ABER DICH

Ich kenne niemanden besser
als ich Dich kenne
und schlechter
Deshalb überraschst Du mich täglich
und bestätigst mich laufend
Ich habe im Leben vieles falsch gemacht
aber Dich will ich richtig machen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

INNEN UND AUSSEN

Wie Österreich und Deutschland
Bist Du in mir und außerhalb
Mit mir und ohne mich
Wie ich und andersartig
Meine Verdoppelung und meine Ergänzung
Und wenn ich Dich küsse
Küsse ich mich
Und wenn ich Dich verliere
Verliere ich mich
Und wenn ich Dich suche
Finde ich mich
Und wenn ich über meine Grenze gehe
Erreiche ich Dich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

HERZ ZWEI

Du wohnst und webst in mir
wie ein zweites Herz
Die Jahre werden alt, Du nicht
Die Tage kommen und gehen, Du nicht
Die Nächte werden kalt, Du nicht
Ich habe Angst vor Ehen, Du nicht
Du schlägst und lebst in mir
wie ein zweites Herz.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ALLTAG

Du wandelst jenseits der Poesie
Und bist tiefer, noch tiefer als sie
Unbeeindruckt durch Philosophie

Das Dichten macht mich innerlich zart
Ich dachte, ich bräuchte die Gleichart
Doch nein, ich brauche Deine Gegen-Wart

Einfache Dinge, Dich, die zwei Kinder
Die tägliche Routine, Ruhe, nichts minder
Wenn Liebe blind macht, bin ich blinder

Du bleibst die Eine, die ich wirklich mag
Wirklich liebe, stehender Hochzeitsantrag
In Deiner Nähe finde ich meinen All-Tag.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SCHWEIGSAM EINSAME MENSCHEN

Schweigsame Blätter
Stadtblumen
Seht Ihr mich nicht, Stadtbaum?

Denn Ihr seid meine Retter.
Ranzoomen.
Versteckt Euch nicht hinten am Saum.

Wie ist das Wetter?
In Stimmen leisester Volumen
Ist auch ein guter Gesprächsanfang im geschlossenen Raum

Augenkontakte sind Sprungbretter
Lächeln sind Brotkrumen
Führen uns Einsame zu unserem Traum.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

OHNE BERÜHRUNG

Ich küsste Dich
Es war nicht intim genug
Ich berührte Dich
Es war nicht intim genug
Ich durchdrang Dich
Es war nicht intim genug

Ferner denn je standen wir uns gegenüber
Wunderten uns darüber
Wieso ging es so schnell vorüber?

Bis kam die Möglichkeit, in Arbeit und Spiel
Zusammen zu streben nach höherem Ziel

Dann einigten wir uns im Wissen
Und Tun
Aus Dienen, Aufbau und Gewissen
Und nun
Siehe da:

Tiefer, intimer waren wir noch nie
Mit einander verbunden
Ohne Berührung habe ich so noch nie
Verschmelzung empfunden
Achtung, Ergänzung, Harmonie
Treffen sich am Innenort früherer Wunden.

Jetzt bist Du mir so nah.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SCHNELL

Kaum bewegen sich meine Gedanken
In unserem Lieblingsspiel
Da kommst Du schon

Sehr schnell

Poesie.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WIR KENNEN UNS

Die Nähe war nimmer so fremd
Wie Zuhause
Das Fremde war nimmer so vertraut
Wie in der Weite
Weite Welt, wo
Aus jedem Augenpaar heraus
Das bekannte Gefühl mir gestand,
Wir kennen uns besser und inniger
Als die Distanz zwischen uns je
Vermuten ließe
Im Guten, im Schlechten, im Fremden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VIDEOCHAT

Von Bett zu Bett

Getrennt

Durch einen Kontinent

Gelinkt per Internet.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

LIEBE MACHT BLIND

Freunde am Anfang
der Reise sind am Ende
nicht Feinde geworden –
noch schlimmer, Fremde

die deshalb Fremde sind
weil sie sich jetzt besser kennen
als am Anfang, wo sie
vor Liebe blind waren.

Freunde am Anfang
der Reise sind am Ende
schlimmer als Feinde
geworden – Fremde.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung