Sollen wir fliegen? Fliegen wohin? Da, wo wir uns nicht verbiegen, dahin. Ich fliege mit, Dein Flugbegleiter - erklimmen zusammen Schritt für Schritt die Himmelsleiter. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
der Verbundenheit
ES IST SCHWER
Der Mensch und seine Gedanken wie alle Monde und deren Erden gegenseitig gefangen und tanzen in ihren jeweiligen Gravitationsfeldern Sie steigen und sinken zusammen. Es ist schwer, anders zu denken, als Du bist. Der Mensch und seine Empfindungen wie alle Erden und ihre Sonnen an einander gekettet in festen Bindungen in ihren gegenseitigen Gravitationsbahnen Sie steigen und sinken zusammen. Es ist schwer, anders zu empfinden, als Du bist. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GESCHEHEN-GEBUNDEN
Der Zug rollt ab, wie ein Geschehen, aus dem Du nicht mehr aussteigen kannst. Durchs Fenster wirst Du vieles sehen, an dem Du Dich nicht beteiligen kannst. Du kannst weder stoppen noch umdrehen; die Fahrt erleben ist alles, was Du kannst. Es bringt nichts, zu bitten oder zu flehen, Du bist Geschehen-gebunden. Du kannst im Zug sitzen bleiben oder aufstehen, rumlaufen, mit anderen reden. Du kannst Freunde finden, die den selben Weg gehen wie Du, mit denen Du Wärme teilen kannst. Enge Verbündete wie in Familien, oder Ehen, oder im Krieg, oder im Knast. Werte kannst Du schöpfen, Bunde formen, die nicht vergehen werden, wenn Du endlich umsteigen kannst an der nächsten Station in Deines Lebens Geschehen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
UNSICHTBARE FÄDEN
Manche sind Dir nah, aber Ihr werdet Euch niemals begegnen… Manch andere sind fern von Dir, doch so sicher wie es regnen wird, so sicher wie die Gezeiten hinaus und wieder herein gleiten, ebenso sicher werden sie vom Weiten immer wieder zu Dir zurück reiten. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
TREFFEN OHNE ZU TREFFEN
Das, was wir am Häufigsten tun: Uns miteinander treffen. Das, was wir am Häufigsten tun: Uns gegenseitig verfehlen. Tausend Begegnungen mit Worten die auf „Treffen“ nicht zutreffen. Tausend Erzählungen in Worten die Vieles sagen aber nicht zählen. Tausend Gelegenheiten verpassen uns wirklich innig zu verbinden Tausendmal anfassen ohne zu erfassen die Fäden, die uns innerlich binden. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
BETREUEN UND BEFREIEN
Papa, über was schreibst Du heute ein Gedicht? Ich weiß nicht. Über was soll ich heute schreiben? Über mich. Über Dich? OK. Nein! Spaß! Bitte nicht! Zu spät. Der Gedanke ist gekommen und muss nun bleiben. Und muss nun wachsen, betreut von meiner Liebe, und mich verändern, während ich ihn auch verändere; dann, vollendet, mich zu verlassen, um im Weltgetriebe eigenständig zu wirken für eine neue Welt, eine bessere. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MEIN HERZ RAST
Mein Herz rast durch das Leben An keinem bleibt es kleben Ich sitze als Gast und Pilot zugleich Flugbegleiter auch allein und mit Euch Mein Herz fliegt schnell durch mein Leben An keinem bleibt es kleben Doch egal wo ich bin, da seid Ihr… mit mir reisend tief in mir. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ALS MENSCHEN TREFFEN
Wo können wir uns noch als Menschen treffen? Nicht als Spiegelbilder und Verteidiger der Interessen von Nationen, Kulturen, Völkern, Ethnien, Rassen, Religionen, Gendern, Orientierungen, Ständen, Klassen, sondern einfach als Menschen. Höher als alle diese Identitäten. Verbarrikadiert im Grabenkampf der Identitäten, verloren wie Amnesiekranken in Gruppen-Rivalitäten, gibt es nur noch wenige die für das kämpfen, was wir tatsächlich im Grunde alle sind: Menschen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
HERZSURFEN
Manche surfen das Netz Manche surfen Herzen und zünden dadrinnen Kerzen an Nicht Kakophonie, sondern Symphonie, Harmonie und Sympathie verlangt von uns das Schöpfungsgesetz. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SELBSTRAUM
Menschen wie Luft Einatmen, ausatmen Verbrannt, verpufft Schreie und Hymnen Zahllos wie die Sterne im All Wie die Sterne nah doch fern und überall Wie die Sterne erst der Urknall Danach entfernen sie sich voneinander kontinuierlich… Welt-, nein, Selbstraum. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
