SCHWEIGSAM EINSAME MENSCHEN

Schweigsame Blätter
Stadtblumen
Seht Ihr mich nicht, Stadtbaum?

Denn Ihr seid meine Retter.
Ranzoomen.
Versteckt Euch nicht hinten am Saum.

Wie ist das Wetter?
In Stimmen leisester Volumen
Ist auch ein guter Gesprächsanfang im geschlossenen Raum

Augenkontakte sind Sprungbretter
Lächeln sind Brotkrumen
Führen uns Einsame zu unserem Traum.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

OHNE BERÜHRUNG

Ich küsste Dich
Es war nicht intim genug
Ich berührte Dich
Es war nicht intim genug
Ich durchdrang Dich
Es war nicht intim genug

Ferner denn je standen wir uns gegenüber
Wunderten uns darüber
Wieso ging es so schnell vorüber?

Bis kam die Möglichkeit, in Arbeit und Spiel
Zusammen zu streben nach höherem Ziel

Dann einigten wir uns im Wissen
Und Tun
Aus Dienen, Aufbau und Gewissen
Und nun
Siehe da:

Tiefer, intimer waren wir noch nie
Mit einander verbunden
Ohne Berührung habe ich so noch nie
Verschmelzung empfunden
Achtung, Ergänzung, Harmonie
Treffen sich am Innenort früherer Wunden.

Jetzt bist Du mir so nah.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SCHNELL

Kaum bewegen sich meine Gedanken
In unserem Lieblingsspiel
Da kommst Du schon

Sehr schnell

Poesie.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WIR KENNEN UNS

Die Nähe war nimmer so fremd
Wie Zuhause
Das Fremde war nimmer so vertraut
Wie in der Weite
Weite Welt, wo
Aus jedem Augenpaar heraus
Das bekannte Gefühl mir gestand,
Wir kennen uns besser und inniger
Als die Distanz zwischen uns je
Vermuten ließe
Im Guten, im Schlechten, im Fremden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VIDEOCHAT

Von Bett zu Bett

Getrennt

Durch einen Kontinent

Gelinkt per Internet.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

LIEBE MACHT BLIND

Freunde am Anfang
der Reise sind am Ende
nicht Feinde geworden –
noch schlimmer, Fremde

die deshalb Fremde sind
weil sie sich jetzt besser kennen
als am Anfang, wo sie
vor Liebe blind waren.

Freunde am Anfang
der Reise sind am Ende
schlimmer als Feinde
geworden – Fremde.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SCHNEEREGEN

Wenn du nur die Nacht wärest
Würde ich dich lieben
Wenn du nur der Tag wärest
Würde ich dich nehmen
Wenn du nur der Winter wärest
Würde ich dich mit Träumen schmücken
Mit Dir kuscheln
Aus dem dunklen Fenster mit Dir gucken
Während es draußen schneeregnet.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

IM TAKT DER NACHT

Dein Herz schlägt so stark
ich höre es auch von hier, Beats
zu denen ich mich rhythmisch bewege
im Takt der einsamen Nächte
wenn ich nicht alleine bin
und Dich dennoch vermisse. 
Die Stadt hortet so viele Geheimnisse,
wenn die Stadtmenschen nur wüssten…
Nur eines kann sie mir nicht verbergen:
Die Gedichte Deines Herzens
wie Trommellieder aus Deinem Dschungel. 
Ich trinke sie abends 
Und reite im Takte der Nacht 
Deine Herzschläge aus der Ferne.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ZUSAMMEN HÄLT BESSER

Zusammen hält besser
Gemeinsam steht der Stadt gut
Nicht alles, was sich äußerlich unterscheidet
ist sich innerlich fremd
wenn sie sich ausziehen
und in einander einziehen
als wären ihre Seelen die Wohnungen der Stadt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

FRANKFURT AM MAIN

Ich höre Dich
wenn ich aus dem Fenster rausrieche
spüre Deine Gedanken Gefühle
in den Augen fremder Menschen
auf Deinen Gassen immer
rufst Du mich bist verlangend bist
besitzergreifend eine zweite Stimme
in meinem Kopf wenn ich nachts
im Bett liege denke ich denke nichts
fühle ich fühle etwas weiß nicht was
empfinde Dich mein gewordenes Zuhause.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung