GEGENDRUCK

Habt Ihr es gemerkt?
Das Dunkel weckt das Licht
zur Gegenwehr.
Das Böse entlockt dem Guten den Schrei:
Wir sind mehr. Immer mehr.
Rassismus verwandelt seine Opfer
in ein unbesiegbares Heer.
Habt Ihr es gemerkt?
Unsere Feinde haben uns gestärkt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

HANAU UND WIR

Schüsse so laut!
Sie gehen der Stadt
unter die Haut!
Mitbürger,
uns vertraut…
Uns von einem Rassisten
in der Nacht geklaut.

Schaut! Schaut! Schaut!
Immer noch keine Polizisten –
Es hat sich leider gestaut
an all ihren Leitungen.
Uns einfachen Zivilisten graut
es davor. Doch rassistische
Strukturen gehören endlich abgebaut!

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DER SELBSTTÄUSCHENDE RASSISMUS

Der Rassismus ist ein blinder Fleck.
Die rassistischsten merken es nicht
oder wollen es nicht merken;
In ihren Schwächen
preisen sie sich ihre Stärken;
Doch erkennen werdet Ihr sie
an ihren Werken:
Fremden weh tun ist versteckt ihr Daseinszweck.
Und das sind die Besten.
Was mag denn stecken in den Resten?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WENN DIE SEHNSUCHT STIRBT

Irgendwann habe ich keine Worte mehr
um über den Tod der Sprache zu singen;
Irgendwann macht es keinen Sinn mehr,
dem Fehlen von Sinn Aufmerksamkeit zu bringen;
Irgendwann gibt es keine Sehnsucht mehr,
und keiner wird es wahrnehmen wollen;
Denn ohne die Sehnsucht wird ihr Vorhandensein keiner wahrhaben wollen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

FRANKFURT IST MEHR; UND KANN MEHR

Ich habe mich entschlossen, bei den nächsten Kommunalwahlen (14. März 2021) hier in Frankfurt am Main für die Kommunale Ausländervertretung (KAV/Ausländerbeirat) für ganz Frankfurt und für den Ortsbeirat (5 – Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen) zu kandidieren, und bin dankbar über jede Unterstützung.

– Che Chidi Chukwumerije
https://che-chukwumerije.de/

EINMAL TÄGLICH LEBEN

Ich fange mehr Gedanken täglich
als ich nächtlich verarbeiten kann
Und lebe mehr Träume nächtlich
Als ich täglich ausleben kann
Und lIebe mehr Menschen in diesem Leben
als in all den anderen Leben zuvor je tat –
Irgendwas treibt mich an, ich weiß nicht wer
oder was, täglich zu einer guten Tat.

Ein Gedicht reicht nicht
Mildtätigkeit ist nur die halbe Meile
Ein Lächeln ist gut
Und dennoch ist es nicht gut genug…
Nicht die äußere Tat ist an sich die gute Tat
sondern die innere Befehlskette:
Mindestens einmal täglich muß ich den Mut haben,
auf meine innere Stimme zu hören.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EIGENART MENSCH

An manchen Tagen bin ich zuerst Schwarz
An manchen Tagen bin ich zuerst Mensch
Nicht nur in meinen Augen
Auch in Deinem Kopf

Manchmal muss ich mich fast daran erinnern,
daß Mensch und Schwarz
sich nicht gegenseitig ausschließen –
Schwieriger ist‘s, Dir das klar zu machen.

Guten Morgen Tag, Du bist zu früh gekommen
Ich lebe für Generationen ungeboren
Und säe Samen, deren Früchte die ernten werden,
für die ich bloß ferne Geschichte sein werde.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DEINE STIMME IN MEINER WILDNIS

Wenn ich könnte
würde ich Deine Stimme
in meiner Seele aufbewahren –
ein nimmer ausklingender Widerhall.

Denn Du drückst mir immer die Daumen
wenn ich den Weg in meinen Traum verliere
deine Stimme, wie ein Weckruf, ist da –
Du schaffst das! Du schaffst das!

Je wilder, desto vertrauter –
Ich nehme Dich mit in meinen Traum
Du wirst lauter und lauter und lauter
schreien: Ich bin jetzt Dein Echoraum.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

AUFGEWÜHLT

Heute bin ich müde
und kann nicht schlafen –
Gestern schlief ich
und war nicht müde.

Heute bin ich reifer
und brauche die Kindlichkeit
Gestern war ich ein Kind
und brauchte mehr Reife

Heute habe ich Essen
doch ich bin nicht mehr hungrig
Jetzt habe ich Durst
denn ich verbrenne innerlich.

Doch ich bin nicht allein
Auch der Planet ist aufgewühlt
und Flüchtlinge irren herum
und die Politik ist verunsichert.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

UNGESCHÜTZTE KINDER

Kinder legen sich heute Nacht zum Schlafen
Nach noch einem anderen Tag harter Arbeit
Fragen sich, warum ihre Eltern verschwunden sind –
Stell Dir vor, das wären Deine Kinder
und Du wärest nicht mehr da.

Das ist keine Poesie
Das ist wahres Leben –
Viele solcher Kinder liegen in diesem Augenblick
irgendwo im Dunkel, verängstigt, verwirrt,
desorientiert, einsam, ausgeliefert, wach.

Sie versuchen, den Sinn zu begreifen
Sie versuchen, mutig zu sein
Sie versuchen, die Hoffnung nicht zu verlieren,
und dann irgendwann, kurz vor Mitternacht,
schlafen sie müde ein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung