MACH WAS FÜRS KLIMA

Wie viel Politik kann die Politik verändern?
Erstaunlich wenig ohne Menschen.
Wie viel Welt kann die Welt bewältigen?
Nicht mal ein Dorf ohne den Menschen.
Der Mensch wie der Morgen
ist Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft;
wie der Senfkorn klein in seiner Herkunft,
groß bei seiner Ankunft;
wie die Nacht, zur Hälfte Tag; wie der Tag, zur Hälfte Nacht;
Wie viel Erde kann der Mensch schützen?
Wie viel Klima kann der Mensch stützen?
Er wird‘s nicht wissen, bis er etwas macht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ERDERHITZUNG

Lang lebte die Erde
Lange bevor Gottes Odem Adam durchbohrte
blakte sie zerfurcht im eigenen Brodem
Jung war sie nie
Von Anfang an kaustisch und launisch

Und lange lange dauerte es,
bis ihre harte Büste weich wurde
prall geschwollen mit herziger Muttermilch
für werdendes Leben, von werdendem
Leben verlangend anheim gefallen

Lange, schwindelerregend lange lief es gut
bis EvAdam kurzum aufstieg und …
ritt sie so hart wie Fiaker im Abendverkehr,
da stoben Frieden und Vielfalt davon –
So kamen wir im Heute an, verschwitzt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ERGÄNZUNG

Wenn es etwas in mir wär,
das latent und schlummernd ist
und mein Verstand es vergisst…

Etwas, was komplett anders ist,
als das, was ich alles sonst bin,
und bestünde fast aus anderem Sinn

Eine verborgene Macht in mir drin
darauf wartend, geweckt zu sein,
flüsternd „Ich bin Dein, Du bist mein

ergänzendes Teil – Wir sind nicht allein.“
Wenn diese in mir wohnende andere Art
Form nehme würde, wäre sie zart,

zärtlich stark, weich, denn ich bin hart.
Es hätte Deine Art, das Gegenteil von mir –
Sähe aus und wäre wie Du ungefähr.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MUTTERMEER

Das Leben stieg aus dem Wasser heraus
Und machte sich auf dem Lande Zuhaus –
Und jeder See,
an dem ich sinnend steh –
Jeder Fluß,
an dem ich entlang laufen muß –
Am Meer,
am besten Strand ernst und leer –
spüre ich, wie das Leben in mir
zurück gezogen wird, Geburtsort, zu Dir.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ERDVERBUNDEN

Ein Mensch,
der mit der Erde verbunden ist,
ist überall auf der Erde
Zuhause.

Das da oben ist keine Sonne
Das ist ein lachender Kraftspender –
Das Nasse, das von oben kommt,
das ist kein Regen, das ist Segen,
denn es reinigt alles und es stillt
den Durst seiner geliebten Erde.

Die bewegte Luft ist der erregte Duft
des Atems aus der Erde breiter Brust –
Die Bäume sind seine Wurzeln,
bohren immer tiefer in den Himmel,
schöpfen aus der Unendlichkeit
des Grales Unsterblichkeitelixier.

Er liebt nicht nur den Mitmensch
und die Natur als Wohnung,
sondern liebt vor allem die Tiere,
schönste Geschenke des Wesenhaften.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

BLUME IN DER WÜSTE

Die Wüste ist immer nah. Sie ist
nicht Tausende von Kilometern entfernt;
Es trennen mich nur kleine Begegnungen von ihr –
Unfreundliche Augen auf der Straße, die
das Lächeln plötzlich verlernt haben –
Unfreundliche Stimmen, die hart eindringen
bis in meinen Kern.
Und da ist sie wieder: die Wüste.
Die Wüste, die von einer Blume besiegt wurde –
Immer und immer und immer wieder.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

UNBEKANNTER FLUSS

Wo schlängelst Du hin?
Wie ein Fragezeichen
schaust Du kurz hoch
während ich vorbei fliege
betrachtest mich halb lächelnd
halb stirnrunzelnd und fragst mich
Wo schlängelst Du hin?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

LAUTER UND IMMER LAUTER

Mein Neujahr fängt nicht mit Feuerwerk an,
sondern mit Schweigen und innerem Glockenklang –
lauter in meinem Ohr als jeder Gesang –

nicht mit Feiern und Lachen und Reden,
sondern mit Nachdenken und Sinnen –
das, womit ernste Dinge immer beginnen.

Denn die Welt wird lauter und immer lauter,
und Jahr für Jahr frage ich mich subtil,
was sie wohl übertönen will.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

RÜCKFAHRT AUS TIROL

Der Weg ergibt sich aus dem Nebel
Tirol entkleidet sich schnell
entzieht sich dem feuchten Dunst
zwischen seinen Bergen
gibt den Weg frei, eine lange Schlange
und wendet sich unermüdlich
aus der Feier heraus, zurück ins Alte,
voran ins Neue.

Neben mir ein Fluss, der immer in ist,
nimmer out. Die Sonne erscheint zögernd,
es ist eine Wintersonne.
Langsam fallen die Berge zurück,
die Enge weitet sich, und
es liegt eine offene Welt wieder vor mir…
Mit Heimkehr steigt die Reiselust.
Mit Älterwerden, siehe, die jugendliche Lust.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE LIEBE ZUM LEBEN

Ich kann nicht geben
ohne dabei zurückzugeben
denn mir wurde bereits alles gegeben
schön verpackt unter dem Namen: Leben.

Es ist das Fest der selbstlosen Liebe –
Damit beendet immer das Jahr seine Betriebe:
Sich verausgaben, bis nur zurück bliebe
das Ursprungsgeschenk: die Freude am Leben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung