LIEBE GEGEN HASS

Ich liebe Dich auch
wenn Du mich hasst
weil Du etwas hast
was ich brauch.

Du hast die Fähigkeit mich
an mich zu erinnern fast
gefangen im Bedürfnispalast
überfordert unterm Strich.

Bevor Du mich anhauchst
mit Deinem Gift aus Hass
denk daran daß
Du mich auch brauchst.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MITMENSCHEN

Wir sind manchmal Geister
Wir sind da aber Ihr seht uns nicht
Ihr spürt nur ein leichtes Unbehagen
Wir sehen es auf Eurem Gesicht
Ihr stählt Euch gegen unsere Schatten
Als wäre das Eure Pflicht –
Wir materialisieren plötzlich
Doch aus dem Nichts nicht
Denn wir waren niemals aus Schatten
Wir waren immer vom Licht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SELBST IST DIE FREIHEIT

Es bringt nichts, nach Freiheit zu schreien.
Sie ist taub.
Wem sie geraubt wurde,
muß sie aufgeben und sich selbst befreien.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DEMOKRATIE 2.0

Links ist manchmal rechts
Rechts ist manchmal links
Der Weg nach Vorn geht manchmal
weder über links noch rechts

Die Gesellschaft entwickelt sich weiter
Die Politik hinkt hinter her
Irreführende Bezeichnungen
zerren an uns rechts und links

Wir wollen etwas wählen,
was nicht zur Option steht.
Wir wollen etwas sagen,
wofür es kein Wort gibt.
Wir wollen etwas wagen,
wofür kein System existiert.

Wer uns das ermöglicht ,
hat uns die Demokratie gegeben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DAS UNAUSGESPROCHENE

Es liegen verschiedene Schichten
der Höflichkeit aufeinander
nein übereinander
nein untereinander

aber niemals nebeneinander.

Denn alle warten darauf,
daß Du ihrem Weltbild
letztendlich doch noch entsprichst –
dann werden sie höflich schmunzeln.

Doch unhöflich wie Du bist,
entsprichst Du weiter Deinem Selbstbild
und schmunzelst, wie sie verärgert
höflich weiter heucheln.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DAS UNBESIEGBARE

Stell Dir vor
ein Mensch stirbt
aber sein Herz schlägt weiter

Stell Dir vor
sein Mund weint schwer
doch seine Augen leuchten heiter

Stell Dir vor
Geld verlöre seine Macht
denn das Kapital sind die Arbeiter

Stell Dir vor
Die Massen erkennen plötzlich,
die Massen selber sind der Leiter.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

RUHIG NACH VORN

Ich blicke
wie die Nacht und wie der Morgen
wie die Nadel gebannt ihrem Norden
wie ein Kind im Vertrauen geborgen
wie ein Fluss durch Reisen klar geworden
ohne Angst und ohne Sorgen
in mein tägliches Geschick.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GERECHTIGKEIT

Die Nacht bringt die Stimmen nicht zum schweigen
Der Tod bringt kein Ende dem Leiden
Der Haß kann die Sehnsucht nicht vertreiben

Die Stimmen der Getöteten
Das Leiden der Hasserfüllten
Die Sehnsucht nach dem Licht
der Gerechtigkeit.

Nur Gerechtigkeit ist Liebe.
Ohne Gerechtigkeit, kein Frieden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

UNSCHARF

Ausgelaugt, abgenutzt
liegt das Land ermattet, weich –
Die Republik ringt mit dem Reich.
Die Nation hat beide links und rechts gestutzt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DER INNERE NAVIGATOR

In der Landschaft meiner Gedanken
fliege ich, ein Flugzeug,
und ich fliege durch sie hindurch

Denn ich muß tausend Gedanken ignorieren
um den einen zu finden,
der mich unaufhörlich ruft

Ich sehe Euch alle
und ich liebe Euch alle
dennoch muss ich Euch alle verlassen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung