Wie definiert man Gleichart? Sind Steine und Worte gleich hart? Sind Kinder und Pfeile, á la Kahlil Gibran, ähnlich Wirkende im Lebensplan? Wie erkennst Du eine Dir ähnliche Seele? Gleiche Schmerzen oder gleiche Ziele? So unterschiedlich Winter und Sommer sind, so ähnlich sind Herbst und Frühling. Auch wenn der eine die Blätter verliert, mit denen der andere den Wald dekoriert, färben sie beide meine Empfindungswelt auf einer Art, die mein Gemüt erhellt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
der Verbundenheit
GESELLIGKEIT SCHÜTZT NICHT VOR EINSAMKEIT
Die erdrückende Oberflächlichkeit eines Lebens ohne Anbindung - Sprache führt in die Tiefe. Sprachlosigkeit verspricht ihre eigene Verbindung. Warum reden, wenn Schweigen der Schlüssel ist zum Aufsteigen? Die Leichtigkeit der Bedeutungslosigkeit ist der schwerste Druck zu ertragen. Geselligkeit schützt nicht vor Einsamkeit - Die Nähe der Ferne bringt Unbehagen. Menschen, die alles zeigen, wollen etwas verschweigen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WAS KOMMT DANACH?
Was kommt danach? Wie sieht es aus? Ich habe es vergessen. Sicher gibt es Seen und Matten und Berge und Bäume und Menschen - Aber gibt es Palmen und Zypressen? Wenn ich mich recht erinnere gab es bei Durst Schönheit zum Trinken, und bei Hunger Wahrheit zum Essen. Ich seh einen Hain und eine Bank, vage, unscharf, aber mich dünkt‘s, ich habe dort schon mal gesessen. Ich sehe auch das Gesicht eines Menschen, er sitzt neben mir. Aber wessen Gesicht ist das? Wessen? Ein guter Freund, ich spüre es. Von vor langer langer Zeit. So lange her, ich kann es mit Verstand nicht messen. Nur seelisch spüren. Ein Ort der Güte, wo die Geister sich gegenseitig nur Gutes aufs Gemüt pressen. Was kommt mir nach der Erde, nach Nigeria und Deutschland, nach Biafra und Lagos und Hessen? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
HAMBURG
Von oben zeigst Du mir Deine Wunden sie sind dem kalten Regen zugewandt und offen für spontane Tränen. Die in Deinen Adern wandeln: Ihre Sehnsucht ist Dein Blut, ausgegossen wie die Elbe zum See unserer Sehnen Ohne Hafen. Wozu bräuchten wir Hafen? Wir sind selbst der Hafen. Neugier ist unsere Währung, mit der wir alles zähmen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
OHNE ERINNERUNGEN
Ich habe Erinnerungen die ich manchmal lang vergesse - Die Erinnerung an diese Erinnerungen finde ich, ein Schwarzer Hesse, illuminierend. Denn sie erinnern mich an eine Zeit, bevor es mich gab und sie machen mich deren teilhaftig, weil ich ihren Geist in mir hab, neu orientierend. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ZUKUNFT TEILEN
Die Sammelbeschwerde gebleichter Knochen schreiend im Leib der Erde warnend ununterbrochen… stumm ungehört, ungeachtet ein Schweigen mit Gewicht ideologisch ausgeschlachtet Totenköpfe grinsen nicht Nie gelänge es einer Religion diese kleine Welt zu regieren - Freier Wille bedeutet Rebellion Wann werden sie es kapieren? Leben und leben lassen Vergangenheit und Zukunft teilen Knochen können nicht mehr hassen, verkalkte Reue, unfähig zu heilen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE STERNE UND WIR
Die nachtkalten Graphitaugen der Fernen schielen abgehoben nach uns, nach der Vergeblichkeit unseres Tuns, unserer Sehnsucht nach ihnen, Sternen. Distanziert, wie einsam müssen sie sein? Denken sie oder denken wir? Wer Billionen Jahre lebt, ist ein Souvenir des Verlangens gefangen im All ganz allein, denken wir. Aber sie denken es sich anders. Wer keine Zeit hat, sich lang zu binden, lang zu teilen, lang Tiefe zu empfinden, ist dessen Leere, Einsamkeit, nicht besonders? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
IN MEINER ERINNERUNG
Gesichter ohne Namen, Wo sind Eure Namen alle hin? Die Jungen, die Damen, Mir einst so nah, es war alles drin. Wo sind Eure Namen heute alle hin? Ab und zu eine Wiederbegegnung Mit einer fremden Person jedes Mal. Nur in meiner Erinnerung Leben meine Vertrauten immortal, Bleiben bei jedem Besuch original. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE NACHT IST MEINE
Die Nacht ist meine Freundin Sie trennt sich von mir jeden Morgen versöhnt sich mit mir wieder jeden Abend schenkt philosophische Ohren meinen Sorgen. Wie eine Wand, undurchdringlich schiebt sie sie zwischen mich und gestern macht mich bereit für die Zukunft täglich als wären sie und meine Seele Schwestern. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WENN DAS VERTRAUEN WEG IST
Wenn das Vertrauen weg ist
Suchst Du vergeblich nach der Brücke
Zwischen uns. Weisst Du, was schräg ist?
Neues Vertrauen schliesst die Lücke
Nicht.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
