ICH ZUM WIR

Ich bin hier.
Je mehr ich versuche, mich zu entfernen
desto mehr, vertiefe ich mich in Dir
Du einst so fremdes Land. Kennen zu lernen
ist tauschen zu lernen ein bisschen Ich gegen mehr
von Wir.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ZUM SPÄTER VERSTEHEN

Ich bin gekommen
Und werde gehen
Doch erst lange nach dem
Ich wieder gegangen bin
Werde ich bei Euch ankommen.

Dann werde ich nie wieder gehen -
Aber auch nie wieder kommen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ZARTE BINDUNGEN

Mein Frankfurt
Nach dem es lange mich nicht haben wollte
Anscheinend
Will es mich jetzt nicht mehr gehen lassen
Anscheinend

Es sind diese unerklärbaren Gefühle
die mich zart fesseln
So wie einst unerklärliche Gefühle
mich subtil ausgrenzten.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MINDESTENS DREI

Ich verschlinge Menschen
Wie Nahrung - Du auch?
Drei Mahlzeiten pro Tag
Mindestens drei neue Menschen
Stehen täglich auf der Menükarte
Ernährung für die Seele
Ergänzung für den Geist
Wein für den Neugier
Brot für die persönliche Weiterentwicklung.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

FRANKFURT FLIESST

Diese Stadt
lange mir verschlossen
öffnest Dich mir unerwartet tief und zart.
Wer hätt‘s gedacht? Wir sind Artgenossen.

Wie viel Vielschichtigkeit haben wir gemeinsam?
Wer unser Inneres erreichen will
der muß ehrlich sein und geduldig und einsam
und egal wie laut nebenbei auch still.

Und am allerbesten ist der Fluß
dessen Anfang und Ende keiner sieht
Viele starren hinein und fassen den Entschluss
dem ebenso zu folgen, der sie anzieht.

So fließen wir weiter mit,
bauen weiter, wachsen immer weiter -
Wir sind der Welt der Querschnitt
und unserer Zukunft die eigenen Wegbereiter.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ECHTES TREFFEN

Lass Dich nicht irren
Sozial sind keine Medien

Triff Dich lieber mit Menschen

Vertraue keinen Likes und keinen Emojis
Egal wie viele sie sind
Dein Bubble ist nicht echt, befreie Dich
Werde wieder Dorf- oder Stadtkind

Egal. Beides ist gut.
Park. Wiese. Bahnhofsviertel. Café. Klub.
Ohne Interaktion, keine Integration.

Triff Dich körperlich mit Menschen.
In den Körpern wohnen die Geiste.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

FLUCHTBEGLEITER

Ich kann Dir Deine Bürde nicht nehmen
Jeder muss mal einen Fluchtweg wandern
Keiner von uns sollte sich deshalb schämen
Vor sich selbst oder über den andern
Das würde uns als Menschen lähmen

Ich möchte unser Menschentum mit Dir teilen
Auf daß wir uns gegenseitig begleiten
Auf der Flucht vor Unmenschlichkeit in Menschlichkeit weilen
Den Verstand beruhigen, das Herz ausweiten
Die Wunde - Misstrauen - wieder heilen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WIR VERGESSEN UNS SELBST

Menschen vergessen oft,
daß es Menschen sind, mit denen sie reden -
Fremde ist nur ein anderes Wort für Menschen.

Menschen vergessen oft,
in ihrer Sehnsucht & ihrem Streben nach Eden,
worum es geht: nicht um Regeln, sondern um Menschen.

Politik, Kultur, Systeme sind nicht so wichtig
wie lebendige Menschengeister, einen jeden -
das vergessen oft Menschen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

IRGENDWO DAZWISCHEN

Irgendwo
Zwischen Hetzen und Verletzen
Zwischen Schwätzen und Petzen
Irgendwo
Zwischen Hassen, Lassen und Verlassen
Zwischen Rassen und Klassen
Zwischen Land- und Menschenmassen
Irgendwo
Zwischen Artfremden und Ortsfremden
Zwischen Wild-, Welt- und Realitätsfremden
Zwischen fremden Freunden und freundlichen Fremden
Irgendwo
Zwischen Bündnissen und Hemmnissen
Zwischen Halbwissen und Missverständnissen
Irgendwo dazwischen
Zwischen dem Fiktiven und dem Faktischen
Muss es einen Ort geben, den wollen wir uns gönnen,
Wo wir als EINE Gesellschaft leben können.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WIR HINTERLASSEN IMMER SPUREN

Ich sitze hier jetzt seit einer Weile
und versuche mein Herz zu verstehen
Es malt viele Bilder, langsam, ohne Eile
und dennoch mehr als ich je gesehen
aber heute ist nichts besonderes geschehen

Ich sprach wie immer mit etlichen Fremden
und sah dabei in unzählige Augen
in Blicken gefangen wie Körper in Hemden
die schützen wollen doch nur dazu taugen
gegenseitig zu suchen, zu flehen, zu saugen.

Und lang nach dem ich wieder alleine bin
lebt noch ein Teil von jedem in mir -
Begegnungen tief sind des Lebens Sinn
Ob kurz oder lang ich öffne mich DIR
Jedes Ich ist ein Teil von unserem großen Wir.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung