GLEICHBERECHTIGUNG

Es wird langsam Zeit
zu gehen nicht mehr allein
sondern zusammen, zu zweit,
Dein linkes ist mein rechtes Bein.

Es ist soweit
zu schlagen nicht mehr getrennt
sondern zu mehrt in Tapferkeit
weil Euer Herz in meinem brennt.

Wer ist bereit
zu vertrauen und Liebe zu wagen?
Ich gebe Dir treu Begleit;
öffne Dich, trete hervor; nicht zagen.

Die Welt liegt im Streit
mit dem Ringen selbst nach Freiheit.
Gute Geister, schreit Frieden, schreit!
Wir haben keine Angst vor Gleichheit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VERTRAUT KRAFT ENTTÄUSCHUNG

Zusammen bringen sie Illusionen
und wenn sie die Wahrheit finden,
sind es jetzt geteilte Enttäuschungen,
die sie noch inniger verbinden.

Der Schmerz soll in ihnen brennen,
ihnen die Wahrheit über sich verleihen;
Sie sollen die Wahrheit kennen
und die Wahrheit wird sie befreien.

Nichts ist schöner als frei zu sein
und in Freiheit die Freiheit zu teilen;
Zu sagen Du bist nicht mein und ich nicht Dein
aber wir wollen für immer miteinander weilen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GETRENNT

Es ist vorbei -
Warte nicht darauf, daß er anrufen wird.
Es wird keine Nachricht kommen,
die das Herz berührt.

Sehne die Vergangenheit nicht herbei -
Sie ist in der Gegenwart nicht willkommen.
Nichts ist merkwürdiger als Veränderung,
in ihrer Unumkehrbarkeit vollkommen.

Die Wege haben sich getrennt,
die Vorhänge sind zu gefallen -
Du siehst keine Statusmeldungen mehr;
die würden Dir auch nicht gefallen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EINE ERINNERUNG

Bist Du noch bei mir?
Manchmal vergesse ich,
in meinem Gedächtnis nach Hinweisen
nach Dir rum zu hören -
Das ist das Enigma des Gedächtnisses:
Es erinnert Dich nicht daran,
daß es es gibt.
Daran musst Du Dich selbst erinnern.
Erst danach schaltet es sich ein,
ohne Garantie.
Er vergisst neue Begegnungen und neue Namen
aber der erste Kuss, die erste Liebe,
der erste Tod, der erste Schmerz,
und manch ein Geschehen weit zurück
in der Vergangenheit,
egal wie weit, sie fühlen sich noch so an
als wären sie erst gestern geschehen.
Die erste Sehnsucht lebt am längsten
im Herzen der Erinnerung.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

JENSEITS IST DIESSEITS

Ich träumte, ich drehte mich um und sah Dich um mich trauernd, mich vermissend. So fiel es mir ein, oder auf, daß ich Dir wohl irdisch verstorben war und längst beerdigt. Ich mußte es zwischenzeitlich vergessen haben, den Tod und die Beisetzung, denke ich, denn alles, was ich weiß, ist, daß ich hinüber und weiter gegangen bin. Ich, unverändert, und immer noch am Leben. Und lebend sein fühlte sich, wie auf der Erde, so normal an.

Du warst dennoch so weit weg. Doch sah ich Deine Trauer wie eine Kerze im Nachbarhaus auf der anderen Straßenseite unter der Brücke. Und Du warst selbst die stete brennende Kerze. Oh, wie ich Dich trösten wollte… Aber Du hörtest und sahst mich nicht wie früher. Das war‘s, was weh tat.

So entschloss ich mich, Dir ein letztes Gedicht zu schreiben, denn Du warst immer die erste, die meine Gedichte lass, und hast sie immer tief empfunden. Sicherlich würdest Du diese auch empfangen und empfinden, wenn ich sie Dir aus dem Dir Jenseits mir Diesseits sende … oder leise vorlese…, dachte ich, hoffte ich. . Es war mir selbstverständlich aber wissen wusste ich es ehrlich gesagt nicht. Mehr konnte ich aber nicht mehr tun.

Also fing ich an, dieses Gedicht zu schreiben:

Auch wenn Du denkst, ich bin gestorben,
bin ich Dir viel näher, als Du denkst…
Gleichzeitig näher und weiter als Deine Gedanken,
ganz egal, wie wo Du sie hin lenkst…

Ich will aber, daß Du Dich umdrehst
und Dich Deinem Erdenleben voll widmest;
Dein Weg empor in unser Ziel liegt wie Stufen
in jedem Moment, in dem Du irdisch noch atmest.

Und dann wachte ich aus dem Schlaf auf und siehe da, es war ein Traum. Und das Leben fühlt sich, wie immer, normal an, egal in welcher Zeit und in welchem Raum.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

URSPRACHE

Kommt in meine Arme.
Ihr ferne Alpen,
Ihr seid mächtig genug für mein Herz -
Denn es ist zu groß, zu breit, zu tief geworden
Und ich verstehe es nicht mehr.

Doch Ihr da vorne,
ausgestreckt und ausgedehnt
wie die Wellenbewegung eines Weltmeeres,
von einem Riesen in Stein verwandelt,
Ihr sprecht die Ursprache meines Herzens.

Rauh und zerklüftet
Alt mit einer unbekannten Geschichte
Deshalb, kommt in meine Arme
Ihr schöne Alpen
und liebet mich zurück.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

BE-SUCHT UNS IN DER ZUKUNFT

 Wie viele Häute wie eine Schlange
hat unsere Liebe schon abgeworfen?
Die einen suchen uns in der Vergangenheit,
im Gestern,
dort finden sie unzählige, tote, Muster.
Die anderen untersuchen die Gegenwart,
das Heute,
sehen eine immer-wiedergeborene
lebendige und wendige Schlange.
Aber wir, wir leben nach wie vor
in der Zukunft. 
Im Morgen solltet Ihr versuchen, 
das Rätsel zu lösen. 

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

IM VERTRAUEN

Es ist erstaunlich
wie viele Seiten, Innenseiten,
wie viele Schichten,
geschweige denn Geschichten,
verschwiegene Geschichten,
wie viele andere Menschen
ein einziger Mensch unter seiner Oberfläche
Dir heimlich und eifrig zeigen wird,
nur weil Du seine innerste innigste Wunde
linder behandeltest und zart bandagiertest
ohne ihn zu brechen.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MAL SO MAL SO

Mein Herz ist ein Loch.
Manchmal steigst Du rein
Manchmal steigst Du raus
Und beides fühlt sich gut an.

Wir sind mein Zeitempfinden.
Wir werden zusammen alt
Wir bleiben zusammen jung
Und beides fühlt sich gut an.

Dein Herz ist meine Aufgabe.
Manchmal verstehe ich Dich
Manchmal verwirrst Du mich
Und beides fühlt sich gut an.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

TAG DER ARBEITER EINHEIT

Der Tag ist irgendwie schwer
Schon lange marschieren die Arbeiter
Sie kommen von überall her
Untereinander gespaltene Mitstreiter
Jede/r dem anderen Peer
weder Leiter noch Begleiter -
langsam begreifend immer mehr:
Nur durch Einigkeit kommen wir weiter.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung