EINSAM ZU ZWEIT

Ich bin zweisam
wenn ich alleine bin
und einsam
wenn ich zu zweit bin

Wenn wir zusammen sind
suche ich Dich.
Wie were getrennt sind
finde ich mich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung 

DAS ÄUSSERE

Etliche Nationalitäten
liefen nebeneinander auf der Straße.
Keine dachte von einer anderen:
„Hier ist jemand, den ich eigentlich haße.“
Sie merkten nicht mal ihre Verschiedenheiten
Weil sie sich äusserlich ähnelten.
Keine spürte ihre Einsamkeit
Wo Einsamkeit und Einsamkeit sich spiegelten.

So stark ist die Macht der Oberfläche
Die Oberflächlichkeit ist zugleich
unsere größte Stärke und größte Schwäche.
In unserer Armut sind wir reich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WEGGEFÄHRTEN, MENSCHEN UND BERGE

Die Berge bücken sich
runter zu mir grüßen mich
Ich nicke zurück
eben so ernstlich
eben so freundlich
Schulter an Schulter fahren wir
Weggefährten waren wir
Doch wie bei allen Reisen
trennten sich unsere Gleisen
irgendwann. Sie blieben zurück
mit einem Rück -
und dachten vielleicht dasselbe von mir.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

BEDARF

Mein Bedarf deckt sich mit Deinem Bedarf
wie zwei Hände zum Händeschütteln
sich gegenseitig drücken, fest, heftig, scharf
wie zwei Lächeln sich gegenseitig aufrütteln
aus der Umarmung drückender Einsamkeit
sich gegenseitig aufmunternd zur Heiterkeit
denn lieben und geliebt werden ist ein Bedarf.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

GEDÄCHTNISREGEN

Wenn es regnet
und die Straße langsam wird
und Baum Baum begegnet
so wie ich Dich gerne würd
… dann hebe ich die Straße auf
und laufe mein Gedächtnis hinauf
mit Schmerzensgeschwindigkeit
denn Du gerätst nie in Vergessenheit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DIE ANDERE HÄLFTE DER KOMMUNIKATION

Eloquent streiten
mit allen unseren Seiten
ordentlich fighten
denn wir wollen uns gegenseitig
besser kennenlernen, nicht einseitig.

Höflichkeit ist die Hälfte der Harmonie
die Trägerin von Masken, der Ausdruck
von Desinteresse, das Herz als Galerie -
Wie wäre es mit echtem Druck?
Und dem Allerschönsten: Gegendruck.

Denn wir wollen uns gegenseitig
besser kennenlernen, nicht einseitig.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

AUF IMMERWIEDERSEHEN

Auf immer wieder sehen
Sonne und Morgendämmerung
kommen und gehen -
Dies ist ihre Begrüßung

Ich weiß nicht, wo Du bist,
wenn Du weg bist
Du weißt nicht, wo ich bin,
wenn ich weg bin

Nur eines wissen wir
jedes Mal, wenn wir gehen…
wir werden uns wieder
immer wieder immer wiedersehen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WASSERFLASCHE

Ich vergesse Dich nicht
Die Jahre machen Dich jünger, nicht älter
Deine ewige Jugend hält mich jung
während die Welt rauer wird und kälter

Ich trage Dich mit mir herum
wie eine Wasserflasche in der Wüste
Und wenn das letzte Tröpfchen getrunken ist
erreiche ich auch die Küste.

Lang ist die Reise und kurz
Selbst ohne Sturz oder Absturz
Rudere, rudere, rudere mein Boot
Die Hoffnung ist mein Brot.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WEITER REISEN

Wofür war die ganze Zeit?
Umsonst?
Ich gab Euch meine ganze Zeit
Meine beste Zeit
Umsonst.

Wieviel Zeit habe ich noch übrig?
Die Haare werden silbrig
Die Stimme einsilbig

Da! Dort! In der Ferne!
Meine Träume! Meine Sterne!
Euch erreiche ich immer noch gerne.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WAHRE NÄHE

Manche werden kommen und gehen
Werden sich umsehen
Ohne Dich zu sehen

Manche von Weitem werden sich sehen
Nach Dir, Dich wahrnehmen,
Deine Lächeln, Deine Tränen.

Überbewertet wird die körperliche Nähe
Innere Verbundenheit ist die wahre Nähe

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung