Wir gehen runter und tauchen auf - Jede Altstadt wird bunter beim neuen Umlauf. Die Strassenstimmen in unterschiedlichen Sprachen - Und dennoch, sie stimmen, ob sie weinen, ob sie lachen, stimmen sie überein mit allen Strassenstimmen weltweit. Die innere Stimme ist niemals allein Inmitten der Menschheit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
der Verbundenheit
WENN SCHNEE EINEN FLUSS BERÜHRT

Wenn Schnee einen Fluss berührt Wie Gedanken zurückgeführt Zum Ausgangsort und -zustand Durch der Natur unsichtbarer Hand, Denke ich darüber nach: Ob Meer oder See oder Bach, Ort des Geschehens bleibt gleich, Weiher, Fluss, Ozean oder Teich, Eisig und hart, flüssig, durchlässig, weich, Es ist alles das magische Wasserreich, Wo alles stets in Bewegung bleibt, Mit und gegen alles fließt und sich reibt, Ständig ankommt, ständig weitertreibt - Ne, Ort des Geschehens bleibt nimmer gleich. Kein Gedanke kehrt unverändert zurück Zum unveränderten Entstehungsheim. Schlimmer oder besser geworden ein Stück Findet sich alles wieder zusammen im Schlussreim. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
AN MEINE SCHWARZEN KINDER – (2)
Generationen - Gegossen in die Abzweigung sich widersprechender Nationen. Gefangen im Scheinwerferlicht der Ent-Scheidung. Gemischte Rassen - im Blut und/oder im Kopf vermischt. Beidseitig lieben, was beide Seiten hassen. In Euch ist mein Licht, das niemals erlischt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
UNIFORMEN
Die Uniformen Verdecken die Unterschiede lang genug Bringen ihre Träger einander nah genug Um die Unterschiede klar genug zu sehen Jetzt sind sie fassbar genug zu verstehen Hinter den Normen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
HAUSGEMACHTES WEIHNACHTEN
Alt wie Wein Wird das Jahr nun Süßer auch? Reif mit dem zwölften Monat Und elf Erinnerungen Wir teilen lachend die Freude Schweigend den Schmerz Des Jahres. Teilen ist heilen Herzen sind Kerzen Dezember, Lichtspender Weihnacht, hausgemacht. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
KRONE
Sie spielt ihn, ihren Saxofon, Und sie spielt ihn gut. Sie gibt an, gekonnt, den Ton. Er wird in seinem Mut Meinungslaut wie ein Megafon, Kündigt an, angeregt, ihre Sintflut, Macht sich zu ihrem Thron: Setz Dich!, was sie auch tut, Seine Krone, sein zweiter Hut. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GETRENNTE WINTERWEGE
Sie werden jetzt ihre getrennten Wege gehen Die, die ihr Blättergewand ausziehen und die, die unverändert aussehen Getrennt durch den Winter wie unzählige geschiedenen Ehen Bis im Frühling erfüllt wird das Versprechen des „Auf Wiedersehen“ Geh im Wald spazieren Bewundere dieses Geschehen Diese zwei Bäume im Winterrad Wie Fremde unterschiedlich drehen Reden nicht mehr miteinander schweigend, nur noch die Winde wehen… Dennoch bleiben sie die ganze Zeit ruhig nebeneinander stehen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
FRANKFURTS ERSTER SCHNEE
Ich sah Frankfurt intimer als je zuvor Ich liebte sie sofort obwohl ich dabei fror in ihrem engen Brautkleid in ihrer Freude, in ihrem Leid lautlos leistend unseren Eid. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ÄHNLICH
Du kannst von Weitem kommen Und Nähe ausstrahlen Als hättest Du Platz genommen In mir. Wer wird meine düsteren Innenseiten Mit frohen Farben bemalen Wenn nicht Du, der gekommen ist vom Weiten Zu mir? Distanz, ach!, ist so trügerisch. Trennung, ach!, ist so illusorisch. Unsere Augen trafen sich… Krass, dachten wir, wir sind so ähnlich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ZWEI SEITEN
Offen, sozial Stets mit am Start Freundschaft ist für Zweisame. Nicht die Anzahl Sondern die Art Liebe ist für Einsame. Zwei Seiten Verbinden die weiten Reisen der Gezeiten. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
