend rettend häuten. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
KURZE BEGEGNUNGEN
Begegnungen, die kurzen und die vergänglichen, weil intensiv, mutieren zu unendlichen Erinnerungen. Nicht die Länge der Geschichte, sondern die Tiefe der ihr innewohnenden Gedichte, weckt die ewigen Empfindungen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
JEDES MAL
Halte mich so schön wie das erste Mal selbst wenn es das letzte Mal wäre denn irgendwann ist das letzte Mal und jedes Mal könnte wieder das erste Mal sein. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DEINE BLUMEN
Deine Blumen blühen schon lange und blühen schon lange als Dauergäste im Garten meiner ältesten Empfindung. Ein Baum hat Arme, wir nennen sie Äste und sie tragen viele Umarmungen, wir nennen sie Blumen, und als eine Geste ihrer Reinheit streicheln sie uns äußerlich nur zart, und drücken dabei innerlich feste. So sind Deine Blumen drinnen mein zartes Herz und draußen meine kugelsichere Weste. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WELLENRITT
Ich bin in der Welle reite sie heftig Ich bin in der Kiste schüttle sie kräftig Ich bin in der Stimmung gebe mich ihr hin Das ist meine Widmung da ist alles drin. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
