Dienen. Mach Dich klein. Kleinsein ist drin sein. Dienen macht Dich groß - Nimm dies als Denkanstoß und laß los. Es bringt nichts, wichtig sein. Wichtiger wirst Du, bist Du klein. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
des Kampfes und des Widerstands
SPÄTLING DER VERINNERLICHUNG
Von manchen Reisen kehrt man nie zurück. Es kommt jemand zurück, doch nicht der, der ging. In Deinen Augen Trauer, Wunder oder Glück, denn die Blätter sind gefallen. Es ist der Spätling. Er ist herb, herber, Herbst. Er entblößt, er macht kalt, er schmerzt. Er befreit vom Gewicht der Masken und Erinnerung - Tiefer als Erinnerung ist die Verinnerlichung. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
NICHT AUSTEILEN
Egal wie viel Schmerz ich in mir hüte, würde es mich mehr schmerzen, den Schmerz weiter zu geben an Dritte - Ich behalte ihn in meinem Herzen. Leid geteilt wird nicht immer weniger - Ausgeteilt wird er nur noch heftiger. Richtig eingeteilt macht es einen inniger. Er lässt sich nicht aufteilen oder verteilen; Nur im ihn Austragen wird er Dich heilen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
MIKRORASSISMEN
Es ermüdet, täglich auf der Hut zu sein. zu bangen; Feindseligkeit statt Freundlichkeit aus viel zu vielen fremden Blicken zu empfangen, Angriffe aus dem Nichts. Hinterhältigkeit. Es enttäuscht, nicht vertrauen zu können; den nächsten Dolchstoß ständig zu erwarten; Wenige zu kennen, die Dir Gutes gönnen; begriffen zu haben, Du gehörst zu “Fremdarten”. Es macht Dich stark und schwach zugleich; Du darfst zart sein aber niemals weich; wirst Armut überleben aber wirst nie reich. Zwischen Euch liegt ein unsichtbarer Teich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
WEITERLEBEN
Anstatt zu sterben, wie erwartet, lebte ich weiter… Ein Vogel ziehend im Sonnenuntergang Eine Glocke mit noch einem Nachklang Ein einsamer Kletterer am Berghang Ein Schwan ohne Sterbegesang Anstatt zu sterben wie erwartet, lebte ich weiter… Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
MANN UND SCHMERZ
Wie viel Schmerz kannst Du ertragen bevor Du ihn nicht mehr ertragen kannst? Wie viel Schmerz kannst Du ertragen bevor er Dich nicht mehr ertragen kann und Dich weiter ziehen lässt? Du bist stärker als sie es der Welt sagen - Schmerz erprobt und winterfest! Du kannst weit mehr Schmerz ertragen, als Du es mit Worten erklären kannst. Denn Du bist ein Mann. Che Chidi Chukwumerije Poems from the inner river
EIN LAND
Ein Land, zwei Seiten Eine Seite, zwei Länder Deutschland Deine weiten Tiefen sprechen Bänder. Das, was Du hasst, ist ein Teil von Dir, weil Du es hast tief in Dir und tief in mir. Das, was Du hast, ohne es zu beachten, ist‘s, was zu Dir passt - Nur tiefer beobachten. Die Gleichart ist tiefer als gedacht und verdient nicht so viel Verdacht und verdient nicht so viel Verdacht. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
LIEBE UND EINE BESONDERE FREUNDSCHAFT
Aus Liebe wird eine besondere Freundschaft wenn die Liebe echt war und fertig ist, weil Liebe niemals fertig ist - sie ändert sich und wird zu dieser Freundschaft. Liebe, die zu jener Freundschaft nicht werden kann, war entweder niemals wahre Liebe oder ist noch nicht fertig; weil wahre Liebe, unfertig, zu dieser Freundschaft noch nicht werden kann. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
DEN SCHMERZ ÜBERLEBT
Langsam beruhigt sich mein Herz, Ich werde es doch überleben. Der Schmerz war tödlich - kein Scherz - Und hat mir mich zurückgegeben. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
WIR DAS VOLK
Der Hund dreht seinen Kopf soweit er kann verzweifelt zum Linken und zum Rechten aber seine Schnauze kommt nicht ran Er kann seinen Rücken nicht kratzen Jemand anders muss es für ihn machen. Dann gibt’s Erfolg. Die Politik pendelt von den Linken zu den Rechten Und wieder zurück mit keinem Ende in Sicht Oszilliert zwischen den „Echten“ und den „Echten“ Und trifft die Mitte nicht. Die Nicht-Politischen müssen es machen. Wir das Volk. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
