GIFT

Mein Herz ist kein Herz
Es ist eine grimmige Grollsuppe
Mein Blut ist kein Blut
Es fließt wie in einer Zeitlupe
Allein die Tinte aus deinem liebevollen Stift
Dein Wort, deine Stimme, deine Art, deine Schrift
Sind mir Erquickung, Hoffnung und Gegengift.

– Che Chidi Chukwumerije.

Dieses Gedicht habe ich als Teil eines Interviews geschrieben, das in Sabine’s Lifestyle-Kolumne veröffentlicht wurde. Das Interview kann man hier lesen.

IRGENDWANN IST ALLES GUT

Ich kannte mal lange eine Liebe
Sie nahm mir unabsichtlich alles – eines Abends
Saßen wir neben einander im Wohnzimmer
Im Schweigen. Irgendwann fragte sie mich leise:
„Schatz, was ist los?“ – Und ich dachte langsam
An alles, was ich für diese Liebe unfreiwillig aufgeopfert hatte
Und lang sagte ich nichts, bis der Schmerz sich ausgebrannt hatte
Dann schloß ich das Buch der Vergangenheit und sagte:
„Mach dir keine Sorgen; es ist alles gut.“
Und wir umarmten uns lange.

– Che Chidi Chukwumerije.

DUETT

Er bot ihr Rhythmus an
Aber sie war eine verlorene Melodie
Und sehnte sich nach Harmonie
Egal, ob Frau, ob Mann

Er brachte seine Hüfte näher
Sie konnte nicht widerstehen
Langsam fingen sie an, sich zu drehen
Tiefer atmend, immer höher

Und ihre verlorene Melodie
Vom Rhythmus angezogen
Taktvoll ausgezogen
Verstummte vor lauter Harmonie.

– Che Chidi Chukwumerije.

UNSICHER

Du hast meine Wunde aufgeleckt
Und den Zeigefinger hineingesteckt
Ohne es zu wissen

Vertrautes, zu intim zu teilen
Inniges, zu unerreichbar zu heilen
Verschlossen im Gewissen

Um Ernsteres zu bewachen
Verwendet man viel Lachen
Hin und her gerissen

So lautet die Frage bei jeder Begegnung
Von Schüchternheit und Erregung:
Tschüß sagen oder küssen?

– Che Chidi Chukwumerije.

MEIN WORT

Ich werde dich lieben
Als wärest du geblieben
Das letzte Wort auf Erden

Behüten, liebkosen
Befruchten mit grossen
Subtilen Gedanken und Wünschen

Benutzen für Hohes
Benutzen für Rohes
Verschweigen mein jedes Versprechen

Aus deiner Tiefe
Schöpfen Begriffe
Und Dich widerwillig verraten.

Che Chidi Chukwumerije.

SCHLAG MICH

Unzählige Flügelschläge
Umschwärmten meinen Kopf
Meine Haare sind nicht meine Haare
Meine Gedanken sind mein Schopf
Aus dem Herd heraus brodele
Ich, Eintopf.

Die Einsamkeit übersetzte
Die Sprache deiner Abwesenheit
Unzählige Flügelschläge
Doch kein Schwarm weit und breit –
Schlägt dein Herz für viele
Und sagen mir die Flügel Bescheid?

Mein Platz in deiner Innenwelt
Nimmt äußerlich Gestalt
Ich verzichtete auf die Hülle
Nahm gefangen mir den Inhalt
Deine Schläge überzeugen mich
Du bist in meiner Gewalt.

– Che Chidi Chukwumerije 

UNSERE GRENZEN

Weit weit
Wie Ort des Urknalls
Kante des Geschehens
Leben
Weit weit dehnt sich
Weiter mein Herz aus
Jedes Herz, das ich einst rührte
Ist noch unterwegs nach Haus
Jeder Freund, der Abschied nahm
Spür ich noch hier Zuhaus

Wie weit noch, dein Ufer?
Bald gehen mir die Kräfte aus.

– Che Chidi Chukwumerije.

PRÄGUNG

Schmeckst leicht nach Mandeln
Gebrannt, mit deinem Geschmack nach mir
Ich hab’s aus deinem Kuss zart
Heraus geschmeckt.

Ich habe keine Mandeln gegessen
Flüsterst du, lächelnd
Mußt auch nicht, lächle ich
Es reicht, daß du verliebt bist.

Die Liebe, sie ist der wahre Schöpfer
Wenn sie einkehrt, bringt sie
Alles mit: Sonne, Mond, Nacht, Wind
Wasser, Luft, Freude, Schweigen, Schmerz.

Einsamkeit schmeckt nach dir
Wenn du nicht da bist
Alles und alle schmecken nach dir
Wenn du nicht da bist.

– Che Chidi Chukwumerije.

VORBEI FAHREN

Handschrift ihrer Gedanken
Unsichtbare Tinte
Berührungsängste
Worte sind zu schwer
Zu leicht ist ihre Hoffnung
Reden engt ein
Schweigen deckt auf
Unvolles Treffen
Knapp daneben
Vorbei fahren ist die sicherste Begegnung

Du tanzt dem Lied
Und überhörst den Sänger
Jetzt hast du meine Worte gefunden
Nun hast du mich verloren.

– Che Chidi Chukwumerije.

AFFÄRE

Verlangen ohne Erwartung
Wie geht das denn?
Haben ohne Besitzen – Vor- und Nachteile?
Alles, was ich für dich fühle
Nicht alles hast du gefühlt
Alles, was du von mir hast
Entspricht nicht allem, was du in mir hast.

– Che Chidi Chukwumerije.